Kronach
Nutzung

Wie das Bürgerspital in Kronach künftig genutzt werden könnte

Das Kronacher Bürgerspital ist ein idyllisches, geschichtsträchtiges Gebäude. Inzwischen steht es jedoch in Teilen leer. Das soll sich ändern.
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Auch nach der jüngsten Ratssitzung ist noch nicht geklärt, wohin die Reise fürs Bürgerspital gehen wird. Foto: Marian Hamacher
Auch nach der jüngsten Ratssitzung ist noch nicht geklärt, wohin die Reise fürs Bürgerspital gehen wird. Foto: Marian Hamacher
Viele Jahrzehnte war das Kronacher Bürgerspital eine Heimstatt für Senioren. Heute stehen weite Teile des Gebäudes leer. Eine neue Nutzung muss gefunden werden. Dabei gerät immer wieder die Seniorenarbeit in den Fokus. Im Stadtrat wurde kürzlich ein anderer Ansatz diskutiert - die Jugendarbeit. Nun scheiden sich die Geister, wohin die Reise des Spitals gehen soll.

"Ich dachte, dass jetzt endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden und mit der Renovierung für seniorengerechte Unterkünfte begonnen wird", erklärt die Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt, Hanni Wachter, in einem Schreiben an die Ratsmitglieder. Das Spital sei schon immer ein Ort für Senioren gewesen. Wachter weist darauf hin, dass in der Satzung ein entsprechender Passus für die Ziele der Spitalstiftung verankert sei. Deshalb wundert sie sich über das nun vorliegende Konzept für die Jugendarbeit, das unter anderem Räume für das Landratsamt im Spital vorsieht.
"Es gibt in Kronach leerstehende Häuser und Hallen, auch leerstehende Schulhäuser fristen ein ödes Dasein", erklärt sie weiter. Das wären aus ihrer Sicht bessere Alternativen für ein solches Vorhaben. Deshalb ist sie klar gegen ein Projekt fürs Spital, das einer Ämterverlagerung dient. Eine Idee für die ältere Generation, wie seitens der Caritas "In der Heimat wohnen", fände sie zielführender.

Sozialpädagoge Andy Fischer vom Jugendamt der Erzdiözese bezieht in einem Schreiben ans Ratsgremium in entgegengesetzter Richtung Stellung. "Es geht nicht darum, die Idee eines Ortes für Senioren zu zerstören", betont er vor dem Hintergrund, möglicherweise Einrichtungen für Jugendliche im Spital anzusiedeln. Seiner Ansicht nach wäre es der Gedanke an eine Art Jugendcampus wert, in die Überlegungen einbezogen zu werden - zumal die Möglichkeiten der Seniorenunterbringung in Stadt und Landkreis in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien.

Auch die Arbeit für die Jugend ist in seinen Augen konform zu den Satzungszwecken der Spitalstiftung. Schließlich gehe es darin um soziale Zwecke. Und finanziell wäre eine solche Umnutzung wohl einfacher zu stemmen, als ein kompletter Umbau zu Wohneinheiten für Senioren.


Geteilter Meinung

So gespalten die Meinungen der Öffentlichkeit sind, so differenziert wurde das Thema im Ratsgremium diskutiert. Während aus den Reihen der SPD der Vorschlag der Jugendarbeit große Unterstützung fand, gab es kritische Stimmen seitens der CSU, nicht überstürzt die lange Tradition des Spitals als Stätte für die Senioren ad acta zu legen.

Am Ende wurde gegen fünf Stimmen dem Kompromissvorschlag von Michael Zwingmann (FW) gefolgt, umgehend einen runden Tisch zu bilden und zunächst beide Möglichkeiten auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen. Doch warum ist es überhaupt so schwierig, hier einen Konsens zu finden?

Hauptamtsleiter Stefan Wicklein sieht den Spagat, den die Stadt und ihre Räte in dieser Hinsicht vollziehen müssen. "Es geht weniger darum, ob die eine oder die andere Lösung gut oder schlecht ist, sondern darum, was für die Stiftung leistbar ist", erklärt er. Der Haken ist nämlich, dass die Stadt hier nicht einfach die Kosten für Umbauarbeiten übernehmen oder Finanzierungslücken decken darf, da sie selbst nicht Eigentümerin des Spitals ist, wie Wicklein bereits in der Ratssitzung feststellte. Das Gebäude gehört der gleichnamigen Stiftung.
Die Gremiumsmitglieder entscheiden in diesem Fall also nicht als Stadt-, sondern als Stiftungsräte. Und die Stiftung muss zusehen, wie sie einerseits die Kosten für das Spital samt Umbau schultern sowie auf Sicht Einnahmen generieren kann, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Andererseits muss sie natürlich ihren Auftrag der Seniorenarbeit berücksichtigen. Eine Zwickmühle.
Wicklein rechnet mit hohen Investitionen für den Fall, dass das Bürgerspital für eine Unterbringung von Senioren auf den heute vorgeschriebenen Standard gebracht werden müsste. Das hängt damit zusammen, dass das Spital ein wichtiges Baudenkmal ist. "Da ist es schwierig, an die Gebäudestrukturen heranzugehen."

