Kronach
Fußball-WM

WM ohne Italien und Holland - mittendrin aber nicht dabei

Eine WM kann eigentlich nur aus zwei Gründen zu einer zähen Veranstaltung werden: Wenn das Interesse an der Sportart fehlt - oder das eigene Team beim Turnier.
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So spielt das Leben: Der Kronacher Eisdielenbesitzer Roberto Fontana sieht es gelassen, dass das italienische Nationalteam die Weltmeisterschaft nur vom Fernseher aus verfolgen darf.  "Dafür haben sie in der Qualifikation einfach zu mies gespielt", sagt er pragmatisch. Foto: Marian Hamacher.
So spielt das Leben: Der Kronacher Eisdielenbesitzer Roberto Fontana sieht es gelassen, dass das italienische Nationalteam die Weltmeisterschaft nur vom Fernseher aus verfolgen darf. "Dafür haben sie in der Qualifikation einfach zu mies gespielt", sagt er pragmatisch. Foto: Marian Hamacher.
Manchmal hilft wohl nur noch Galgenhumor: "Fußball-Weltmeisterschaft 2018: Liebe Gäste, für jedes Tor, das die italienische Nationalmannschaft schießt, bekommen Sie eine Kugel Eis gratis", steht auf dem Zettel über einer Eisvitrine in der oberösterreichischen Stadt Wels. Knapp 60 000 Einwohner zählt die Messe- und Industriestadt. Gesehen haben das Schild aber sogar deutlich mehr Menschen.

Viel mehr. Geteilt auf Facebook und Twitter dürfte die Zahl derer, die sich darüber vor dem Bildschirm amüsierten, locker die Millionenmarke sprengen.

Denn wer das Schild ernst genommen hätte, dürfte ziemlich lange auf seine Gratis-Kugel warten. Schließlich ist der viermalige Weltmeister erstmals seit 1958 nicht mit von der Partie. Traurig sei er darüber aber nicht, sagt Roberto Fontana. Und liefert den Grund dafür gleich nach: "Weil Italien es einfach nicht verdient hat, dort mitspielen zu dürfen. Dafür haben sie in der Qualifikation einfach zu mies gespielt."

Spezialtraining zur WM in Wallenfels

Seit 71 Jahren betreibt seine Familie Eisdielen in Kronach. 1997 eröffnete er mit seinem Bruder Mirko das eigene Geschäft: "Miro". Fußball-Devotionalien sind an den Wänden keine zu finden. "Das haben wir aber noch nie gemacht", erklärt der 45-Jährige. "Auch, wenn Italien in Russland dabei gewesen wäre."


Weniger Klassiker

Zwar verfolgt er den Ligafußball so gut wie gar nicht, bei den großen Turnieren ist Roberto Fontana aber als Zuschauer dabei - wenn auch nur bei bestimmten Spielen. "Wegen der Arbeit komme ich nicht so oft dazu", erzählt er. Bisher habe er lediglich Deutschlands Auftaktniederlage gegen Mexiko gesehen und Brasiliens 1:1-Strauchler gegen die Schweiz. Ansonsten reiche es ihm, auf dem Handy nach den Spielständen zu sehen. "Jetzt hoffe ich natürlich, dass es für die deutsche Mannschaft am Samstag gegen Schweden zu einem Sieg reicht", sagt er.

Zwar gönne er es kleinen Nationen wie Island, dass diese nun erstmals bei einem WM-Turnier dabei sind - schade sei es dennoch, auf Nationen wie Italien oder die Niederlande als Teilnehmer verzichten zu müssen. "Wenn die gegen Deutschland gespielt haben, waren das halt echte Klassiker, die viel Spannung versprochen haben." Doch das sei auch das Einzige, auf was er verzichten muss, weil Italien nicht dabei ist.

Davon, dass sein Heimatland diesmal nicht dabei ist, lässt sich auch Hendrik Jan Leen die WM-Stimmung nicht vermiesen. "Ich schaue die Spiele gerne zusammen mit Freunden. Ein gemütliches Bierchen dabei, lecker was grillen - das ist immer schön", sagt der Zahnarzt.


Die Zeit nehmen

Weil es in den Niederlanden 1984 einen Zulassungsstopp für fertige Zahnärzte gab, zog er nach Kronach, wo er zunächst zwei Jahre bleiben wollte. "Naja, hat ja nicht so gut funktioniert", sagt der inzwischen 66-jährige Arzt, der seine Praxis längst weitergegeben hat und nur noch an zwei Tagen in der Woche vorbeischaut.

Vorbeischauen will er bei ARD und ZDF aber nicht bei allen Spielen, sucht sich wie Roberto Fontana lieber die Partien aus, bei denen es zeitlich am besten passt. Für die Spiele des deutschen Teams nehme er sich die nötige Zeit dann aber.

Klar, auch wenn er Deutschland längt mehr als nur einen Daumen drückt, fehlt ihm die "Elftal" - wie die niederländische Mannschaft genannt wird - dann schon. "Das ist schon schade, dass die Niederlande nicht dabei sind. Aber irgendwie haben die es zuletzt nicht geschafft, eine vernünftige Mannschaft zusammenzustellen. Das war keine richtige Einheit."

Stellt sich nur die Frage aller Fragen: Wer wird denn nun Weltmeister? "Dafür ist es noch zu früh", glaubt Roberto Fontata. "Wo es für eine Mannschaft hingehen könnte, kann man vielleicht ab dem dritten Spieltag sagen." Doch auf seine Expertise solle man sich besser nicht verlassen. "Denn mein Zahnarzt sagt immer, ich sei wahrscheinlich der einzige Italiener, der von Fußball nichts versteht."


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