Kronach
Gesundheit

Wie leben mit der Diagnose HIV?

Vom 11. bis 21. November gastiert die Ausstellung "Der lange Weg - Stationen einer HIV-Infektion" in der Helios-Frankenwaldklinik Kronach.
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Lebensgroße Figuren konfrontieren mit den unterschiedlichen Phasen der Diagnose "HIV-positiv".Heike Schülein
Lebensgroße Figuren konfrontieren mit den unterschiedlichen Phasen der Diagnose "HIV-positiv".Heike Schülein
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"Heute habe ich erfahren, dass ich HIV-positiv bin. Der Schock sitzt tief. Ich habe den Eindruck, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Muss ich bald sterben?" Elf lebensgroße Figuren in Gelb, Orange, Grün und Rot ziehen seit Montag im Foyer des Kronacher Krankenhauses alle Blicke auf sich. Die Eyecatcher sind Teil der Ausstellung "Der lange Weg" und stehen für die unterschiedlichen Phasen der Diagnose "HIV-positiv".

Die Begriffe HIV und Aids sind sicherlich den meisten bekannt. Trotzdem kommen jährlich neue Infizierte hinzu. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts haben sich 2017 in Bayern rund 340 Menschen neu infiziert. Insgesamt lebten in Bayern Ende 2017 rund 9300 Männer und 2400 Frauen mit dem Virus.

Doch nur wenige Menschen wissen, wie HIV-Positive leben. "Aus Angst vor Ausgrenzung wollen viele Betroffene - gerade in unserem ländlichen Raum - solange es geht anonym bleiben", zeigt sich Hedwig Krutsch von der Präventionsstelle am Landratsamt Kronach sicher. Damit bleiben HIV und Aids für die breite Bevölkerung weitgehend unsichtbar.

Dem tritt die Ausstellung "Der lange Weg" entgegen, die von der Präventionsstelle in Kooperation mit der "Gesundheitsregion plus" nach Kronach geholt wurde. Hintergrund ist die diesjährige Schwerpunktkampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege "STI ("Sexually Transmitted Infections") auf Tour", die über sexuell übertragbare Krankheiten informieren soll. Diese greife man, so Andrea Hahn von der "Gesundheitsregion plus", gerne auf. Zeitlich passe dies auch gut hinsichtlich des Welt-AIDS-Tags am 1. Dezember.

Die Übertragungswege von HIV können klar eingegrenzt werden. Im alltäglichen Umgang miteinander - etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im sozialen Kontakt - kann man sich mit dem Virus nicht anstecken. "Heute kann man mit HIV alt werden, wenn die Infektion rechtzeitig erkannt und behandelt wird", erklärt Dr. Helmut Weiß, Sachgebietsleiter am Gesundheitsamt Kronach, dass Aids mittlerweile gut behandelbar ist. Dies gelte jedoch nur für Länder mit einem gut ausgebauten Gesundheitssystem und der Zugänglichkeit zu den erforderlichen Medikamenten - wie beispielsweise Deutschland. In afrikanischen Ländern dagegen seien rund zehn Mal so viele Menschen damit infiziert, wovon der Hälfte keine Medikamente zur Verfügung stehen. Dort sei die Sterberate entsprechend hoch. Fakt sei aber auch: HIV/Aids hat man - egal in welchem Land - sein Leben lang und eine ursächliche Heilung ist nicht in Sicht.

Häufig vergehen Jahre

Viele Menschen mit einer sexuell übertragbaren Krankheit wüssten nicht, dass sie ansteckend sind; vergingen doch zwischen einer Infektion und der Diagnose beim Arzt häufig Jahre. Freiwillige Selbsttests seien also - wie Weiß betont - sehr wichtig. Sie werden auch am Gesundheitsamt Kronach anonym und kostenfrei, auch für Menschen ohne Krankenversicherung, angeboten.

In der Frankenwaldklinik brauche kein Patient, bekundet Stefan Studtrucker, Referent für Unternehmenskommunikation, aufgrund der Einhaltung strengster Vorkehrung und höchster Hygienemaßnahmen Befürchtungen hinsichtlich einer Ansteckung zu haben. Dies gelte nicht nur für Aids, sondern grundsätzlich für alle in irgendeiner Form übertragbaren Krankheiten. "Die Medikamente und die Behandlungsmöglichkeiten sind das Eine, das Klarkommen mit der lebensveränderten Diagnose das Andere", zeigt er sich sicher.

"Der lange Weg" gibt dann auch Einblicke in die seelische Situation eines HIV-Infizierten, schildert Gefühle und Gedanken - mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und Gedanken an den eigenen Schutz vor einer HIV-Infektion zu stärken, überhaupt die Themen HIV und Aids wieder ein Stück weit mehr in Erinnerung zu bringen. Die aus der langjährigen Erfahrung von Aids-Beratungsstellen entwickelte Installation verdeutlicht dabei die lange Zeitspanne vom Erfahren der HIV-Infektion bis zum Moment, in dem das Leben wieder als lebenswert erlebt wird.

HIV-INfektion

Ausstellung Die Ausstellung in der Helios-Frankenwaldklinik kann bis 21. November besichtigt werden. Ausgelegte Broschüren informieren über Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Ansteckung Für eine HIV-Infektion muss eine infektiöse Körperflüssigkeit mit einer hohen Virusmenge über eine Eintrittspforte direkt/indirekt in die Blutbahn gelangen - beispielweise über Blut, Samen- oder Scheiden-Flüssigkeit, Flüssigkeitsfilm aus der Darmschleimhaut oder Muttermilch. Risikoreiche Situationen sind ungeschützter Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr sowie gemeinsamer Spritzengebrauch bei intravenösem Drogenkonsum.

Test Das Gesundheitsamt am Landratsamt Kronach bietet anonyme und kostenlose HIV-Tests an. Öffnungszeiten für die Testung: Mo, Di und Mi: 8 Uhr bis 16 Uhr, Do: 8 Uhr bis 17.30 Uhr, Fr: 8 Uhr bis 12 Uhr. Kontakt: Telefon: 09261/678-227

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