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Kronacher Freischießen: Wo es die Schausteller als nächstes hinzieht

Kaum ist das Kronacher Freischießen beendet, haben die Schausteller die Hofwiese auch schon wieder geräumt.. Für eine Überraschung sorgt das Fazit der Polizei.
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Am Montag wurde auf der Hofwiese fleißig abgebaut. Foto: Marian Hamacher
Am Montag wurde auf der Hofwiese fleißig abgebaut. Foto: Marian Hamacher
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Kronach verabschiedet die Schausteller vom Schützenplatz, wie es sie empfangen hat: mit strahlendem Sonnenschein. Während es sich das Quecksilber im Thermometer schon am Montagvormittag im Bereich der 30-Grad-Marke gemütlich gemacht hat, wird rund um die Hofwiese geschraubt, gehämmert und vor allem geschwitzt.

Bei solchen Temperaturen zu arbeiten ist für Advan Tahirovic allerdings längst nichts Besonderes mehr. "Der Abbau war vollkommen angenehm. Zuletzt in Würzburg mussten wir bei 40 Grad abbauen, das war noch einmal etwas ganz anderes", erzählt er. Der 20-Jährige ist einer jener zahlreichen Arbeiter, die dafür sorgen, dass Fahrgeschäfte innerhalb eines Tages schon wieder an einem ganz anderen Ort darauf warten, bei Kindern Freudenschreie auszulösen - und Eltern einen sorgenvollen Blick in ihr Portemonnaie werfen.

Schwindelfreie Arbeiter

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Fünf Stunden brauchen er und seine Kollegen, um das Kettenkarussell Wellenflug in seine Einzelteile zu zerlegen und auf Anhänger zu verstauen. "Wenn wir in der kühlen Nacht abbauen können, ist das natürlich angenehmer, aber da haben sich die Anwohner beschwert, deswegen müssen wir tagsüber ran", erzählt Tahirovic.

Die Nachbarn des Wellenflugs sind der Sonne derweil noch etwas näher als ihre restlichen abbauenden Kollegen. Gleich mehrere schwindelfreie Arbeiter sitzen auf den blauen Schienen des Alpen Coaster, um sie in etwa 20 Meter Höhe zu demontieren. Ein Kran befördert die Metallelemente schließlich auf den bereitstehenden Lastwagen. Gleich neun Stück sind nötig, um die Achterbahn über die Autobahnen der Republik zu transportieren. "Vier sind auch schon unterwegs", sagt Betriebsleiter Manfred Vorlop.

Neben dem Alpen Coaster besitzt die Schaustellerfamilie Vorlop mit dem Rock & Roller Coaster und der High Explosive noch zwei weitere Achterbahnen. Mit welcher die Familie beim kommenden Freischießen aufschlagen wird, stehe daher noch nicht fest. "Es kommt ja auch darauf an, ob wir wieder eingeladen werden", gibt er zu bedenken. Eine Zusage würde er allerdings schon jetzt geben: "Wir kommen wirklich immer gerne hierher. Das ist eine wunderschöne Stadt und man hat immer das Gefühl, dass die ganze Stadt hinter ihrem Schützenfest steht."

"Nicht Fisch, nicht Fleisch"

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Daher zieht er auch für dieses Jahr ein zufriedenes Fazit - obwohl 2017 mehr Besucher den Adrenalinkick auf seiner Achterbahn suchten. "Doch dafür war es einfach zu heiß", erklärt er. "Das beste Kirmeswetter ist eigentlich dann, wenn es zu kalt ist, um ins Freibad zu gehen, aber zu warm, um zu Hause zu bleiben."

Giordano Weiß, mit 15 Jahren schon Juniorchef beim Flugsimulator, wusste nicht so ganz, ob sein Urteil eher positiv oder negativ ausfällt. "Das war nicht Fisch und nicht Fleisch", fasst er die elf Tage zusammen. Gefallen habe es ihnen in Kronach dennoch. "Wir fahren immer gerne hierhin und würden gerne wieder kommen."

Über das Wetter gar nicht erst beschweren will sich Kaiserhof-Geschäftsführer Ulrich Kaiser. Verständlich, was gibt es für eine Brauerei auch besseres als durstige Besucher? "Aufgrund der Hitze haben wir deutlich mehr Limonade als im letzten Jahr verkauft", sagt Kaiser.

Wie sich das Freischießen heuer in den Zahlen darstellt, könne er erst Ende der Woche sagen. Bis dahin gilt sein Gefühl - und das sei positiv. Er glaubt, dass die Mehrverkäufe in der Mittagszeit sogar die verkürzten Ausschankzeiten einigermaßen kompensiert haben. "Trotzdem haben wir dadurch wohl an Umsatz verloren", vermutet er. Gerade den Kompromiss, der nach dem Eilantrag eines Anwohners gefunden wurde (wir berichteten), hält er für keine ideale Lösung: "Dass um Mitternacht sowohl die Musik als auch der Ausschank gestoppt werden muss, ist schon blöd, weil es so ein harter Stopp ist." Es brauche eine Art Zeitpuffer, damit nicht alle Besucher gleichzeitig den Heimweg antreten wollen. "Man hat jetzt ja gesehen, dass es sich an den Ausgängen und bei der Pfand-Rückgabe gestaut hat."

Am ersten Freischießen-Wochenende mit der halben Stunde mehr bis zum Ende des Ausschanks sei die Situation entspannter gewesen.

Weniger Anzeigen als 2017

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An die Partyabende in der Kaiserhof-Festhalle denkt er dennoch gerne zurück - vor allem, weil der Sicherheitsdienst dort kein einziges Mal eingreifen musste. An anderen Stellen der Hofwiese hatten Security und Polizei zwar öfter zu tun, dennoch berichtet Gerhard Anders, Pressesprecher der Polizeiinspektion Kronach, von einem "sehr ruhigen Verlauf".

Die Anzahl der Körperverletzungen sei wieder deutlich gesunken, obwohl die Festwiese und auch die Nachfeier am Bahnhofsplatz ordentlich besucht waren. Neun Stück nahmen die Beamten auf: vier auf der Festwiese, drei im Umfeld des Festgeländes und zwei im Rahmen der Nachfeier am Bahnhof. Im Vorjahr habe es noch 22 Anzeigen wegen Körperverletzungen gegeben. Beträchtlich sei hingegen erneut die Zahl der Falschparker gewesen. 200 Strafzettel stellte die Polizei den Freischießen-Besuchern aus und ließ fünf Falschparker sogar abschleppen.



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