Trotz dieser problematischen Rahmenbedingungen für eine Seniorenarbeit im Spital klemmt sich die Verwaltung hinter beide Varianten. "Wir sind schon dabei, die Fördermöglichkeiten zu prüfen", versichert der Hauptamtsleiter auf Nachfrage unserer Zeitung. "Der Bürgermeister wird bald zu einem Gespräch einladen.


Das sagen die Kronacher Stadträte

Jonas Geissler (CSU) sieht in der unmittelbaren Nutzung des Bürgerspitals für Senioren die "1a-Lösung" für die Zukunft des Gebäudes. Die Alternative der Jugendarbeit zu prüfen, ist für ihn vernünftig, um ein Ass im Ärmel zu haben, falls sich das Seniorenkonzept wirklich als nicht umsetzbar herausstellen sollte. Einen Schnellschuss hält er jedoch für falsch. "Natürlich muss man der Stiftung Einnahmen zuführen, aber bevor wir etwas Halbes machen, sollten wir uns lieber Zeit nehmen", sagt er. Und man könne bei der Nutzung für Senioren viele Ansätze verfolgen: Senioren-WG, Tagespflege, Apartments, Anlaufstelle, Pflege von Wachkoma-Patienten, ...

Marina Schmitt (SPD) meint, dass die Stiftung mit dem Landratsamt einen guten Mieter hätte. Deshalb hält sie an der Idee der Jugendarbeit im Spital fest und warnt vor einem Spiel auf Zeit. Auf Grund der sicheren Einnahmen könnten die Stiftung und ebenso das Gebäude (durch die so finanzierbare Einrichtung von Wohnbereichen) belebt werden. Außerdem würden die Mieteinnahmen erst dazu führen, dass die Stiftung Seniorenarbeit betreiben kann. Diese müsse ja nicht zwingend im Spital stattfinden, um den Stiftungsauftrag zu erfüllen. Schlimm fände Schmitt, wenn in der politischen Diskussion die Generationen gegeneinander ausgespielt würden.

Michael Zwingmann (FW) hat mit seiner Anregung, die beiden Lösungsansätze (Nutzung für Senioren oder Jugend) parallel zu prüfen, den Gordischen Knoten in der Ratssitzung durchschlagen und einen mehrheitsfähigen Beschlussvorschlag erreicht. "Wenn man zwei Lösungsansätze hat, muss man beide prüfen und dann abwägen", unterstreicht er seine Position, sich nicht nur an ein Konzept zu klammern. Das betreffe den inhaltlichen wie auch den monetären Aspekt. "Man darf in dieser Situation nichts auf Biegen und Brechen durchsetzen", sagt er. Jetzt gelte es in erster Linie, das Spital wieder einer Nutzung zuzuführen.

Das Bürgerspital
Chronik Vermutlich in der Zeit der Spitalgründungen unter dem Bamberger Bischof Lambrecht von Brunn (14./15. Jahrhundert) wurde ein Hospital erbaut. Wie der Geschichtstafel des Lions Clubs Kronach am Spital zu entnehmen ist, geschah dies "bei dem Schranch". Damit war die Zollschranke von 1333 gemeint, die sich bei der heutigen Spitalbrücke befand. 1430 wurde das Hospital von den Hussiten niedergebrannt, 1462 wurde es wieder aufgebaut. Wenige Jahre später folgte der Kapellenbau (1464/67). 1634 wurde das Spitalpfründegebäude von den Schweden erneut niedergebrannt. In den Jahren 1644/45 wurde es wieder errichtet. 1715/18 wurde die Anlage erweitert. 1821 wurde sie um eine Wohltätigkeitsanstalt ergänzt, die bis 1954 als Krankenhaus genutzt wurde.

Seniorenheim Das Bürgerspital diente zudem bis in die jüngere Vergangenheit als Pflege- /Seniorenheim. Von 1882 bis 2004 stand es unter der Leitung der Niederbronner Schwestern, von 2006 bis 2014 wurde es vom Caritas-Kreisverband betrieben. Nach der Schließung des Heims wurden dort vorübergehend unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge betreut (2015 bis 2017).

Größe Das denkmalgeschützte Gebäude hat etwa 1600 Quadratmeter Nutzfläche und rund 40 Zimmer - einige mit Nasszelle und Kochnische. Hinzu kommen Büro- und Verwaltungsräume.


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