Kronach
Heimatkunde

Woher Kronach seinen Namen hat

Wald, Wasser und Weide prägen die Lande um Kronach. Kronach, Rosenberg und Haßlach - diese drei Namen gehören zusammen wie Vater, Mutter und Kind.
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Fast 140 Jahre ist dieses Foto von der Festung Rosenberg, die einst nordöstlicher Eckpfeiler des Fürstbistums Bamberg war, bereits alt.  Repro: Stadtarchiv Kronach
Fast 140 Jahre ist dieses Foto von der Festung Rosenberg, die einst nordöstlicher Eckpfeiler des Fürstbistums Bamberg war, bereits alt. Repro: Stadtarchiv Kronach

In einem Reisebericht aus dem Jahr 1919 heißt es: "Wer mit der Bahn von Bamberg über Propstzella nach der Reichshauptstadt fährt, der wird, wenn er bei Lichtenfels das Maintal verlassen und nun durch das Rodachtal allmählich dem Frankenwalde nähergeführt wird, freudig überrascht durch den Anblick eines prächtigen Stadtbildes. Es ist das oberfränkische, am Zusammenfluss der Haßlach, Kronach und Rodach gelegene Städtchen Kronach, überragt von der wohlerhaltenen Bergfeste Rosenberg, der vom Feinde nie bezwungenen Festung."

Kronach, Rosenberg und Haßlach - diese drei Namen gehören zusammen wie Vater, Mutter und Kind. Sie führen uns zurück in die altersgraue Vorzeit, in der Stadt und Burg gegründet wurden von einer Rossen, respektive Pferde züchtenden germanischen Sippe. Hierfür gibt es keine pergamentene oder papierene Urkunde, wohl aber andere Zeugen: die drei Namen, die uns später Geborenen einen ganz anderen Sinn vortäuschen als sie in Wirklichkeit bedeuten.

Kronach, respektive Cranach, wurde im Jahr 1003 in der Chronik des Thietmar von Merseburg als urbs crana erstmals urkundlich erwähnt. Nach seinem Geburtsort hat der berühmte Maler Lukas Cranach (1472-1553) seinen Namen. Man hat den Namen der Stadt mit dem stattlichen Wandervogel Kranich in Verbindung gebracht, aber es ist klar, dass die Siedlung nach dem dort mündenden Zufluss der Rodach benannt ist und dass sich in beiden Namen und ebenso in Haßlach das alte deutsche Wort Ache, das heißt Wasser, verbirgt.

Die drei W: Wald, Wasser und Weide drücken der Landschaft den Stempel auf. Weidehirten sind offenbar die ersten Siedler gewesen.

Ein alter, verklungener Ausdruck für Hengst ist Gran. Ein Granbrunnen rinnt am Kreuzberg in der Rhön neben einem Pferdebrunnen. Grani war einer der vielen Beinamen des Schimmelreiters Wodan. Grani hieß auch der Hengst, auf dem Siegfried, der Abkömmling Wodans, durch den Flammenwall sprengte, um die Brunhild aus ihrem Schlummer zu wecken.

Kranich hieß ein berühmter Schimmel des Oldenburger Grafen Anton Günther, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte. Der Schweif des Pferdes soll so lang gewesen sein, dass ihn ein Page nachtragen musste. In Kranichborn endlich, einem Dörfchen bei Sömmerda in Thüringen, nördlich von Erfurt, fließt ein Brunnen, der Pagsborn heißt. Pagsborn und Kranichborn sind zwei gleichbedeutende Benennungen.

Bedeutung: Roßbach

Page ist heute noch in Niederdeutschland für Pferd gebräuchlich. Riedpage ist ein Reitpferd, Pagenstall ein Pferdestall, Pagenstecher eine andere Benennung des Pferdemetzgers. Es hat also der Pagsborn früher auch Kranichborn geheißen. Danach ergibt sich für Kranach (Kronach) die gleiche Bedeutung wie für Gran (anno 1042 Grana), den Nebenfluss der Donau, der bei der Stadt Gran mündet. Kronach und Gran (Grana) sind dieselben, nur mundartlich sich unterscheidenden Benennungen mit der Bedeutung Roßbach.

Noch eine Ortschaft gibt es in Thüringen, deren Name scheinbar von dem Vogel, dem Kra-nich, herrührt: Das ist das Städtchen Kranichfeld an der Ilm. Dass auch dieser Name ebenso wie Kranichborn von der Pferdezucht hergenommen ist, beweisen Gemarkungsbezeichnungen wie Rosengasse und Rosengarten.

Durch die Rosengasse wurden die Stuten in den Rosengarten, auf die Weide oder in das Gehege getrieben. Rosengarten ist also gleichbedeutend mit Stutengarten. Die fremdländische Rose, die Blume, die die Mönche nach Deutschland gebracht haben, hat die Erinnerung an die "Rose", die Stute (es ist die weibliche Form zu Ross, bayerisch: Roos), ausgelöscht. So erklärt sich der Name Rosenberg durch Stutenberg. Es war oben auf dem Berg in der Urzeit ein Gestüt.

So gibt es auch in der Stadt Graz in der Steiermark, dem Hauptort des ehemaligen Hengstgaues, einen Rosenberg.

Neben Hengst und Stute darf das Kind, das muntere Fohlen, nicht fehlen. Eine alte, im österreichischen Pinzgau erhaltene Bezeichnung desselben ist Hasn. "Stut-Hasn" nennt man dort die weiblichen, "Fol-Hasn" die Hengstfohlen. Hierzu ist "Haßl" die Verkleinerungsform. Sie steckt auch in dem Gewässernamen Haßlach, das heißt Fohlenwasser.

Aus Rößlein wurde zartes Röslein

Die Sage hat die Rosengärten wundersam verklärt und aus dem Rößlein ein zartes Röslein gemacht. Am berühmtesten ist der Rosengarten der Kriemhilde, der auf einer Rheininsel bei der Nibelungenstadt Worms liegt. Hier wird deutlich, dass sich hinter ihm ein Rossgarten verbirgt. Der Weg dorthin führt über die ehemalige historische Allmendstraße. Der Rosengarten war also Allmende, die Bürgerweide, eine landwirtschaftliche Nutzfläche, gleichwie das Tal der Ilm bei Kranichfeld, das im Mittelalter Ilmena (die Allgemeine, die Gemeindeflur) hieß.

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