Schmölz
Bluestage

Wenn die Mundharmonika jubiliert

Harte Gitarrenriffs vom Feinsten und schluchzende Mundorgeln begeisterten ein fachkundiges Publikum in Schmölz.
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Spielten sich die musikalischen "Bälle" zu: Mark Sepanski (links) und Bart Arnauts (rechts). In der Mitte Drummer Stanley Patty.Friedwald Schedel
Spielten sich die musikalischen "Bälle" zu: Mark Sepanski (links) und Bart Arnauts (rechts). In der Mitte Drummer Stanley Patty.Friedwald Schedel
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Zwei Mundharmonikas und ein Graf, der zum König der Gitarrenriffs avancierte, standen im Mittelpunkt der Schmölzer Bluestage. Wieder hatten Uwe Angermüller und sein Team Blues-Formationen der Extraklasse eingeladen, die alle Genres des Blues bedienten. Für jeden Geschmack des teils weit angereisten Publikums war etwas dabei.

Klein, aber fein: Das sind die Schmölzer Bluestage, die jeweils Anfang September für zwei schlaflose Nächte der Schmölzer Bürger rund um das Schloss sorgen. Die Schmölzer maulen jedoch nicht angesichts der Lautstärke, sondern helfen fleißig mit. Auch dieses Jahr kamen wieder Hochkaräter der Bluesszene in den kleinen Ort, der sich seit einem Vierteljahrhundert zum Mekka der Bluesszene entwickelt hat. Deutsche Formationen, aber auch Künstler aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und sogar aus Südafrika heizten den Zuhörern und Tänzern im Zelt so ein, dass man die eigens für kühle September-Nächte installierte Zeltheizung fast hätte abstellen können.

Tanzfläche war schnell voll

Die schwierige Aufgabe des Openers am Freitag meisterten der Luxemburger Kid Colling und seine Band problemlos. Flotter Rock und melodiöser Sound wechselten sich ab. Jeder aus dem Quartett erhielt Gelegenheit, seine musikalischen Qualitäten bei Soli zu zeigen. Darunter auch ein phänomenales und umjubeltes Solo auf der fünfsaitigen Bassgitarre. Im Nu war die Tanzfläche vor der Bühne gefüllt, als die Truppe Stücke aus ihrem Album "In the Devils Court" anstimmte. Ihr neues Album erscheint im November.

Kid Colling reihte sich zu später Stunde bei den Zugaben auch reibungslos in den Top-Act des Freitagabends ein: "Black Cat Bisquit" aus Belgien und den Niederlanden, bei deren Auftritt es richtig vornehm wurde. Die fünf Herren erschienen im feinen Zwirn, drei sogar mit Schlips. Der Jacketts mussten sie sich alsbald entledigen, die Hemdsärmel hochkrempeln, denn Musik machen ist Schwerstarbeit und schweißtreibend.

Hochkaräter auf der Bühne

Der Chef des Quintetts, Bart Arnauts, ein hagerer Mann mit Rauschebart sowie Anzug mit Weste und Krawatte, ist auf der Badezimmerwaage ein Leichtgewicht, auf der Bühne jedoch ein Hochkaräter. Seine Stimme sonor und ein Ohrenschmaus. Allrounder der Gruppe ist der Bassist Patrick Indestege, der sowohl seinen Kontrabass zupfte und dessen Saiten streichelte, als auch den E-Bass umhängte. Er hat zwar keinen Waschbrettbauch, aber machte mit Löffeln und einem umgehängten Waschbrett Rhythmus und Stimmung. Bestimmend für den Sound des Gebäcks für schwarze Katzen ist die Mundharmonika von Mark Sepanski, der sein Instrument schluchzen und wimmern lassen, aber auch Stakkati pressen kann. Kein Wunder, dass die Formation auf europäischer Blues-Ebene sehr gefragt ist, ein Glücksfall, dass sie für Schmölz verpflichtet werden konnte. Bart Arnauts und seinen Mannen hat es am Schloss sehr gut gefallen und er versprach, bald wiederzukommen. Vielleicht hat er dann einen weiteren Preis im Gepäck, nicht nur die Siegertrophäe des belgischen Blues-Preisträgers von 2018.

Blues vom Feinsten

Wie der Freitag aufgehört hatte, ging es auch am Samstag der Blues-Tage weiter: mit Mundorgel-Klängen. Steven Troch und seine Band luden zum Abtanzen auf den groben Splitt vor der Bühne ein. "A wonderful dance floor", wie Steven Troch augenzwinkernd meinte. Er entlockte seiner Harmonika Klänge, von denen man nur träumen kann. Blues vom Feinsten! Das Publikum entließ das Quartett, das durch den südafrikanischen Gitarristen Gerald Clark zum Schluss zum Quintett erweitert worden war, erst nach einigen Zugaben.

Dann war's vorbei mit Mundharmonika: Knallharter Blues-Rock mit viel Rock und ganz wenig Blues-Elementen war angesagt, als "The Double Vision" aufmischten. Die Band aus der Nähe von Erfurt legte fulminant los, ließ den kurzen Soundcheck reibungslos in die erste Nummer einmünden, so dass der davon überraschte Blues-Tage-Mitorganisator Uwe Angermüller seine Ansage erst danach machen konnte.

Die Zeiten sind lange vorbei, als "The Double Vision" als Rory-Gallagher-Tribute-Band galt. Eigentlich ist das Trio eine One-Man-Show, denn Drummer und Bassist geraten angesichts der Omnipräsenz des Gitarristen und Sängers Stephan Graf fast zu schmückendem Beiwerk. Silvio Remus am Schlagzeug peitscht einen exakten, begeisternden und knallharten Rock-Rhythmus durch das Zelt, so dass den Tänzern vor den Lautsprecherboxen angesichts des Schalldrucks fast die Hosen flattern. Torsten Sieboldt an der E-Gitarre sorgt mit stoischer Ruhe und mit seinem tiefen Klangteppich für die Grundlage, auf der der Graf aufbauen und zum König der Blues-Tage werden kann.

Unbeschreiblicher Sound

Gitarrist Stephan Graf, das ist die Stimme von "The Double Vision" und ein Meister seines Instruments. Seiner Instrumente, besser formuliert, denn es gab fliegende Wechsel zwischen vier verschiedenen Gitarren. Eine davon scheint er besonders zu mögen und oft zu benutzen, denn die Gebrauchsspuren - teilweise sind die Farbe und sogar das Holz stark abgewetzt - erkennt man deutlich. Die E-Gitarre ist alt, hat aber einen unbeschreiblichen Sound. Stephan Graf konnte auch die feinsten Nuancen der Klangvielfalt rauskitzeln. Ein Solo reihte sich an das nächste, so dass man fast von einem über zweistündigen Dauersolo sprechen kann. Das durfte er schweißgebadet erst nach mehreren Zugaben beenden.

Traditionell enden die Blues-Tage mit dem am vorgerückten Nachmittag endenden Frühschoppen am Sonntag. Da sorgte "Soul Message", eine achtköpfige Truppe aus Bamberg, für soulige, bluesige und funkige Klänge.

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