Mitwitz
Geschichte

Wirtshäuser waren einst auch in Mitwitz dörflicher Mittelpunkt

Der frühere Kronacher Landrat Heinz Köhler hat die wechselvolle Geschichte der Wirtshäuser in seiner Heimatgemeinde Mitwitz erforscht.
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Auf eine wechselvolle Geschichte blickt das Rathaus von Mitwitz, in dem einst die Gastwirtschaft "Zum wilden Mann " betrieben wurde. Foto: Herbert Fischer
Auf eine wechselvolle Geschichte blickt das Rathaus von Mitwitz, in dem einst die Gastwirtschaft "Zum wilden Mann " betrieben wurde. Foto: Herbert Fischer
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Die Geschichte der Wirtshäuser seiner Heimatgemeinde hat der Mitwitzer Ehrenbürger und ehemalige Landrat Heinz Köhler erforscht. Die Bürger sind an den Ergebnissen seiner Arbeit sehr interessiert, wie sich bei einer Versammlung des SPD-Ortsvereins im Gasthof-Hotel "Wasserschloss" zeigte. Zahlreiche Besucher folgten seinen Ausführungen und zeigten sich angetan von den historischen Aufnahmen.


Wirtshaus hieß früher "Schenkstatt"


Das "Wirtshaus", früher auch "Schenkstatt" genannt, war laut Köhler enorm wichtig für einen Ort. Als Übernachtungsquartiere für Durchreisende lagen die älteren Gasthäuser an der Hauptstraße. Zudem spielte sich dort das öffentliche Leben einer Gemeinde ab. Sie waren "Kommunikations-Börsen", Handwerker, Bauern, Geschäftsleute und Arbeiter gingen nach der Arbeit zum "Dämmerschoppen" ins Wirtshaus und tauschten Neuigkeiten und Nachrichten aus - auch in Mitwitz.

Die Mitwitzer Wirtshäuser haben zum Teil eine lange Tradition bis zurück in das 15. Jahrhundert. Die Gastwirtschaft Häublein unterhalb der evangelischen Jakobskirche ist laut Köhler die urkundlich älteste Schenkstatt. Sie wird in der 1425er Verkaufsurkunde des Unteren Schlosses von den von Schaumberg an das Coburger Münzmeistergeschlecht von Rosenau "Obere Schenkstatt zu den Sieben Staffeln" genannt.

Die heutige Gastwirtschaft Häublein (Feick) war dem Wasserschloss lehenspflichtig. Schräg gegenüber befand sich die Gastwirtschaft Rempel oder "Zum Weißen Roß" als Untere Schenkstatt, die schon im 16. Jahrhundert bestand.


Unter amerikanischem Beschuss


Am 12. April 1945 wurde Mitwitz von den Amerikanern aus Richtung Gestungshausen beschossen. Der Gasthof Rempel geriet in Brand. Die Wirtsfamilie fand Zuflucht im heutigen Rathaus, wo sie ihre Gastwirtschaft weiter betrieb. Ihr altes Gebäude bauten sie - allerdings ohne Saal - sofort wieder auf und zogen 1946 zurück. Metzgerei und Gastwirtschaft wurden 2015 und 2016 geschlossen.

Eine ganz besondere Geschichte hat das jetzige Rathaus der Marktgemeinde Mitwitz. Es war ursprünglich das "Herrenwirtshaus" oder der Gasthof "Zum Wilden Mann". Das Anwesen wurde 1630 in der heutigen Form von Hans Veit III. von Würtzburg errichtet, wie das Wappen oberhalb des Eingangs ausweist. Das Wirtshausschild mit dem "Wilden Mann" stammt aus dem Jahr 1836.


Einst ein "Tropfhaus"


In unmittelbarer Nähe des Wasserschlosses befindet sich der gleichnamige Gasthof, vormals Ammon oder Köhler.Das Haus war 1808 im Besitz der Witwe Barbara Katharina Geyer und wird als "Tropfhaus mit einer Badergerechtigkeit" beschrieben. Seit 1960 waren zehn Pächter auf dem Anwesen, die zum Teil weniger als ein Jahr die Gastwirtschaft betrieben. 1973 verkauften die Köhler-Erben das schon stark abgewirtschaftete Anwesen an Arno Hofmann aus Kaltenbrunn. Nach Sanierung und Modernisierung erfolgte am 1. März 1974 die Eröffnung als "Hotel-Gasthof Wasserschloss". Heute ist es ein Blickfang der Gemeinde und wird seit 1996 von Hofmanns Töchtern Kerstin Bär und Claudia Bethke betrieben.

Einen besonderen Rufnamen hat auch die Gastwirtschaft Lauterbach: "Konditera". Erbaut wurde sie 1904, bis 1875 hatte Ferdinand Frohnhöfer auf dem Anwesen eine Spezerei betrieb, die man auch als "Konditerei" bezeichnete.


Wirtsgarten besteht heute noch


Direkt in der Ortsmitte von Mitwitz liegt die Gastwirtschaft "Fick", heute "Zum Steineren Löwen". 1808 war das landwirtschaftliche Anwesen im Besitz von Peter Bauer aus Lindenberg. Anschließend erwarb er Salomon Wertheimer für seinen Sohn Isaak und baute es 1818 um. 1866 ging es in das Eigentum des Metzgers Johann Fick über, der in der Mühle in Horb an der Steinach geboren worden war. Fick eröffnete die Gastwirtschaft und eine Metzgerei und baute einen "Wirtsgarten" vor dem Haus an, der heute noch besteht.

In der folgenden Zeit betrieben verschiedene Pächter den Gasthof. 2008 kaufte es Uwe Meusel von der Frankenbräu und gab ihm den neuen Namen "Zum Steinernen Löwen".

Eine Wirtschaft, die es nicht mehr gibt, war die "Mastera" (Gastwirtschaft Jung), die 1922 auf dem Gelände des ehemaligen Schafstalls in der heutigen Neundorfer Straße errichtet wurde. Bauherr war der selbstständige Maurermeister Max Jung. Von 1960 bis 1988 war das Lokal Sportheim des FC Mitwitz.


Schießhaus ist längst Geschichte


Längst Geschichte ist laut Köhler auch das Schießhaus oberhalb des ehemaligen Anwesens Katholing (jetzt Förster) am Bäckenberg. Es war im Eigentum der Schützengesellschaft "Aug und Hand fürs Vaterland", die 1886 mit dem Gesangverein Harmonie zur "Harmonie" fusionierte.
Zum Betrieb einer Schenkstatt war natürlich eine dazugehörige Brauerei nötig. In Mitwitz hatten die drei ältesten Gastwirtschaften - das "Herrenwirtshaus", die Gastwirtschaft "Zu den Sieben Staffeln" und das "Weiße Roß" Braustätten.

Wo ein Braurecht bestand, musste wiederum ein Felsenkeller zur Bierlagerung vorhanden sein. Vor der Anwendung technischer Kühlanlagen verfügten die meisten Brauereien und Bierlokale über große Keller, die im Winter mit Eisblöcken gefüllt wurden, die man aus zugefrorenen Seen oder Flüssen heraussägte. In Mitwitz wurden die Eisblöcke bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts aus dem Schlossteich herausgesägt.
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