Kronach
Tourismus

Wo bleiben die Urlauber im Frankenwald?

Nach der angekündigten Schließung des Posthotels in Lauenstein stellt sich die Frage, wohin sich der Tourismus in der Region entwickelt.
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Das Freizeit- und Tourismuszentrum in Steinbach am Wald wird Ende September offiziell eingeweiht. Es soll zum einen für eine Steigerung der Lebensqualität für die heimische Bevölkerung beitragen, zum anderen auch Touristen anlocken. Rund acht Millionen Euro wurden investiert, davon gab es circa drei Millionen Euro an Förderungen.Veronika Schadeck
Das Freizeit- und Tourismuszentrum in Steinbach am Wald wird Ende September offiziell eingeweiht. Es soll zum einen für eine Steigerung der Lebensqualität für die heimische Bevölkerung beitragen, zum anderen auch Touristen anlocken. Rund acht Millionen Euro wurden investiert, davon gab es circa drei Millionen Euro an Förderungen.Veronika Schadeck

Kronach Das Thema "Tourismus" hat in den letzten Jahren Fahrt aufgenommen. Es ist die Rede davon, vorhandene Potenziale wie die schöne Natur etc. zu nutzen und zu vermarkten. Nicht zuletzt ist auch immer von der Schaffung von Arbeitsplätzen die Rede.

Mit Hilfe von staatlichen Fördermitteln wurden Attraktionen und Leuchtturmprojekte geschaffen, die die Region aufwerten. So entstanden das Europäische Glasflakonmuseum und das Tropenhaus "Klein Eden". Die Stadt Teuschnitz entwickelte sich zur Arnikastadt. Das Freizeit- und Tourismuszentrum in Steinbach am Wald wurde generalsaniert. Es wurden Wanderwege und Mountainbikestrecken ausgewiesen etc. Die Aufwertung des Ölschnitzsees soll nach Beendigung der Badesaison durch den Landkreis in Angriff genommen werden.

Dennoch schließen Gasthäuser, seit mehr als zehn Jahren steht das ehemalige Hotel Hans Veit in Rothenkirchen leer. Wie Bürgermeister Hans Pietz erklärte, habe der polnische Eigentümer noch kein Nutzungskonzept.

Wie ist es nun mit dem Tourismus? Folgt man den Ausführungen von den Tourismusbeauftragten für Handwerk und Kultur, so ist von zahlreichen Busreisenden die Rede, die beim Besuch der bei Handwerk und Kultur integrierten Betriebe Erlebnis mit Genuss und Kultur verbinden. Bei Versammlungen der Touristiker ist teilweise von steigenden Übernachtungsgästen die Rede.

Bei Gesprächen mit verschiedenen Gastronomen und Hotelbesitzern wurde deutlich, dass ihre Einrichtungen zwar gut ausgelastet sind, aber in der Mehrheit sind es Geschäftsleute und Monteure, die die Angebote wahrnehmen. Dahingehend äußerte sich die Betreiberin des Posthotels, Daniela Wagner, und die Besitzerin des Hotels Rennsteig, Ute Hildebrandt.

"Touristen sind kaum da!", so Hildebrandt. Wenn welche kommen, sind es Wanderer oder Mountainbiker, die den Rennsteig durchqueren und das Hotel für eine oder maximal zwei Nächte nutzen.

"Wir haben in der überwiegenden Zahl Geschäftsleute in unserem Hotel!", so die Hotelmanagerin Daniela Rebhan vom Wellness- und Businesshotel in Neukenroth. Sicherlich gebe es auch Touristen, aber die bleiben meistens nur über das Wochenende.

Wie erreicht man nun mehr Touristen? Fakt ist, dass es nur noch wenige Gaststätten gibt, die mittags den Einheimischen, Geschäftsleuten und den Gästen eine warme Küche anbieten. Es sei schwierig mit dem Personal, es lohne sich nicht, ist oftmals von den Gaststättenbetreibern zu hören.

MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) spricht von einer Branche, die viele Herausforderungen bewältigen müsse. Er erwähnt das Förderprogramm für Gasthäuser, Pensionen und Hotels im ländlichen Raum, mit dem die Staatsregierung diese Branche unterstützen will.

