LKR Kronach
Unser Thema der Woche // GLEICHBERECHTIGUNG

Wie Kronacher Elternzeit nehmen: Kommt Kind, kommt Zeit

Immer mehr Väter nehmen Elternzeit - die Einführung des Elterngeldes 2007 hat einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Dass es meist bei den zwei "Vätermonaten" bleibt, hat für viele einen einfachen Grund.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei der Familie Thümlein aus Glosberg haben beide Elternteile eine Auszeit vom Job genommen.  Foto: Anna-Lena Deuerling
Bei der Familie Thümlein aus Glosberg haben beide Elternteile eine Auszeit vom Job genommen. Foto: Anna-Lena Deuerling

"Sicher prägt diese erste, intensive Zeit die Bindung zum Kind", sagt Sven Thümlein. Im Gespräch mit dem zweifachen Vater wird allerdings klar, dass die Entscheidung für ein Elternzeit-Modell bei ihm und seiner Frau vor allem auch aus pragmatischen, zweckmäßigen Aspekten getroffen wurde.

Unmittelbar nach der Geburt seiner Kinder Logan (3) und Zoe (2) war der 34-Jährige jeweils einen Monat gemeinsam mit seiner Frau in Elternzeit. "Es war schön, aber vor allem anstrengend" sagt Thümlein heute - beide Kinder sind mit Kaiserschnitt zur Welt gekommen, seine Anwesenheit kurz nach der Geburt sei demnach umso wichtiger gewesen, da seine Frau sich erholen musste.

Monat 1 und 13

Während sie für zwölf Monate am Stück zu Hause blieb, ging er nach dem ersten Monat wieder arbeiten. Seinen zweiten Monat Elternzeit nahm er dann, als seine Frau nach einem Jahr wieder Teilzeit ins Berufsleben einstieg. Die Eingewöhnungsphase in der Kindergrippe konnte er so ideal begleiten, bevor er dann selbst wieder Vollzeit seine Stelle im Qualitätsmanagement antrat.

Mit diesem Modell ist die mittlerweile vierköpfige Familie in guter Gesellschaft - im Landkreis Kronach liegt der Anteil der Väter, die zwei Monate Elterngeld in Anspruch nehmen, bei 87 Prozent. Kronacher Väter liegen somit über dem oberfränkischen Durchschnitt von 82,1 Prozent. Unter den 13 Kreisstädten und Landkreisen im Regierungsbezirk landet Kronach nach Lichtenfels und Wunsiedel auf Platz drei. Schlusslicht ist Bamberg, mit 70,8 Prozent nehmen hier im Schnitt deutlich weniger Väter eine zweimonatige Auszeit vom Berufsleben (Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik zum Elterngeld 2017). "Ich würde jedem raten, die Möglichkeit zu nutzen - ideal ist es natürlich, wenn beide Elternteile zu Hause sind", sagt Sven Thümlein.

Seit der Einführung des Elterngelds im Jahr 2007 nehmen immer mehr Väter Elternzeit in Anspruch. Das Elterngeld hat das Erziehungsgeld, das vor allem einkommensschwachen Familien gezahlt wurde, abgelöst. Die Leistung ersetzt das Einkommen vor der Geburt zu 65 Prozent, bei niedrigen Einkommen unter 1000 Euro bis zu 100 Prozent. Dass Vater und Mutter zu Hause bleiben, ist durch die finanzielle Unterstützung leichter geworden - sich die Elternzeit zu teilen, birgt sogar finanzielle Anreize. Um die volle Bezugszeit von 14 Monaten ausnutzen zu können, müssen beide Elternteile in Elternzeit gehen. Nimmt beispielsweise nur die Mutter eine Auszeit, besteht zwölf Monate Anspruch auf Elterngeld, durch die Auszeit des Vaters kann der Bezug um zwei weitere Monate verlängert werden.

So positiv die Entwicklung sein mag, bleibt immer noch eine große Lücke zwischen Vater und Mutter, wenn es um die Bezugsdauer geht. Im Durchschnitt bleiben Väter im Landkreis Kronach 2,8 Monate zu Hause, Mütter nehmen sich 14 Monate eine Auszeit. Dabei könnten die insgesamt 14 Monate paritätisch verteilt werden. Ein häufiger Grund ist sicher die finanzielle Situation, so auch bei der Familie Thümlein. "Sicher wäre ich gerne länger zu Hause geblieben. Aber da ist eben die Frage nach den Finanzen, das Problem kennen sicher viele", sagt der 34-Jährige. Dass er als Hauptverdiener länger zu Hause bleibt, sei keine Option gewesen - das müsse sich ein Elternpaar erst mal leiten können.

Das Konzept des "neuen" Elterngelds hat es bei der Geburt seiner Kinder noch nicht gegeben. Das Modell finde er aber begrüßenswert. Dabei können Eltern, die nach der Geburt des Kindes Teilzeit arbeiten, die Bezugszeit des Elterngeldes verlängern. Das sogenannte "Elterngeld Plus" ermöglicht einen Teilzeitbezug: Dabei wird nur die Hälfte des Elterngeldes ausgezahlt, dafür jedoch doppelt so lange.

Ob nur für zwei oder zwölf Monate: Thümlein legt jedem Vater ans Herz, diese Zeit zu nutzen. Ob diese Entscheidung langfristige Effekte auf die Beziehung zum Nachwuchs hat, hat auch eine Studie untersucht. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 (RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ) konnte positive Folgen für das familiäre Zusammenleben feststellen. Demnach verbringen Väter, die Elternzeit in Anspruch genommen haben, noch Jahre später mehr Zeit mit den Kindern.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren