Weißenbrunn
Vereinsleben

Weißenbrunner Chor will 2000 werden

Eine witzige Idee, neue Sänger zu begeistern, haben die Weißenbrunner Sänger. Denn der Männerchor strebt aktuell sein 2000-Jähriges an. Ein echtes Kunststück, denn der Chor trägt das Gründungsdatum 1861 im Namen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fotos: Sonja Adam
Fotos: Sonja Adam
+9 Bilder
Wenn der stellvertretende Vorsitzende des Gesangvereins 1861 Weißenbrunn Willi Wich (56) davon spricht, dass man sich gerne auf das 2000-Jährige vorbereiten würde, dann schütteln Insider nur mit dem Kopf. Denn jeder in Weißenbrunn weiß, dass der Chor eben 1861 gegründet worden ist und erst vor drei Jahren Jubiläum gefeiert hat.

Das 2000-Jährige ist also Lichtjahre entfernt. Wie soll das gehen? Des Rätsels Lösung ist einfach. Es handelt sich um eine witzige Werbeidee. Denn die Weißenbrunner Sänger haben einfach das Lebensalter der aktuellen Sänger zusammengezählt und kommen jetzt genau auf 1861 Jahre.

Das bedeutet im Klartext, die Weißenbrunner Sänger würden gerne weitere Sänger anheuern - bis sie eben die 2000 Jahre voll haben. Gar nicht so unmöglich: ein 39-Jähriger, zwei 30-Jährige und ein 40-Jähriger zum Beispiel würden genügen.
Oder zwei 50-Jährige und ein 39 Jahre alter Sänger oder ein 50-Jähriger und ein 89-Jähriger.

Der Jüngste ist 35

Alles wäre den Weißenbrunnern recht - nur wünschen sich die 28 Sangesfreunde eben neue Stimmen. Wenn es nach dem Dirigenten Edgar Schmidt (63) geht, dann sollen das natürlich jüngere Sänger sein, aber willkommen sind alle, die Lust haben, bei einem Männerchor mitzuwirken.

Der Jüngste ist Thomas Moser mit 35 Jahren. "Mir gefällt zum Beispiel der Abendfrieden. Das singe ich gerne", sagt Moser. Natürlich weiß er auch, dass bei anderen jüngeren Männern das Chorsingen gerade nicht so hoch im Kurs steht. Denn immer wieder hat er versucht, auch andere Männer aus seiner Altersgruppe für den Chorgesang zu begeistern. Aber nicht einmal zum "Schnuppersingen" ist jemand mitgekommen. Doch der Brauer und Mälzer hat Spaß am traditionellen Liedgut. "Das ist einfach schön. Das macht Spaß", sagt Moser.

Und außerdem singen die Weißenbrunner Sänger ja auch Evergreens und Schlager. Aktuell legt Dirigent Edgar Schmidt für einen Liederabend Superhits wie "Spiel noch einmal für mich, Habanero", "Bist du einsam heut Nacht?" und andere Evergreens auf, die jeder kennt und die bis heute nicht aus der Mode sind.

Gute Kameradschaft

Voraussetzungen, um beim Gesangverein Weißenbrunn mit von der Partie sein zu können, gibt es eigentlich nicht: Viele der Sänger können keine Noten lesen. "Noten lesen hilft natürlich, aber es ist nicht notwendig", beruhigt Edgar Schmidt. Auch vorsingen müsste niemand, sagt der Dirigent und ist zuversichtlich, dass er jedem, der Lust hat, die richtigen Töne beibringen kann.

"Was wir haben, ist einfach eine gute Kameradschaft. Das passt", sagt Willi Wich. Diese gute Kameradschaft ist auch das Aushängeschild des Weißenbrunner Chors. Frauen möchten die Männer um keinen Preis in ihre Männerriege aufnehmen. "Da würden bestimmt einige abspringen", sagt Vorsitzender Werner Huth. Doch gegen gemeinsame Auftritte im Wechsel wehren sich die Weißenbrunner Sänger nicht. Nur wird eben getrennt geprobt und getrennt gesungen.

Der Vorsitzende Werner Huth (68) ist schon mehr als fünfzig Jahre als Sänger aktiv und ihm macht das Singen immer noch richtig Freude. "Es gab Zeiten, da waren wir 52 Sänger. Das war schön", erinnert sich Huth.

Die meisten Sänger sind in jungen Jahren eingetreten. So erzählt Willi Wich, dass er mit 15 durch seinen Vater zum Chor kam. "Man ist einfach reingewachsen, und ich war nicht der Einzige, der so jung war", erzählt Wich. Auch Bernhard Kappler (66) begann mit 15 Jahren als Chorsänger. "Ich kam durch meinen Schwager dazu. Und als ich dann mit 21 Jahren geheiratet habe, war sowieso klar, dass ich weiter mitsinge", sagt Kappler.

Aber nicht alle traten so bereitwillig ein. So erzählt der älteste Sangesbruder Edwin Leitz, der auch mit 86 Jahren noch zweite Tenorstimme singt, das er Jahre gezögert hat. "Ich war Postbote und musste immer beim damaligen Vorsitzenden vorbei, der hießt Krautschuster mit Spitznamen. Und der Krautschuster saß immer auf seinem Schusterschemel und hat mich jeden Tag gefragt, wann ich denn mitsinge. Und irgendwann hab ich dann Ja gesagt", lacht der 86-Jährige. Denn heute kommt er natürlich freiwillig - und sogar mit Begeisterung.

Alfred Stumpf ist mit 84 Jahren der Zweitälteste in der Sängerriege. Schon 1949 trat er in den Chor ein. Doch dann hat Alfred Stumpf Architektur studiert, war in Köln, Bamberg und Kulmbach. "Da konnte ich natürlich nicht mitsingen. Aber ich bin jetzt auch schon wieder über 15 Jahre mit dabei", lacht Stumpf. "Ich will noch weitermachen, solange meine Stimme mitmacht".

Übrigens kommen die Sänger nicht nur aus Weißenbrunn, sondern aus allen Weißenbrunner Ortsteilen, aus Hummendorf, aus Kronach. Und noch eine Besonderheit hat der Männergesangverein: Am 1. Mai richten die Männer immer ein Fest unter dem Motto "Bella Italia" aus und feiern mit dem ganzen Ort vor dem Rathaus.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren