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Kronach
Interview

Wolfgang Polifka veröffentlicht Kronach-Krimi

Wolfgang Polifka hat mit "Die Rosenberg-Pergamente" einen Kronach-Krimi geschrieben. Was den Roman so besonders macht, erzählt der 67-Jährige im Gespräch.
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Der gebürtige Kronacher Wolfgang Polifka hat sein viertes Buch veröffentlicht: ein Kronach-Krimi.  Foto: privat
Der gebürtige Kronacher Wolfgang Polifka hat sein viertes Buch veröffentlicht: ein Kronach-Krimi. Foto: privat
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Als der Kronacher Oberkommissar Götz Flößer auf der Festung Rosenberg jahrhundertealte Pergamente und Blutspuren findet und anschließend eine Türkin seine fränkische Welt auf den Kopf stellt, da musste Wolfgang Polifka vielleicht kurz schmunzeln.

Schließlich weiß er selbst meist nicht, wie sich seine erste Idee in der Geschichte am Ende entwickelt. "Die Rosenberg-Pergamente" ist der dritte Kriminalroman des 67-Jährigen, der inzwischen mit seiner Familie in Marburg wohnt. Warum er seine einstige Heimatstadt nun zum Schauplatz eines Verbrechens machte, wo ihm die Leichen abhanden kamen und wie seine Hauptfigur Götz Flößer entstand, darüber spricht er im Interview.

Was ist zuerst da, der Mörder oder das Verbrechen?
Wolfgang Polifka: Ich gehöre zu den 40 Prozent der Autoren, die sich als reine Bauchschreiber bezeichnen.
Ich fange mit irgendeiner Idee an, und erst im Laufe des Schreibprozesses entwickelt sich die Geschichte.

Sie wissen also manchmal selbst nicht, wer der Mörder ist?
Das war bei den früheren Krimis zum Teil wirklich so. Ich musste den Mörder selbst erst finden. Auch bei meinem Kronach-Roman war es ähnlich.

Nur dass Sie dort gleich komplett auf den Mörder verzichtet haben...
...momentan ist der deutsche Markt sehr stark von skandinavischen Krimis dominiert, die ich auch gerne mag, aber deren treibendes Element aus möglichst bizarren Tötungsarten der Opfer besteht. Und ich weiß von vielen, dass sie sich das abends im Bett nicht antun wollen. So weit ich weiß, hat sich noch nie jemand in einem Roman an so etwas ran gewagt. Es hat sich dann auch als ungewöhnlich schwierig erwiesen, ein Mord, eine Leiche, eine weitere Leiche, das treibt normalerweise die Handlung voran.

Wie lange haben Sie daran geschrieben?
Ungefähr ein Jahr.

Haben Sie Ihren Tag nach festen Schreibzeiten eingeteilt?
Seitdem ich in Rente bin, habe ich das Glück, mir meine Zeit frei nach Lust und Laune einteilen zu können. Manchmal schreibe ich früh, manchmal nachmittags oder später am Abend. Es ist kein Acht- oder Zehn-Stunden-Tag.

Es ist ja nicht Ihr erster Krimi...
Die ersten zwei Krimis habe ich mit einer Co-Autorin unter dem Pseudonym Lea Wolf geschrieben. Während des dritten haben wir uns ein wenig auseinander geschrieben. Ich hab dann einen historischen Roman geschrieben.

Und wie kam dann die Idee zum Kronach-Krimi?
Der äußere Anlass kam aus Kronach selbst. Der Verein 1000 Jahre Kronach veranstaltete vor vier Jahren einen Krimiwettbewerb. Mein Beitrag ist auch veröffentlicht worden, "die Kronach Gans". Damals habe ich gedacht, bei der Kurzgeschichte sollte es nicht bleiben. Und wenn mich die Lust verlassen hat, hat mich Herr Raum, der Vorsitzende des Vereins, immer wieder ermutigt.