Für den Landtagsabgeordneten Baumgärtner steht fest: "Das Potenzial ist nicht groß genug!" Es seien und es kämen zu wenig Menschen in den Frankenwald. Und: "Wenn eine Region wie der Frankenwald sich touristisch weiterentwickeln will, dann müssen viele Mosaiksteinchen ineinander greifen!"

Ein Mosaikstein soll beispielsweise die Wiederbelebung der Jahns-Bräu-Brache werden. Hier will die JAB-Immobilien GmbH zusammen mit der Stadt und mit staatlicher Unterstützung eine Brauerei, ein Hotel und Brauereigaststätte schaffen.

Am Ölschnitzsee in Windheim plant die Familie Schirmer eine Erweiterung der gastronomischen Einrichtung. In Teuschnitz wird mit staatlicher Unterstützung ein mehr als drei Millionen schweres Projekt realisiert. Das ehemalige "Schwarze Kreuz" soll hier wieder revitalisiert werden, entstehen sollen Übernachtungsmöglichkeiten, Gasträume, Biergarten etc.

In Neukenroth wird die Familie Rebhan im Laufe des nächsten Jahres ihr neues Hotel mit Schwimmbad, Saunabereich etc. offiziell einweihen. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen 60 Betten werden weitere 128 Betten, aufgeteilt in 60 Zimmer, entstehen. "Wir wollen mit dieser Investition mehr Freizeitreisende anlocken!", so Daniela Rebhan. Und Hans Rebhan hofft: "Hoffentlich klappt es mit dem Personal!"

Baumgärtner: Chance vertan

Wird der Landkreis Kronach nun eine Tourismusregion oder nicht? Jürgen Baumgärtner ist nach wie vor überzeugt, dass mit der Ablehnung des Nationalparks vor drei Jahren eine wichtige Chance für die Belebung des Tourismus vertan wurde.

Laut Prognosen wären jährlich 400 000 Besucher in den Frankenwald gekommen. Er gehe davon aus, dass die Hälfte davon tatsächlich die Region besucht hätte. Diese Menschen hätten Geld in der Region gelassen. Vielleicht hätte dann die Schließung des Posthotels vermieden werden können. Er warte nun immer noch auf Antworten der Nationalparkgegner, was die Belebung des Tourismus betrifft.

"Den Tourismus zu beleben, ist nicht meine Aufgabe", so der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung, Georg Lindig. Außerdem habe er andere Sorgen, denn mit jedem Sonnentag sterben 1000 Festmeter an Holz in der Region.

"Unsere Aufgabe ist nicht der Tourismus, aber wir sind für jede Idee offen!", so der Leiter der Forstdienststelle Rothenkirchen, Peter Hagemann. Er weist darauf hin, dass die Staatsforsten in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und dem Frankenwaldverein ein Wanderwegenetz ausgewiesen habe. Weiterhin sei ein Programm erarbeitet worden, in dem Urlauber auf Wunsch durch die heimischen Wälder geführt werden.

Im Ausstellungsraum des Freizeit- und Tourismuszentrums in Steinbach werden alle Baumarten des Frankenwaldes vorgestellt, teilweise sind Baumstämme zu bestaunen. Auch wirken die Staatsforsten bei der Gestaltung des Außenbereichs mit. In Nordhalben habe der Staatsforst das Forsthaus für Ferienwohnungen zur Verfügung gestellt. Diese werden nun von der Familie Wagner vom Wagner Hotel in Steinwiesen mit betrieben. Außerdem sei in Zusammenarbeit mit dem Frankenwaldverein Kleintettau und Ludwigsstadt ein Trekkingplatz entstanden, der gerne von Freizeittouristen als Zeltplatz genutzt wird. Drei weitere seien geplant.

"Ein Tourist kommt nicht nach Kronach, um einen toten Wald zu sehen!", so der Kreisobmann Erwin Schwarz. Für ihn steht fest, dass der Landkreis keine Touristenregion wird. Es seien schon viele Tausende von Euros in Projekte investiert worden, die aber letztendlich wenig gebracht hätten.

Erwin Schwarz sieht vor allem die Personalsituation in der Hotel- und Gaststättenbranche als sehr kritisch an. Im Landkreis gebe es eine florierende Industrie und Vollbeschäftigung. "Es gibt einfach keine Leute, die in der Gastronomie arbeiten wollen!" Und das sei auch der Grund, warum viele Gaststätten schließen.

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