Kronach
Prozess

Schlägerei unter Frauen: 24-jährige Kronacherin wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Nach einer Schlägerei unter Frauen vor einer Disco in Marktrodach steht eine 24-jährige Kronacherin wegen versuchten Totschlags vor Gericht.
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"Versuchter Totschlag" lautet der schwerwiegende Vorwurf. Symbolfoto: Christopher Schulz, dpa
"Versuchter Totschlag" lautet der schwerwiegende Vorwurf. Symbolfoto: Christopher Schulz, dpa

Wer gegen den Kopf eines am Boden liegenden Opfers tritt, muss damit rechnen, dass dies tödlich ausgehen kann. Seit gestern muss sich eine 24-Jährige aus Kronach wegen versuchten Totschlags vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot verantworten.

Im Februar dieses Jahres kam es in einer Diskothek in Marktrodach zu einerheftigen Auseinandersetzung unter mehreren Frauen. Die Kontrahentinnensollen zunächst auf der Tanzfläche verbal in Streit geraten sein. Die 24-jährige Bäckerin soll daraufhin zwei Frauen Faustschläge ins Gesicht verpasst haben. Einer 21-Jährigen soll zudem eine Glasflasche gegen den Kopf geflogen sein. Vollends eskalierte die Situation gegen vier Uhr am Sonntagmorgen auf dem Parkplatz vor der Diskothek, wo sich die Schlägerei unter den Frauen fortsetzte und daraufhin die 21-Jährige zu Boden ging. Danach soll die 24-jährige Beschuldigte ihr Opfer mit den Füßen attackiert haben. Das Einschreiten eines Mannes habe weitere Tritte verhindert.

Beamte gebissen und beleidigt

Der Beschuldigten wird weiterhin vorgeworfen, sich massiv gegen eine Festnahme durch Polizeibeamte gewehrt zu haben. So habe sie die Beamten mit Schimpfworten (nicht druckreif) tituliert, diese gebissen und mit den Füßen getreten.

Bei der Auftaktveranstaltung am Mittwochvormittag gab Rechtsanwalt Till Wagler an, dass seine Mandantin zunächst keinerlei Angaben machen werde, weder zur Person noch zu dem Tathergang. Die Frau befand sich während des Vorfalls auf Bewährung und sitzt jetzt in der JVA Bamberg in Untersuchungshaft.

Die 21-jährige Geschädigte sagte, dass sie sich nicht mehr genau an den Abend erinnern könne. "Ich war schon stark betrunken, ich habe Erinnerungslücken. Ich war auch ganz kurz weg." Sie sei sich nun nicht mehr sicher, ob tatsächlich die 24-Jährige gegen ihren Kopf getreten habe oder deren Freundin. Dabei handelt es sich um eine 21-jährige Altenpflegerin. "Ich bin nicht mehr sicher, manche sagen auch, dass die es war." Die Flasche habe ihr aber die 21-jährige Altenpflegerin gegen den Kopf geworfen.

Überhaupt variierten die Aussagen der Zeugen: Demnach habe angeblich nur die 24-jährige Bäckerin getreten beziehungsweise nur die 21-jährige Altenpflegerin. Eine weitere Zeugin wollte wiederum Tritte von beiden Frauen gesehen haben. Insgesamt war die Rede von drei bis vier Tritten gegen den Hinterkopf der Geschädigten.

Die 21-jährige Altenpflegerin wiederum bestritt vehement Handgreiflichkeiten. Vielmehr hätten "die anderen" gelästert und mit den Fingern auf die 24-jährige Beschuldigte gezeigt und diese als Hure beschimpft.

Richter Gillot wollte von der 21-jährigen Altenpflegerin wissen, weshalb sie mit Freunden nach dem Vorfall vor dem Haus der Geschädigten auftauchte. Gillot: "Kann es sein, dass Ihnen der Arsch auf Grundeis ging, weil die Beschuldigte auf Bewährung draußen war?", fragte er. Von der Schlägerei gibt es einen dreiminütigen Handymitschnitt. Die Audiodatei soll nun vom Landeskriminalamt ausgewertet werden. Auch ein sachverständiger Psychiater wird zu Wort kommen. Die Verhandlung wird am 3. und 4. September jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.



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