Stockheim
Geologie

Wie die Kohle nach Stockheim kam

Zwei Experten informierten beim Bergmannsfest über geologische Kostbarkeiten im Frankenwald, dessen Untergrund sich einst am Äquator befand.
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Geologe Matthias Mann aus Jena (rechts) informierte anlässlich einer Führung auf dem Geopfad über die geologischen Besonderheiten im Frankenwald. Mit im Bild Günther Scheler, der die gut besuchte Exkursion leitete.  Foto: Gerd Fleischmann
Geologe Matthias Mann aus Jena (rechts) informierte anlässlich einer Führung auf dem Geopfad über die geologischen Besonderheiten im Frankenwald. Mit im Bild Günther Scheler, der die gut besuchte Exkursion leitete. Foto: Gerd Fleischmann

Anlässlich des Bergmannsfestes informierten am Wochenende gleich zwei renommierte Geologen, und zwar Friedrich Leitz aus Redwitz und Matthias Mann aus Jena, über die Entstehung der Steinkohle sowie über die Geologie im Frankenwald. Und sie verstanden es ausgezeichnet, die komplexe Thematik verständlich zu erklären. Wie ist die Landschaft des Frankenwaldes entstanden? - und wie kam eigentlich die Kohle nach Stockheim? Diese und andere Fragen beantworteten die beiden Experten.

Vor etwa 350 Millionen Jahren entstanden zeitversetzt auf dem Gebiet des Frankenwaldes Tonschiefer, Grauwacke, Steinkohle, Rotliegendes, Sandstein und schließlich Zechstein. Außerdem sind Porphyr-Konglomerate und Quarz-Kieselschieferkonglomerate vorhanden, so die Fachleute.

Und das sind die Fakten: Landschaften scheinen uns unveränderlich und ewig. Doch eine genauere Betrachtung ihrer wohl dauerhaftesten Elemente, der Gesteine, korrigiert diesen Eindruck. Gerade sie zeigen uns, dass sich Landschaften stetig ändern. Ablagerungen, die in Seen und Meeren entstanden sind, finden sich heute auf den Gipfeln von Gebirgen. Gesteine enthalten Fossilien, Reste von Pflanzen und Tieren, die es heute nicht mehr gibt. Sie zeigen uns, dass sich das Leben über Hunderte von Jahrmillionen hinweg entwickelt hat.

Vor etwa 200 Millionen Jahren setzte mit der Kontinentalverschiebung ein gewaltiger Prozess ein: Aus dem Superkontinent Pangaea entstanden Afrika, Amerika, Europa, Asien und Australien. Und dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Folgeerscheinungen der Plattentektonik: Erdbeben und Vulkanausbrüche, die immer wieder für Vernichtung und Chaos, schließlich aber auch für einen Neubeginn sorgen.

Mit der Kontinentalverschiebung wanderte das Stockheimer Kohlevorkommen vom Äquator in die nördliche Halbkugel. Irgendwann drückten gewaltige tektonische Kräfte die Kohlenschichten aus dem Schoß der Erde nach oben. Damit war es überhaupt erst möglich geworden, in Stockheim, Reitsch und Neuhaus die Kohle zu entdecken und abzubauen.

Ein interessantes Überbleibsel aus der 400-jährigen Bergbaugeschichte ist nun das Stockheimer Steinkohlen-Geotop. Die Übergabe des Geo-Gütesiegels erfolgte 2008 durch den Vizepräsidenten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Richard Fackler. Schließlich war in Stockheim Bayerns bedeutendster Steinkohlebergbau.

Auf den ersten Blick dominieren Wälder und Wiesen einer lieblichen Mittelgebirgslandschaft. Auf den zweiten Blick offenbart der Frankenwald aber eine schier unüberschaubare Fülle an Felsen und alten Steinbrüchen. "Diese Geotope", so Matthias Mann, "bereichern nicht nur die Landschaft, sie sind auch Zeugen der bewegten Erdgeschichte."

Versinkende Urwälder

Diplom-Geologe Friedrich Leitz, der sich seit fast fünfzig Jahren mit der Stockheimer Kohle befasst, ging insbesondere auf ihre Entstehungsgeschichte ein. Schon längst hatte vor 290 Millionen Jahren während der Endphase der Karbonzeit das Leben die Landmassen erobert. Dichte Urwälder entstanden. Im feuchtwarmen Klima gediehen riesige Baumfarne, gewaltige Schachtelhalme, krautartige Bärlappgewächse. Sie bildeten die Grundsubstanz der Kohle. Nichts ist von Ewigkeit, die urzeitlichen Wälder versanken und wurden von Wasser überspült.

Vor allem seien Senkungsmulden - wie in Stockheim - ideale Standorte für üppiges Wachstum gewesen, versicherte der Geologe. Langsame Bodensenkungen, begleitet von einem gleichmäßigen Wasserstand, waren verantwortlich für den Sumpfwaldcharakter der damaligen Vegetation.

Die zweite Umwandlungsstufe setzte dann ein, als sich die vertorfte Pflanzensubstanz von den Abtragungs- und Verwitterungsmassen des sich im Hinterland der Senke auftürmenden variskischen Gebirges bedeckt wurden. Temperaturen und Gebirgsdruck beeinflussten den Inkohlungsprozess und letztendlich die Heizqualität der Steinkohle.

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