Sie leben jetzt in Marburg. Haben Sie vor Ort in Kronach recherchiert?
Ich bin in Kronach geboren und aufgewachsen, im Alter von 18 Jahren habe ich es verlassen. Seit der Zeit bin ich nur noch als Besucher hier gewesen. Teilweise habe ich recherchiert. Teilweise habe ich auch Tipps durch die Vereinszeitschrift bekommen. Zum Beispiel das mit den Flößern oder den blauen Steinen.

Das Buch ist ja jetzt eine Mischung aus historischem Roman und Krimi...
Ja, das war ursprünglich gar nicht meine Absicht. Um bestimmte Dinge zu erklären und dass eine Erzählung zu Stande kommt, war es nötig.

Wie viel davon ist Fakt, wie viel Fiktion?
Der Festungskommandant Johann Rudolph Mayer ist eine reale Figur. Der Rest ist Fiktion. Die Idee kam mir während eines Urlaubs in Istanbul, als ich überlegte, wie wohl das Osmanische Reich mit der Geschichte Kronachs verknüpft werden könnte. Da passte natürlich der türkischstämmige Festungskommandant perfekt.

Was ist Ihnen bei einem guten Krimi wichtig?
Zwei Dinge. Ich mag Krimis, in denen nicht alle Figuren bis ins letzte Detail vorgekaut werden. Natürlich muss am Ende alles aufgeklärt sein, aber ich möchte ein paar Freiräume haben, die ich als Leser selbst gestalten kann. Und Bücher, die in einer normalen, guten Alltagssprache geschrieben sind.

Und was war es bei Ihrem eigenen?
Ich habe versucht, es wirklich auf die Stadt Kronach zu schreiben und möglichst viele Dinge, die nicht einfach austauschbar sind, einzubringen. In Kronach ist das einfach. Aber ich schreibe keine Real-Krimis. Meine Hauptfigur, Götz Flößer, ist eine Mischung aus Philosoph und Klugscheißer.

Träumt man als Krimiautor nicht immer davon, auch mal einen Sherlock Holmes zu schaffen?
Auf jeden Fall. Das ist der Traum eines jeden Autors, eine Art Kultfigur zu schaffen. Aber dafür braucht es das Können, eine solche Figur anzulegen und auch den Zufall, dass jemand diese Figur entdeckt und propagiert.

Haben Sie selbst eine Lieblingsfigur in der Literatur?
Wenn ich ehrlich bin, immer meine aktuelle Figur. Die hat natürlich andere Figuren als Vorbild. Eine Einzelfigur gibt es nicht. Ich setze sie immer aus mehreren zusammen. Ich könnte jetzt auch nicht mehr sagen, ob der Fernsehdetektiv Monk das Vorbild für die kauzige Eigenart von Götz Flößer war oder jemand anderes. Die Figuren entstehen. Ich muss mich im Roman häufig vor- und zurückbewegen. Wenn ich an den Punkt komme, jetzt ist die Figur, so wie du sie haben willst, jetzt musst du vorne noch ein paar Hinweise setzen.

Hat man manchmal Angst, dem Verbrechen Vorschub zu leisten?
Nein. Ich behaupte, die Fantasie der Menschen ist so groß, dass man nicht befürchten muss, man liefere etwas, was der Mensch sich nicht schon ausgedacht hat. Im Positiven wie im Negativen.

Wird es eine Fortsetzung mit dem Kronacher Oberkommissar Götz Flößer geben?
Ja, da sitze ich momentan gerade dran. Ich rate mal, dsas ich das Manuskript in drei Monaten fertig habe.

Wird es diesmal einen Mord geben?
Ich bin der Versuchung noch nicht erlegen. Die Verlockungen von Mord und Leichen sind für einen Krimiautor immer groß. Auf jeden Fall wird es um das Leben und Werk Lucas Cranachs gehen. Aber in einer Weise, wie sich bisher noch niemand mit ihm beschäftigt hat.

Die Fragen stellte Anja Greiner

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