Kronach
Sanierung

Wo in Kronach wieder Geschichte erstrahlt

In den Räumen in der Amtsgerichtsstraße wurde einst Kronacher Zeitungsgeschichte geschrieben. Ein Investor hat dem alten Gebäude neuen Glanz verliehen und dort drei Gewerberäume und sieben Wohnungen geschaffen.
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Dort, wo viele Jahre Zeitungsgeschichte wurde - auch der Fränkische Tag stellte dort 20 Jahre lang den Lokalteil Kronach her -,  wurden nun durch das Ehepaar Hiltl neue Wohnungen geschaffen. Foto: Veronika Schadeck
Dort, wo viele Jahre Zeitungsgeschichte wurde - auch der Fränkische Tag stellte dort 20 Jahre lang den Lokalteil Kronach her -, wurden nun durch das Ehepaar Hiltl neue Wohnungen geschaffen. Foto: Veronika Schadeck

Die Mission war klar: Ein altes Fachwerkensemble von Grund auf sanieren und somit neuen Wohnraum schaffen. Sechs Jahre nach der Ersteigerung des Objekts in der Kronacher Amtsgerichtsstraße haben Christoph Hiltl und seine Frau ihr Ziel erreicht. Das geschichtsträchtige Gebäude, in dem einst viele Jahre lang Kronacher Zeitungsgeschichte geschrieben wurde, erstrahlt im neuen Glanz.

Die ersten Mieter konnten ihr neues Quartier bereits beziehen. Insgesamt sind sieben Wohnungen entstanden. Hiltl spricht von "gehobener Wohnqualität". Zusätzlich wurden drei Gewerbeeinheiten geschaffen. Die Maßnahmen seien nahezu vollendet, bald kommt auch hier wieder Leben in das Gebäude. Doch nebst den praktischen und strukturellen Aspekten muss der Betrachter feststellen: Mit der Sanierung wurde die Obere Stadt durch ein architektonisch reizvolles Ensemble bereichert. Wie Christoph Hiltl erklärt, sind einige Wohnungen schon vergeben.

Nahversorgung und Café

Auch eine Gewerbeeinheit hat bereits einen Mieter. Sein Wunsch wäre es, wenn sich jemand finden würde, der in diesem Gebäude einen kleinen Laden für die Nahversorgung führen würde. Auch ein kleines Café könnte sich der Münchner gut vorstellen. "Der Bedarf ist da!", sagt er und beruft sich dabei auf eine Umfrage.

Wenn es nach ihm geht, könnte es in der Oberen Stadt noch etwas grüner werden. Dabei hat er zum Beispiel den Vorplatz des historischen Rathauses im Auge, der an sein Gebäude grenzt. Die Ecke könnte die Stadt mit "etwas Grünem" aufwerten, schlägt er vor. Er selbst wolle seine Fassade noch etwas ergrünen lassen.

Der Münchner Bauherr ist wöchentlich vor Ort, um nach den Rechten zu sehen. Die Sanierung dieses Gebäudes war nicht nur mit einer Menge an Kosten verbunden, sondern auch mit einigen bürokratischen Hürden, sagt er. Vor allem die Statik und der Brandschutz waren Herausforderungen, die es zu meistern galt. "Es hat sich aber gelohnt".

Und in der Tat. Das Gebäude, bestehend aus den Anwesen Amtsgerichtsstraße 14 und 16, wurde im Innern entrümpelt und nach Denkmalschutzrichtlinien saniert. Außerdem wurde ein neues Dach installiert. Den Dachstuhl konnten die Profis erhalten, die Dachbalken in ihrer Ursprungsform bewahren. Für mehr Tageslicht wurden im Innenhof Mauern, die an das Stadthotel angrenzen, zurückgebaut. Weiterhin wurden Balkone angebracht. Die Fassade des Eckhauses wurde verputzt und dem ursprünglichen Barockcharakter angeglichen. Bei der Anbringung des Innenputzes wurde viel Wert auf die Schaffung eines angenehmen Raumklimas gelegt.

Doch wie kommt ein Münchner Bauherr in die Cranach-Stadt? Seit 30 Jahren kennt Christoph Hiltl den Frankenwald. Seine Frau kommt aus der Region. Längst hat er sein Herz für Kronach und Umgebung erwärmt. "Es ist schön hier, vor allem im Sommer!" Das Ehepaar Hiltl hatte zudem auch Freude daran, das alte Haus auf Vordermann zu bringen.

Lange Nutzungsgeschichte

Während Hiltl von seiner Begeisterung für Franken spricht, verlegen emsige Handwerker Böden, bauen Küchen ein, malen und pinseln. Im Torbogen stechen einem die Initialen 1792 ins Auge.

Das Gebäude wurde aber bereits 1514 zum ersten Mal erwähnt. Seitdem hatte es viele Eigentümer. Im Jahre 1790 übernahm Bürgermeister Anton Ferdinand Limmer das Gebäude. Somit wurde von diesem Haus aus quasi auch einmal die Stadt regiert. Später waren unter anderem ein Bäckermeister und Uhrmacher die Eigentümer.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude schließlich genutzt, um Zeitungsgeschichte zu schreiben. Es war im Jahr 1847, als in Kronach der "Fränkische Wald" gegründet wurde. Am 1. Oktober 1873 erschien im Hause Julius Heim eine zweite Zeitung, der "Kronacher Anzeiger - Volksblatt für Oberfranken und den Frankenwald".

Heim betrieb eine Buchdruckerei und redigierte die Zeitung, die ab 1904 den Namen "Fränkische Presse" trug und deren Redaktion er im Jahre 1903 an seinen Sohn Caspar übergab.

Im Jahre 1926 übertrug der Verleger Caspar Heim die Schriftleitung an Karl Knauf, nach dessen Ausscheiden war ab 1927 der bekannte Kronacher Heimatdichter Andreas Bauer Lokalredakteur. Die Ereignisse der Machtergreifung 1933 führten zum Ausscheiden Bauers. Caspar Heim und sein Sohn Julius, letzterer starb 1945 in russischer Gefangenschaft, führten die Zeitung bis zum 31. Dezember 1936, dann wurde diese mit der NS-Zeitung vereinigt.

Einst FT-Redaktion

Nach dem Krieg wurde im Gebäude und im Hause Heim das Kronacher Volksblatt und ab dem Jahre 1970 der Kronacher Lokalteil des Fränkischen Tag produziert. Bis die Redaktion im Jahre 1990 in die Rosenau umzog, schrieb also auch der Fränkische Tag in diesem Gebäude Zeitungsgeschichte.

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