Kronach
Beschwerde

Wurden Flaschen manipuliert? Franken Bräu muss Rückruf ausweiten - Ermittlungen laufen

Die Mitwitzer Brauerei sieht sich erneut mit dem Vorwurf konfrontiert, dass eines ihrer Biere verunreinigt sein soll. Geschäftsführer Rainer Mohr geht auf Nummer sicher.
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Rainer Mohr ist keiner von denen, die lange um den heißen Brei reden. Der Geschäftsführer der Franken Bräu aus Neundorf wird auch bei kritischen Themen schnell deutlich und sagt, was er denkt. Beim Telefonat am Mittwochmorgen ist seiner Stimme jedoch eine Bedrückung anzumerken. Dass er zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit eine ganze Charge Bier zurückrufen muss, nagt hörbar an ihm. Zumal sich beim ersten Vorfall der Verdacht gegen die Brauerei nicht bestätigt hatte.

Was war passiert? Ende August wurde bei einem Landratsamt eine Flasche Pilsener abgegeben, in der Rückstände einer Lauge nachgewiesen wurden. Zur Sicherheit rief die Franken Bräu 30 000 Flaschen einer Charge (Mindeshaltbarkeitsdatum 5. Mai 2020) zurück. Die folgende Untersuchung ergab jedoch, dass die Lauge nicht die gleiche ist, wie die Reinigungslauge, die bei der Neundorfer Brauerei zum Einsatz kommt. Rainer Mohr drohte daher rechtliche Schritte an, verwies auf mögliche Manipulationen und seinen Verdacht, dass die Franken Bräu geschädigt werden soll. Schließlich taxierte Mohr den Schaden auf 200 000 Euro.

Am Dienstag wurde der Rückruf jedoch auf die Charge des Pilseners mit Bügelverschluss und dem Mindesthaltbarkeitsdatum 6. Mai 2020 ausgeweitet. Wie Mohr auf Nachfrage des Fränkischen Tags bestätigte, ist eine weitere Flasche aufgetaucht, zu deren Inhalt es eine Beschwerde von einer Privatperson gegeben hat.

"Vorsichtshalber starten wir wieder eine Rückrufaktion", sagt Mohr zerknirscht. Ob die Umstände die gleichen sind, wie beim ersten Vorfall, kann er zurzeit noch nicht sagen. Damals ging er nach der Überprüfung der Lauge zur Kronacher Polizei, um sich auf rechtlichem Weg gegen die vermeintlich unbegründeten Vorwürfe zu wehren.

Ihm ist aber auch klar, dass er das Bier im aktuellen Fall wieder aus dem Verkehr ziehen musste, selbst wenn es sich bislang nur um Probleme mit einer einzigen Flasche handelt. "Da hilft es auch nichts, wenn jemand anderes da ist und sagt, dass er einen ganzen Kasten getrunken hat und das Bier geschmeckt hat", erklärt der Geschäftsführer. Die Meldung über eine Beschwerde sei einfach in den Köpfen der Kunden drin. "Das Bier kauft dann keiner mehr." Der Umfang des Rückrufs sei vergleichbar mit dem des ersten Vorfalls, sagt Mohr.

Ermittlungen laufen noch

"Die Franken Bräu hat Anzeige erstattet", bestätigte die Staatsanwaltschaft Coburg am Mittwoch zum ersten Rückruf der Brauerei. "Die Ermittlungen laufen." Nähere Auskünfte konnten am Mittwoch noch nicht gegeben werden, da der Zuständige nicht im Dienst war.

Zum aktuellen Vorfall bezog am Mittwochnachmittag auch das Landratsamt Kronach Stellung. "In der vergangenen Woche wurde bei der Stadt Hof eine Flasche Franken Bräu Pilsener mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 6. Mai 2020 aufgrund des starken Geruchs nach Lauge von einem Verbraucher beanstandet", heißt es in einer Pressemitteilung zu den bisherigen Erkenntnissen. "Erste amtliche Untersuchungen bestätigten, dass sich in der beanstandeten Bügelverschlussflasche Natronlauge aus einer Flaschenwaschmaschine befand." Ob diese Substanz mit der Reinigungslauge der Franken Bräu übereinstimmt oder sie wieder aus einer anderen Quelle stammt, muss nun untersucht werden. Eine Auswertung dieser Überprüfung ist frühestens Ende der Woche zu erwarten.

Wieder heißt es abwarten

Mohr bleibt nun also nichts anderes übrig, als wieder auszuharren und auf die Ergebnisse der Untersuchung zu warten. Dabei ist ihm klar, dass es so oder so nicht zufriedenstellend für die Franken Bräu ausfallen kann. "Egal, ob's eine Manipulation ist oder nicht - beides ist letztendlich schlecht", zeigt er die Zwickmühle auf; entweder gibt es jemanden, der der Franken Bräu schaden will, oder es gibt ein Problem bei der Flaschenreinigung.

Und was wünscht sich der Geschäftsführer in dieser seit Wochen vertrackten Situation für seine Brauerei? Seine Antwort ist bei aller Niedergeschlagenheit wieder gewohnt deutlich: "Klarheit - und Ruhe!"

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