Kronach
Aktion

Wenn die Straßen in Kronach plötzlich zu einer Theaterbühne werden

Schüler der Montessori-Oberschule in Kronach bereiten sich auf ein "unsichtbares Theater" vor.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Schüler wollen aktuell nicht erkannt werden. Schließlich wollen sie bei ihrer "Aufführung" nicht erkannt werden. Foto: Marco Meißner
Die Schüler wollen aktuell nicht erkannt werden. Schließlich wollen sie bei ihrer "Aufführung" nicht erkannt werden. Foto: Marco Meißner

Auf der Straße diskutieren zwei Personengruppen über die Asylpolitik. Das Gespräch wird intensiv geführt, zu unterschiedlich sind die Vorstellungen. Diese Szene wird Anfang April in Kronach tatsächlich stattfinden, wenn Schüler der Kronacher Montessori-Oberschule ein "unsichtbares Theater" aufführen. Unsichtbar deshalb, weil auf den ersten Blick nicht zu erkennen sein wird, dass es sich um eine Inszenierung handelt. Das ist auch gewollt, denn im Idealfall sollen sich Passanten einmischen und das Thema durch eigene Wortbeiträge vertieft werden.

"Das Ziel der Schüler ist es, mit den Zuschauern ins Gespräch zu kommen, sich gemeinsam auszutauschen, Standpunkte zu vertreten und sich auch wieder davon zu lösen", teilt Theaterpädagogin Denise Schliefke mit, die das Projekt seit Anfang dieses Schuljahres betreut.

Keine Angst

Angst, dass sich der gespielte Konflikt durch das Einmischen von Passanten aufschaukeln könnte, haben die Schüler und ihre Lehrerin nicht. "Wenn Passanten dazwischen gehen und es auf einer normalen sprachlichen Ebene nicht mehr funktioniert, dann lösen wir das sofort auf", betont Christopher Wittmann. "Es wird keine Auseinandersetzung oder Schreiereien geben", ist auch Denise Schliefke überzeugt.

Überthema Menschenrechte

Das Metathema dieses ganzen Projektes sind Menschenrechte. Vor diesem Hintergrund haben die Schüler verschiedene Aspekte rausgearbeitet - auch basierend auf eigene Erfahrungen. "Der Findungsprozess besteht aus Theorie und Praxisinput auf der einen und Selbststudium und Durchspielen der Szenen-Fragmente auf der anderen Seite", so die Theaterpädagogin. In knapp eineinhalb Stunden pro Woche bereiten sich die 13 Schüler auf ihre Aktion im öffentlichen Raum vor.

"Die Dialoge haben wir uns selbst ausgedacht", betont Michele Sternicke, der sich mit den anderen Projektteilnehmern aktuell noch beim Einstudieren einzelner Szenen befindet. Ab und zu gebe es noch einzelne Versprecher, was zu Gelächter in der Gruppe führt, aber größtenteils sei jeder bereits fest in seiner Rolle verankert. Damit die Schüler nicht überrascht werden, wenn sie auf die Straße gehen, ist Denise Schliefke bei Proben immer wieder mal als Störfaktor aufgetreten, um für unvorhergesehene Situationen zu sorgen.

Die Schüler wissen: Nicht alles ist planbar. "Wir haben auch keinen festen Text, sondern nur einen Leitfaden, an dem wir unsere Dialoge orientieren", erklärt Jason Bauer, der mit seinen Mitstreitern auch verbale Schlagfertigkeit probt, um auf die Passanten entsprechend eingehen zu können.

Was die Realität tatsächlich bringt, davon müssen sich die Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren überraschen lassen. "Wir hoffen, mit unserer Aktion die Leute zum Denken anzuregen. Wir leben in einem relativ guten System, haben Trinkwasser und eine niedrige Arbeitslosigkeit. In anderen Ländern ist das nicht der Fall", betont Michele Sternicke die Intention des Projektes.

Unterstützt wird die Gruppe von Amnesty International mit Requisiten in Form von Flyern und Postern.

Teilnehmende Schüler sind Amelie Güttler, Anne Weingerber, Annemarie Daumann, Christopher Wittmann, Emely Schilling, Gabriel Dressel, Jason Bauer, Kai Rehlein, Lio Reißner, Max Glauben, Michele Sternicke, Sarah Keil und Yannick Horn.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren