Kronach
Schicksal

Wie können Psychologen helfen: "Die emotionale Kraft des Mädchens stärken"

Im Landkreis Kronach wurde eine 14-Jährige vergewaltigt und dabei geschwängert. Psychologen wollen ihr helfen, damit zu leben.
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Wenn man denkt, dass nichts mehr geht, können  Psychologen helfen. Foto: Marijan Murat/dpa
Wenn man denkt, dass nichts mehr geht, können Psychologen helfen. Foto: Marijan Murat/dpa
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Die Geschichte einer 14-Jährigen, die im Landkreis Kronach vergewaltigt und durch die Tat schwanger wurde,ist bewegend. Wir baten Experten, ihre Situation einzuordnen.

"Die Rolle des Kindes ist total verändert", betont Heiner Vogel, Mitglied des Vorstandes der Psychotherapeutenkammer (PTK) Bayern, wie schwerwiegend die Dimension dieses Falles ist.

"Sie ist im nächsten Schuljahr Mutter, befindet sich also plötzlich in einer Rolle, die sie in diesem Lebensabschnitt nicht wollte und die in diesem Alter auch nicht gängig ist."

Was jedoch ist nun zu tun, fragen wir Vogel, der an der medizinischen Psychologie der Universität Würzburg arbeitet. "Die Beschäftigung mit der Tat ist wichtig, um das Geschehene zu verarbeiten", sagt Vogel. "Aber man muss auch die Fähigkeit entwickeln, zu regulieren, wann man Abstand zur Tat haben möchte."

Integration im sozialen Umfeld, gute Freunde und erfüllende Hobbys seien hierfür sehr wichtig, weiß der Experte. "Wie sich der Alltag darstellt, hat eine große Bedeutung." Eine wichtige Rolle nehme hierbei auch die junge Großmutter ein. "Wenn ich mich geborgen fühle, kann ich mit Rückschlägen besser umgehen als in einer ohnehin belastenden Umgebung."

Kontinuierliche Gespräche

Die Familie müsse kontinuierlich begleitet werden. Ob eine Psychotherapie notwendig ist oder ein begleitendes Gesprächsangebot die sinnvollere Variante darstellt, kann Vogel aus der Ferne nicht sagen.

"Die Tat kann zu einem Traumata geführt haben." Es könne aber auch sein - insbesondere, da sich die 14-Jährige nicht erinnern kann -, dass die Folgen schwerer wiegen. "Die Gefahr ist, dass sich Gefühle auf das Kind projizieren, die nicht gut sind." Deshalb müssten sowohl die junge Mutter als auch deren Mutter darin bestärkt werden, die Schuld nicht bei denjenigen zu suchen, die nichts dafür können.

"Schuld hat nur einer", sagt Vogel, der genau weiß, dass Schicksalsschläge unterschiedlichste Gefühle zur Folge haben können: von Versagensängsten über Selbstzweifel bis hin zu Vorwürfen gegen Dritte. Vogel: "Es gilt, die emotionale Kraft des Mädchens zu stärken. Es muss mit sich und seinen Gefühlen im Reinen sein."

Beratung in Kronach

"Bei erlittenen Grenzüberschreitungen des Kindes können seelische Schäden lebenslang wirken", sagt Diplom-Psychologe Christian Krauß, Leiter der von Caritas und Diakonie getragenen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien in der Kronacher Klosterstraße. "Scham und Hilflosigkeit sind für Kinder sehr belastend."

Das erlittene Leid könne Misstrauen auslösen und jede künftige Gestaltung der zum Leben gehörenden, geschlechtlichen Beziehungen beeinträchtigen.

Junge Menschen sind dabei besonders gefährdet: Sie können Übergriffe Erwachsener nicht mit Erfahrungen vergleichen und haben Schwierigkeiten bei der Kommunikation von Ereignissen. "Das macht sie besonders schutzwürdig", betont Krauß.

Sexueller Missbrauch, so Krauß weiter, umfasst, dass Täter ihre Macht nutzen, um eigene Bedürfnisse mit Schaden des Kindes zu befriedigen. Nicht immer gehen Täter dabei brutal vor, manche verdecken ihr Tun durch verführerisches und freundlich erscheinendes Werben.

Verantwortung der Eltern

Krauß: "Es liegt auch in der Verantwortung von Erwachsenen, den Missbrauch zu erkennen und einzuschreiten. Weil das Wissen hierüber nicht alltäglich ist, benötigen viele Eltern speziellen Rat."

Wer sich beraten lassen möchte oder einen Missbrauch im privaten Umfeld erlebt hat, kann sich vertraulich an die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien wenden. Entweder persönlich in der Klosterstraße 3 in Kronach, per Telefon unter 09261/93730 oder per E-Mail an info@eb-kronach.de.



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