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Windpark Hain-Ost: Gutachter stellt sich Fragen der Anwohner

Bei einer Informationsveranstaltung zu den Ergebnissen der Lärmmessungen am Windpark Hain-Ost hat Landrat Klaus Löffler den Anwohnern noch einmal seine Unterstützung im Kampf versichert. Neues Ziel ist nun ein Kompromiss.
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Messingenieur Michael Köhl präsentierte dem Publikum im Kulturhaus Haig, wie er die Lärmmessungen durchführte. Foto: Marian Hamacher
Messingenieur Michael Köhl präsentierte dem Publikum im Kulturhaus Haig, wie er die Lärmmessungen durchführte. Foto: Marian Hamacher

Bernd Rebhan war der Erste, der aussprach, was vielen der rund 120 Zuhörern zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf gegangen sein dürfte. Als Verbandsrat im Abwasserzweckverband sei er gewohnt, zu sagen, wenn man etwas nicht versteht, schickte der Küpser Bürgermeister (CSU) vorweg: "Und ich verstehe das nicht. Was bedeuten etwa die ganzen verschiedenen Farben?"

Knapp eine Dreiviertelstunde war es da gerade her, dass Michael Köhl mit seinem Vortrag begonnen hatte. Auf Einladung des Kronacher Landratsamts war der Messingenieur der Firma Müller-BBM aus dem Ruhrgebiet nach Hain gereist. Dort sollte er am Montagabend im Kulturhaus erklären, wie er vergangenen September die Lärmmessungen am Windpark Hain-Ost durchgeführt hat und zu welchen Ergebnissen er in seinem Gutachten gekommen ist.

Problem der Zuordnung

Doch obwohl die bunten Tabellen und Grafiken sowie manche physikalischen Fachbegriffe nicht nur für den Küpser Bürgermeister teilweise schwer nachzuvollziehen waren, gab es von Köhl auch zahlreiche klare Antworten. Antworten auf Fragen, die den lärmgeplagten Anwohnern in Hain und Weißenbrunn schon unbeantwortet unter den Nägeln brennen, seit die Ergebnisse des Gutachtens Mitte März veröffentlicht wurden.

Das hatte damals ergeben, dass die Anlage lauter war als die vorgeschriebenen 106 Dezibel - was immerhin die Lautstärke eins Rockkonzerts ist. Genau genommen um 0,2 bis 1,3 Dezibel zu laut. Es könne doch nicht sein, dass die Messungen auf freiem Feld vorgenommen wurden und nicht in Wohnortnähe, echauffierte sich Helmut Schiffner - einer der schärfsten Windpark-Kritiker - bereits vor zwei Monaten. Nun war mit Köhl jemand vor Ort, der Antworten darauf liefern konnte. "Das ist schwierig, weil ich bei den Häusern Probleme habe, die Geräusche zuzuordnen", erklärte der Messingenieur.

"Entferngung ist unherbeblich"

Die technischen Geräte seien nicht in der Lage die jeweilige Geräuschquelle zuzuordnen. Daher gelte es, so viele Störgeräusche wie möglich auszuschließen. "Und in Hain hatten wir in 530 Metern Entfernung eine deutliche Zuordnung zum Anlagengeräusch." Die Entfernung sei für die Messung aber ohnehin unerheblich, da der Schallpegel ab sechs Metern gleichbleibend sei und sich nicht mehr großartig verändere. "Ich bin mir sicher: Wenn ich heute noch einmal messen würde, würden die Ergebnisse genauso ausfallen", betonte Köhl.

Ein Anwohner kritisierte den Zeitpunkt der Lärmmessung, da zu diesem gerade ein Sturmtief über den Landkreis gezogen ist. Negative Auswirkungen habe das auf die Messung aber keine gehabt, so Köhl. Vielmehr seien die Bedingungen "vortrefflich" gewesen.

Etwa drei Stunden hätten er und ein Kollege gemessen. Anschließend seien sie noch zu den ausgewählten Immissionsorten gefahren, um die eigenen Wahrnehmungen aufzuschreiben. Anders als direkt an den Windrädern sei ihnen dort aber kein durchgehendes Summen aufgefallen. "Aber, dass wir es gehört haben, heißt natürlich nicht, dass die Richtwerte überschritten werden", so Köhl, der seit 15 Jahren Lärmmessungen durchführt. "Wir hatten für die Anlage reproduzierbare Ergebnisse zu liefern und das war an diesem Tag möglich. Die Ergebnisse sind, wie sie sind."

Daran werde sich auch nichts ändern, wenn er nachts messen würde, wie es ein weiterer Anwohner forderte. Auch dann sähen die Befunde nicht anders aus, erklärte Köhl. So recht schien das der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner nicht glauben zu wollen. Er erzählte von mehreren nächtlichen Besuchen, die er den um den Windpark liegenden Orten zusammen mit Landrat Klaus Löffler (CSU) abgestattet habe. "Wir waren beide geschockt und heilfroh, dass es dort, wo unsere Häuser stehen, kein Windrad gibt", betonte Baumgärtner. Er wünsche sich, dass die Messung wiederholt und zudem auch eine Langzeitmessung gemacht wird. "Das mag nämlich alles passen, was Sie hier vorgetragen haben", sagte er zu Köhl, "aber dennoch ist es für die Menschen hier eine große Katastrophe."

Von Schweigepflicht entbunden

Als skandalös bezeichnete er es, dass die Stadtwerke Ingolstadt als Betreiber des Windparks keinen Vertreter nach Hain schicken wollten. "Es wird Strom für Ingolstadt produziert, und wir leiden darunter", kritisierte der Landtagsabgeordnete. "Das darf nicht sein."

Die Stadtwerke seien der Auffassung gewesen, "dass es für eine sachliche Diskussion zielführender ist, wenn die Ergebnisse der Messungen direkt vom Sachverständigen dargestellt werden", teilte deren Pressesprecher Andreas Schmidt auf FT-Nachfrage mit. Insoweit sei Michael Köhl von jeglichen Schweigepflichten entbunden worden. Zudem befinde man sich gerade in der finalen Phase der rechtlichen Bewertung des Gutachtens. Am Montag hätten die Stadtwerke daher "keine verbindliche Aussage zu etwaigen Fragen treffen können".

Neue Lärmmessung

Bis spätestens zum 30. Juni müssen sie dem Landratsamt mitteilen, wie sie die Lärmüberschreitungen verhindern möchten. "Dass gehandelt werden muss, steht bei den gemessenen Werten außer Frage", sagte der Landrat. Die Stadtwerke hätten nun zwei Möglichkeiten. Variante 1: Sie weisen nach, dass etwas geändert worden ist - etwa durch eine Optimierung der Anstellwinkel der Rotorblätter oder eine verbesserte Windnachführung. "Dann muss das eine weitere Lärmmessung bestätigen." Variante 2: Die Windräder werden in der Leistung gedrosselt. "Dann wären Nachmessungen obsolet", so Löffler, der versprach, dass sich seine Verwaltung erneut an den Betreiber wenden werde.

Eine oft geäußerte Vermutung könnte nämlich vergleichsweise schnell geklärt werden. Gleich mehrere Anwohner bezweifelten angesichts der enormen Geräusche, dass die Windräder mit den vorgeschriebenen 12,5 Umdrehungen pro Minute laufen. Vor allem nachts. "Das kann man in den Daten sehen und diese auch abrufen", erklärte Köhl. Eine Chance, die Löffler unbedingt nutzen will. "Das werden wir morgen gleich in die Wege leiten und den Betreiber bitten, die Ergebnisse entsprechend offen zu legen", versprach er sogleich. "Das ist, was wir für Euch machen können."

Wer Interesse habe, in das Gutachten oder andere Windrad-Akten Einsicht zu nehmen, könne dies jederzeit im Landratsamt tun, betonte er. "Wir wollen versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten größtmögliche Transparenz walten zu lassen."

"Belastung zu hoch"

Baumgärtner wies noch einmal darauf hin, dass die Entscheidung zum Bau des Windparks vor Löfflers Amtszeit gefallen ist. "Klaus Löffler und ich können zwar nicht zaubern, aber ich verspreche Ihnen, dass wir nicht eher ruhen werden, bis es für die Menschen hier eine Verbesserung gibt", sagte der Landtagsabgeordnete energisch.

Er habe immer davon geträumt, dass die Windräder wieder abgerissen werden, "weil ich glaube, dass die Belastung für die Menschen zu hoch ist". Doch das werde wohl nicht mehr gelingen. "Aber ich bin froh, dass wir heute einmal festgestellt haben, dass wir uns drum kümmern können, dass die Windräder gedrosselt werden." Auch sie habe den Traum inzwischen begraben, dass die Windräder wieder verschwinden, meldete sich eine Anwohnerin zu Wort. Nun hofft sie, dass es wenigstens zu einem Kompromiss kommt. "Vielleicht, dass sie gerade nachts weniger als 106 Dezibel laut sind. Dann können wir wenigstens wieder besser schlafen.

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