Kronach
Wirtschaftsserie (5)

Wohlklang kommt aus Kronach

Holzblasinstrumente wie Fagotte, Oboen, Klarinetten oder Chalumeaux gibt es seit Jahrhunderten. Die Firma Wolf Holzblasinstrumente aus Kronach sorgt jetzt für klangliche Revolutionen: mit Neuentwicklungen.
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Jörg Bayer ist eigentlich gelernter Modellbauer, doch er hat ein Händchen für die feinen Verzierungen der Instrumente - und auf Genauigkeit kommt es bei Wolf Holzblasinstrumente aus Kronach natürlich an.
Jörg Bayer ist eigentlich gelernter Modellbauer, doch er hat ein Händchen für die feinen Verzierungen der Instrumente - und auf Genauigkeit kommt es bei Wolf Holzblasinstrumente aus Kronach natürlich an.
Wenn es um Holzblasinstrumente geht, dann lässt sich Guntram Wolf mit seinen 77 Jahren so leicht nichts vormachen. Denn obwohl er eigentlich altorientalische Archäologie studiert hat und als Lehrer für Englisch, Geschichte und Biologie bis zu seinem 55. Lebensjahr seine Brötchen verdient hat, waren Blasinstrumente aller Art schon immer seine Passion. "Ich habe eigentlich Blasinstrumente kreuz und quer gespielt", sagt Guntram Wolf lachend und erzählt von Fagott, Oboen und Klarinette.

"Aber die Instrumente waren uns während des Studiums zu teuer. Das konnten wir uns nicht leisten und so hab ich angefangen, mich dafür zu interessieren und Instrumente zu bauen", denkt Wolf zurück und zeigt so nebenbei seine private Instrumentensammlung, die eigentlich ein eigenes Museum verdient hätte. Da sind Schalmeien, Oboen, Klarinetten und die ersten Fagotte zu sehen - noch mit wenigen Klappen und in geschwungener Form.
Da sind Instrumente dabei aus der Zeit Mozarts. "Jedes Instrument hat seine Geschichte. Die späten Schalmeien sind beispielsweise aus der Renaissance", zeigt Wolf.

"Ich wollte immer der Sache auf den Grund gehen", erzählt der Seniorchef der heutigen Firma bescheiden und verrät, dass er die Instrumente vermessen hat, dass er die Bauweise studiert hat und dass er so manchem Kniff auf die Schliche kam. "Aber die heutigen Instrumente sind nicht schlechter - im Gegenteil", so Wolf. Voraussetzungen sind immer das verwendete Holz - und die Baukunst.

Viele Jahre reparierte und baute Guntram Wolf Holzblasinstrumente als Hobby, mit 55 Jahren änderte er sein Leben: Er legte in Mittenwald die Meisterprüfung als Instrumentenbauer ab und gründete seine heutige Firma.

Kinder steigen ein
Inzwischen sind auch seine Tochter Claudia (45) und sein Sohn Peter (43) ins Unternehmen eingestiegen. Guntram Wolfs Tochter ist Innenarchitektin und unter anderem für die Konstruktionen am Computer zuständig. Und Sohn Peter hat Instrumentenbauer wie Guntram Wolf gelernt - und bildet gemeinsam mit dem Vater ein unschlagbares Team. "Wir sind zu Hause mit Musik aufgewachsen. Als Kind hab' ich Waldhorn gelernt, meine Schwester Klavier und es standen bei uns immer etliche kuriose Instrumente herum, die einen zum Ausprobieren angeregt haben", sagt Peter Wolf. Mittlerweile kümmert sich der Seniorchef um die historischen Instrumente und der Junior um die modernen und um spezielle Kinderinstrumente, die natürlich kleiner sind.

Tiger-Instrumente
Und auch die Tiger-Instrumente im gelb-schwarzen Ringellook - speziell für Kinder - gehen auf Peter Wolfs Konto. "Es ist wichtig, dass Kinder frühzeitig anfangen. Und man kann mit den kleinen Fagotten schon ab fünf Jahren anfangen zu spielen", erzählt Peter Wolf. Die meisten Kinder lieben die getigerten Instrumente, die ausschließlich von Hand lackiert sind, damit jeder Streifen unterschiedlich ist. Die Idee der "Tiger" war ein Erfolg und hat schon viele Kinder zu Holzbläsern gemacht.

Aktuell macht das Kronacher Unternehmen mit einer weiteren Neuentwicklung im Fagottbereich von sich reden: Auf dem Innovationstag des Mittelstandes - initiiert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin - stellt die Kronacher Firma ein völlig neues Fagott vor: das Bassoforte. Das Bassoforte ist akustisch so konzipiert, dass es sich hinsichtlich Lautstärke und Klangfarbe auch im Blechbläserensemble "behaupten" kann. Es soll im Bereich der symphonischen Blasmusik ebenso wie im Jazz oder in Big-Bands neue Ausdrucksmöglichkeiten für Fagottisten schaffen. Dank modernster CAD-/CAM-Technologien und Messmethoden wurde der üblicherweise langwierige Entwicklungsprozess erheblich verkürzt. "Die engen Bögen kann man nur mit modernen CNC-Maschinen fertigen, die könnte man nicht konventionell herstellen", erklärt Guntram Wolf und freut sich, dass er Innovationsfördergelder für das neue Instrument bekommen hat. "Aber wir hätten es sowieso gebaut", sagt Wolf.

Erfolgsinstrument
Der Seniorchef weist auf ein weiteres Erfolgsinstrument hin: das Kontraforte: "Beim herkömmlichen Kontrafagott war die Intonation nicht gut. Es war eigentlich vom Klang her nicht zufriedenstellend", so Guntram Wolf. "Deshalb haben wir dieses Instrument mit Unterstützung von Benedikt Eppelsheim in München, mit dem wir bereits bei vielen Neuentwicklungen erfolgreich zusammengearbeitet haben, neu konstruiert. Das Ergebnis: Ein Kontrafagott, von dem Profis bislang nur träumen konnten mit einem Tonumfang von viereinhalb Oktaven und einem unvergleichlich schönen runden Klang. Auch bei diesem Instrument sind Pianissimo-und Fortissimo-Stellen kein Problem mehr. Wir haben das Kontraforte in sehr kurzer Zeit entwickelt", verrät der Seniorchef von Wolf Holzblasinstrumente stolz.

Und noch ein besonderes Instrument zeigt der Seniorchef - das Lupophon. Dabei handelt es sich um eine Bassoboe, die eine runde Knubbelnase als Schalltrichter ihr eigen nennt und die in der französischen Oboengriffweise gespielt wird. Sie verfügt über einen Tonumfang vom Tenorbereich bis zum vollen Bassbereich. "Egal, wo wir das Lupophon präsentieren, es wird immer gestreichelt und angefasst", sagt Guntram Wolf lachend und ist überzeugt, dass der Knubbeltrichter einfach ein Sympathieträger ist. Seinen Namen hat das Lupophon, weil Wolf nun einmal "Lupus" heißt - und sich Lupophon so schön spricht, auch international.

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