LKR Kronach
Energiewende

Wie grün sind die Rathäuser im Landkreis Kronach?

Die Gemeinden, Märkte und Städte im Landkreis Kronach tragen mit verschiedenen Lösungen zur Energiewende bei. Photovoltaik-Anlagen, E-Ladesäulen und -Fahrzeuge, aber auch LED-Technik und Nahwärme spielen dabei eine Rolle.
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Die ersten E-Ladeplätze im Landkreis Kronach entstanden 2016 in der Ortsmitte von Mitwitz.Foto: Rebecca Vogt
Die ersten E-Ladeplätze im Landkreis Kronach entstanden 2016 in der Ortsmitte von Mitwitz.Foto: Rebecca Vogt
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Im "Aktionsprogramm Klimaschutz" hat die Bundesregierung Ende 2014 das Ziel festgelegt, die CO2-Emissionen in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren - auf 750 Millionen Tonnen. Aktuellen Schätzungen der Bundesregierung zufolge wird man dieses Ziel um circa acht Prozentpunkte beziehungsweise um 100 Millionen Tonnen CO2 verfehlen. Handlungsfelder für die Energiewende liegen unter anderem in den Bereichen Erneuerbare Energien und Elektromobilität. Wie sieht es damit in den Rathäusern im Landkreis Kronach aus?

Photovoltaik-Anlagen auf Gemeindegebäuden

Nicht auf den Rathäusern selbst, aber auf den Dächern einiger anderer gemeindlicher Gebäude im Landkreis Kronach sind inzwischen Photovoltaik-Anlagen zu finden. So hat etwa die Stadt Kronach auf dem Bauhof, dem Parkdeck oder beispielsweise auch der Lucas-Cranach-Schule Solarmodule anbringen lassen. Wie Hauptamtsleiter Stefan Wicklein berichtet, ist daraus ein eigener Betriebszweig für die Stadtwerke entstanden, da die Stadt Kronach nicht nur die Fläche zur Verfügung stellt, sondern die Anlagen auch selbst betreibt.

Seit gut neun Jahren ist der Bauhof des Marktes Küps mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. "Das war damals von der Lage günstiger", erinnert sich der geschäftsleitende Beamte Torsten Michel, da das Rathaus im Schatten der umstehenden Bäume liegt. Im Markt Mitwitz gibt es Photovoltaik-Anlagen auf der Kläranlage und dem Gerätehaus der Feuerwehr.

Strom direkt nutzen

Seit 2006 ist auf dem Feuerwehrgemeindehaus in Schneckenlohe eine Photovoltaik-Anlage installiert. Bürgermeister Knut Morgenroth berichtet, dass aktuell geprüft werde, inwieweit sich die Dachflächen des Bauhofs für eine Photovoltaik-Anlage nutzen lassen. Mit dem Strom daraus könnten dann die Pumpen des nahe gelegenen Tiefbrunnens für die gemeindeeigene Wasserversorgung betrieben werden.

Eine ähnliche Lösung ist indes im Markt Steinwiesen bereits zu finden. Dort wurde 2010 auf dem Dach des Schwimmbads eine Photovoltaik-Anlage installiert. "Den erzeugten Strom nutzen wir zu 90 bis 95 Prozent selbst - direkt im Schwimmbad", berichtet Rainer Deuerling, Geschäftsleiter des Marktes Steinwiesen.

In der Gemeinde Stockheim sind auf drei Schulgebäuden Photovoltaik-Anlagen installiert, wie Gemeinde-Geschäftsleiter Rainer Förtsch berichtet: Seit 2005 auf der Schule in Stockheim, seit 2001 auf dem alten Schulgebäude in Burggrub und bereits seit 1998 auf der Schule in Reitsch. Bei Letzterer handelt es sich allerdings lediglich um eine Demo-Anlage für die Schüler.

Schneelast verhinderte Installation

Nicht immer lässt sich eine Photovoltaik-Installation realisieren. Das Rathaus im Markt Tettau sei bereits diesbezüglich überprüft worden, berichtet etwa Bürgermeister Peter Ebertsch. "Die Gegebenheiten müssen natürlich passen. Bei uns ist zum Beispiel auch die Schneelast zu berücksichtigen." Vor dem gleichen Problem stand man vor einigen Jahren in Wilhelmsthal, wie Mario Kotschenreuther, Geschäftsleiter der Gemeinde, berichtet. Die in der Region möglichen Schneelasten und das Gewicht der Photovoltaik-Anlage in Kombination mit der Statik des Gebäudes hätten damals eine Installation auf der örtlichen Turnhalle verhindert.

E-Ladesäulen auf dem Vormarsch

Einer der Vorreiter in Sachen Elektromobilität im Landkreis Kronach war der Bürgermeister des Marktes Mitwitz, Hans-Peter Laschka. 16 Jahre lang fuhr Laschka ein Elektroauto mit Pedalantrieb. Vor drei Jahren habe er sich aufgrund einer anstehenden Reparatur und einer körperlichen Beeinträchtigung von seinem Fahrzeug verabschieden müssen. "Das ist mir wirklich schwer gefallen. Ich war mit dem Auto voll zufrieden und würde es jetzt noch fahren", sagt Laschka. Bereits seit 2016 gibt es in der Mitwitzer Ortsmitte indes zwei Ladeplätze für Elektroautos. "Das waren damals die ersten im Landkreis", erinnert sich Laschka.

Seitdem sind in der Region nach und nach weitere Ladeplätze entstanden. Vor Kurzem wurden zum Beispiel vor dem Rathaus des Marktes Küps und am Tourismushaus des Marktes Steinwiesen E-Ladesäulen eingeweiht. "Es haben auch schon Leute getankt", heißt es aus den Rathäusern. Auch am Freizeit- und Tourismuszentrum der Gemeinde Steinbach am Wald wurde vor wenigen Wochen eine E-Ladesäule mit Anschlüssen für zwei Fahrzeuge eröffnet, wie Bürgermeister Thomas Löffler berichtet.

Lesen Sie auch: Bei den Ladezeiten muss ein Umdenken stattfinden - Frank Berlips von der Energievision Frankenwald im Interview

Im Rathaus der Gemeinde Stockheim seien bereits Leitungen zum Parkplatz und in die Garage gelegt worden, erzählt Geschäftsleiter Rainer Förtsch auf Anfrage. Zukünftig könnten also auch dort E-Ladesäulen entstehen. Auch in der Gemeinde Schneckenlohe hat man sich, was das Aufstellen einer E-Ladesäule betrifft, bereits informiert. Allerdings eigneten sich hier nur Stellen, an denen während des Ladens andere Angebote bestehen, erklärt Bürgermeister Knut Morgenroth. Dies sei jedoch nicht der Fall.

Elektroautos sind noch Mangelware

Während das Netz der E-Ladesäulen im Landkreis kontinuierlich wächst, sind Elektrofahrzeuge in den Rathäusern bislang noch die Ausnahme. Bei der Stadt Kronach steht beispielsweise ein Hybrid-Auto, das mit Strom beziehungsweise Gas fährt, als allgemeines Dienstfahrzeug zur Verfügung. Auch ein E-Bike ist im Fuhrpark der Stadt zu finden. Johannes Meitner von den Stadtwerken nutzt das Elektrofahrrad im Sommer regelmäßig für Strecken, die nicht unmittelbar fußläufig zu erreichen sind. "Vor allem wenn man dann wieder hoch zum Rathaus fährt, ist der elektrische Antrieb natürlich schön", sagt Meitner.

Ebenfalls regelmäßig mit dem E-Bike unterwegs ist der Bürgermeister des Marktes Nordhalben, Michael Pöhnlein. "Ich bin sowieso gern an der Luft - und wenn ich zu einer Besprechung fahre und es geht mal bergauf, bin ich dann nicht verschwitzt." Für das Rathaus selbst seien im Zuge der geplanten Sanierung für die Zukunft unter anderem auch E-Ladesäulen angedacht.

Die Wallenfelser Stadträtin Tina Müller-Gei indes fährt seit März 2018 mit einem Elektroauto zu Sitzungen ins Rathaus. Müller-Gei und ihr Mann haben sich aus Gründen des Umweltschutzes dafür entschieden, das Fahrzeug anzuschaffen, wie die Stadträtin erzählt. Durch die Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Hausdach kann Müller-Gei direkt bei sich zu Hause tanken. Eine aufwendige Installation sei hierfür nicht nötig gewesen. Und wie fährt sich das Elektrofahrzeug? "Super", sagt Müller-Gei und fügt an: "Ich möchte es nicht mehr hergeben."

LED-Umrüstung und Nahwärmeversorgung

Neben Photovoltaik-Anlagen, E-Ladesäulen und -Fahrzeugen sind in den Rathäusern auch andere Ansätze anzutreffen, welche die Energiewende im Blick haben. So wurden beispielsweise in der Stadt Ludwigsstadt einige Liegenschaften auf die energiesparende LED-Technik umgerüstet. Die Gemeinde Steinbach am Wald hat ihre Straßenbeleuchtung komplett auf LED umgestellt. Auch im Markt Tettau wurde bereits ein Teil der Straßenlaternen auf diese Technik umgerüstet.

In einigen Gemeinden spielt zudem das Thema Heizen eine Rolle. Beispielsweise hat der Markt Pressig sein Rathaus an die örtliche, mit Hackschnitzeln betriebene Nahwärmeversorgung anschließen lassen. Gleiches gilt zum Beispiel für das alte Schulhaus in Hirschfeld oder auch das Rathaus in Mitwitz. Die Stadt Kronach hat um ihr Rathaus ein Nahwärmenetz installiert, das auch die umliegenden Gebäude mitversorgt. Außerdem nutzt die Stadt die in der Kläranlage entstehenden Faulgase zur Strom- und Wärmegewinnung. Wege und Möglichkeiten, die Energiewende umzusetzen, gibt es also viele.



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