Laden...
Kronach
Aktion

"Wir sind auf einem guten Weg"

Energie ist unverzichtbar. Heute mehr denn je. Am Sonntag ist im ganzen Landkreis der Tag der erneuerbaren Energien ausgerufen. Der Verein Energievision Frankenwald und zahlreiche private Betreiber von zukunftsträchtigen Anlagen laden zu einer Besichtigungstour ein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Martin Kastner von der Energievision Frankenwald ist vom Potential des Waldes in der Region begeistert - und setzt auf Hackschnitzel, Pellets und andere Energieanlagen, die das Potential des Waldes nutzen sowie auf einen gesunden Energiemix. Foto: Sonja Adam
Martin Kastner von der Energievision Frankenwald ist vom Potential des Waldes in der Region begeistert - und setzt auf Hackschnitzel, Pellets und andere Energieanlagen, die das Potential des Waldes nutzen sowie auf einen gesunden Energiemix. Foto: Sonja Adam
Für den Verein Energievision Frankenwald ist es ein Anliegen, sich für regional vorkommende, regenerative Energieträger einzusetzen. Mindestens acht Dörfer im Landkreis sollen bis Ende nächsten Jahres zu so genannten Bioenergiedörfern weiterentwickelt werden. Das bedeutet: Die Dörfer sollen das Potenzial, das vor Ort vorhanden ist, nutzen.
"Wir sind auf einem guten Weg", zieht Martin Kastner von der Energievision Frankenwald eine erste Bilanz. Doch Werbung ist trotzdem noch nötig. Martin Kastner erklärt im Intrview, warum das Thema "erneuerbare Energien" so wichtig ist.

Warum veranstalten Sie einen Tag der erneuerbaren Energien?
Kastner: Meiner Ansicht nach ist es immer noch wichtig, die vielfältigen Möglichkeiten der regenerativen Energieerzeugung, die wir unbestritten in unserer Region haben, nach außen zu tragen und den Leuten aufzuzeigen. Natürlich ist ein grundsätzliches Bewusstsein auch im Zuge der von der Bundesregierung geforderten Energiewende bei der Bevölkerung angekommen. Hierbei gilt es jedoch nicht stehen zu bleiben, sondern die Diskussion in der Öffentlichkeit stets aufrecht zu erhalten. Auch mit der Diskussion um die Erhöhung der EEG-Umlage und steigender Strompreise gilt es, ein Zeichen für die Erneuerbaren und die vielfältigen Möglichkeiten einer umweltfreundlichen Energieversorgung zu setzen. Auch dazu soll der Tag der Erneuerbaren Energien dienen.

Was erhoffen Sie sich von diesem Tag?
Wir erhoffen uns natürlich in erster Linie, dass sich möglichst viele Besucher an den einzelnen Stationen über die Anlagen informieren. Die von uns angesprochenen Betreiber der insgesamt 22 Stationen in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Hof haben sich bereit erklärt, am Nachmittag Führungen zu den jeweiligen Anlagen anzubieten. Dieses freiwillige Engagement sollte durch möglichst viele interessierte Besucher belohnt werden. Natürlich erhoffen wir uns durch den Austausch mit den örtlichen Betreibern auch Anregungen für die Besucher, wenn beispielsweise eine Installation einer Solarthermie- oder Pelletsanlage im Privathaushalt geplant ist oder im größeren Umfang eine Ortschaft mit dem Gedanken spielt, eine gemeinschaftliche Wärmeversorgung über ein Hackschnitzelheizwerk zu betreiben.

Sie zeigen die verschiedensten Energiearten. Auf welche Energie setzen Sie in Zukunft oder ist ein Mix das Allheilmittel?
Eine Umstellung des Gesamtsystems kann nicht ohne einen sinnvollen Energiemix funktionieren. Dabei wird die große Erzeugungskapazität von Energieträgern wie Windkraft und Photovoltaik benötigt. Jedoch bedarf es einer Kombination mit speicher- und regelbaren Energieträgern wie Wasserkraft oder Biomasse zum Beispiel in Form der Stromerzeugung über Biogasanlagen. Wir haben grundsätzlich alle Instrumente in der Hand, also all diese Formen der Energieerzeugung vor Ort. Jeder kann sich davon am Sonntag ein Bild machen.

Nicht jeder kann eine Photovoltaikanlage oder ein Windrad bauen. Wer soll angesprochen werden?
Dieser Tag bietet für die unterschiedlichsten Besuchergruppen etwas: vom "kleinen" Privathaushalt beispielsweise Pellets stationen bis hin zu großen Windkraftanlagen oder Freiflächen-Solaranlagen. Selbst bei den Großanlagen gibt es erfolgreiche Modelle, die darauf zielen, dass Bürger Anteile zeichnen und sich somit am Gewinn derartiger Anlagen beteiligen können. Beispiele sind Bürgerwindräder wie in Sellanger bei Selbitz und Sessenreuth bei Wirsberg oder die Freiflächen-Photovoltaikanlage in Metzlesdorf bei Stammbach. Auch diese drei Stationen werden am Sonntag besetzt sein.

Überall, wo Freiflächenphotovoltaikanlagen und Windräder entstehen, gibt es Widerstand. Offensichtlich mögen die Menschen diese Energien nicht oder wie sehen Sie das?
Wenn man einen Ausstieg aus der Kernkraft und eine Abkehr von einer ressourcenintensiven und klimaschädlichen Energieversorgung schaffen will, braucht man Alternativen. Diese Alternativen wird man auch in der Landschaft sehen, dazu gehören auch die Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Auch für den Rohstoff Uran werden enorme Flächen hergenommen und auf lange Frist unbrauchbar. Davon bekommen nur wir in Deutschland nichts mit, weil er zum Beispiel in Australien abgebaut wird. Gleichsam umweltschädlich sind auch die immensen Transportaufwendungen für fossile Brennstoffe wie Öl oder Kohle. Es geht aber bei der Planung von Windkraftanlagen nicht darum, auf jeder Anhöhe separat einzelne Anlagen zu installieren, sondern gebündelt auf sinnvollen Flächen. Dies gibt auch die übergeordnete Regionalplanung vor. Von den Umweltauswirkungen sind die Vorteile der erneuerbaren Energieträger unbestritten - und entsprechende Beteiligungsmodelle schaffen Akzeptanz und binden langfristig Geldflüsse und Wertschöpfung in der Region.

Der Landkreis Kronach hat schon einen hohen Anteil erneuerbarer Energien. Wie kommt das?
Im Landkreis Kronach ist insbesondere das bürgerschaftliche Engagement in Form der einzelnen Bioenergiedorfentwicklungen wie in Effelter, Hirschfeld, Nagel oder Nordhalben herauszustellen. Die Bioenergiedörfer, die wir als Verein betreuen, sind die besten Beispiele für den Einklang der drei wesentlichen Faktoren einer nachhaltigen Entwicklung: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die Ortschaften ersetzen eine umweltschädliche fossile Wärmeversorgung zum Beispiel durch eine zentral betriebene Hackschnitzelheizung und setzen ein deutliches Zeichen für den Umweltschutz. Sie zeigen aber auch durch den gemeinschaftlichen Betrieb der Anlagen und das Sozialengagement, dass ihnen die Dorfentwicklung in Zukunft am Herzen liegt und sie diese entscheidend mitgestalten. Aus wirtschaftlicher Sicht, sichern sie sich aber auch eine langfristig stabile und von externen Versorgern unabhängige Wärmeversorgung durch regional nachwachsende Rohstoffe wie Holz-Hackschnitzel. Um auf Landkreisebene die Energieversorgung weiter nachhaltiger zu gestalten, bedarf es natürlich noch eines sukzessiven Ausbaus auch anderer Energieformen wie der Windkraft.

Warum dauert es so lange bis beispielsweise Nahwärmenetze gebaut und realisiert werden?
Derartige Prozesse laufen immer in Begleitung und unter der Teilhabe der Bürger vor Ort. Unser Gedanke vom Verein ist nicht, ein vorgefertigtes Konzept einer Ortschaft überzustülpen, sondern eine individuelle Lösung für den jeweiligen Ort zu finden. Dies geschieht nur, wenn sich die Ortsinitiativen an den Vorplanungen mit beteiligen. Unterschiedlichste Interessen müssen berücksichtigt und abgestimmt werden - nur dann kommt am Ende ein Resultat zu Stande, mit dem die Bürger zufrieden sind.

Welche Nahwärmenetze im Landkreis Kronach sind derzeit in der Entstehung?
Derzeit betreuen wir verschiedene Ortschaften im Rahmen eines geförderten, öffentlichen Projektes, das durch die drei Landkreise im Naturpark, Kronach, Kulmbach und Hof, unterstützt wird. Für Kronach sind es Ortschaften wie Gössersdorf oder Wilhelmsthal.
Der Tag der erneuerbaren Energien ist nicht nur eine Veranstaltung der Energievision. Wer ist noch dabei?
Wir haben 22 Stationen und viele verschiedene Betreiber, die Führungen geben. In den Bioenergiedörfern wird sogar für das leibliche Wohl gesorgt und Kaffee und Kuchen oder Bratwürste angeboten. Wir danken schon jetzt allen Beteiligten, die sich zur Teilnahme bereit erklärt haben.


Geöffnet Zum Tag der erneuerbaren Energien wird im Landkreis Kronach ein umfangreiches Programm angeboten. Die Anlagen sind von 13 bis 17 Uhr geöffnet

Windkraft Besichtigt werden können die Windkraftanlagen in Lauenhain und Gössersdorf.

Wasserkraft Wasserkraftwerk Ködeltalsperre (Besichtigung nur nach Voranmeldung über die Energievision Frankenwald, Telefon 09261/6640840). Die Teilnehmerzahl ist allerdings begrenzt.

Solarthermie Dieter Raab, Eichenbühl 81, 96352 Wilhelmsthal; Drechsler-Solar GmbH, Lochbach 29, 96342 Stockheim-Burggrub.

Photovoltaik In Gössersdorf (Ortsausgang Richtung Kulmbach).

Biogas KüRoBi Naturgas GmbH, Lerchenhof, Schmölz (B 303 Richtung Coburg, linke Seite); S+Ha Biogas, Gössersdorf.

Pellets Nahwärme Gössersdorf

Hackschnitzel Lucas-Cranach-Grundschule, Turnstraße 7, Kronach.

Nachbarlandkreise Noch mehr Infos und geöffnete Anlagen in den Nachbarlandkreisen unter www.energievision-frankenwald.de

Eröffnung 8.30 Uhr Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Bartholomäus in Nordhalben; gegen 9.30 Uhr vor dem Heizhaus der Bioenergie Nordhalben Begrüßung der Gäste durch den stellvertretenden Landrat Gerhard Wunder sowie den Nordhalbener Bürgermeister Josef Daum. Anschließend Führung durch das Heizhaus in Nordhalben.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren