Kronach
Selbstständigkeit

Wege in die Selbstständigkeit

Bernd Büttner hat sich bereits vor 25 Jahren selbstständig gemacht, Niclas Wich erst vor wenigen Monaten. Beide sind in der Immobilienbranche tätig, aber in zwei völlig unterschiedlichen Bereichen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Niclas Wich hat sich vor wenigen Monaten selbstständig gemacht.  Neben der Hausverwaltung bietet er auch Marktpreiseinschätzungen von Immobilien an. Foto: Cindy Dötschel
Niclas Wich hat sich vor wenigen Monaten selbstständig gemacht. Neben der Hausverwaltung bietet er auch Marktpreiseinschätzungen von Immobilien an. Foto: Cindy Dötschel
+1 Bild

Seit wenigen Monaten selbstständig

Niclas Wich wollte eigentlich Profifußballer werden. Heute spielt er nur noch am Wochenende. Zum Spaß. "Ein Jahr nach Abschluss der mittleren Reife am Fußballinternat habe ich meinen Traum aufgegeben, um mich auf Neues zu fokussieren", berichtet der 20-Jährige. Im Spätsommer hat er sich selbstständig gemacht. Neben der Hausverwaltung bietet er auch Marktpreiseinschätzungen von Immobilien und klassische Maklertätigkeiten an. Wich ist es wichtig, kompetent und ehrlich auf seine Kunden zu wirken. "Die Leute vertrauen mir trotz meines jungen Alters. Und wenn ich etwas nicht weiß, dann stehe ich dazu und liefere die Informationen nach", sagt er. Das größte Lob für ihn ist es, wenn er positives Feedback bekommt. Erst neulich habe ein Kunde nach weiteren Visitenkarten von ihm zum Verteilen gefragt.

In ständiger Fortbildung

Nach der mittleren Reife beginnt Wich eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Weil sein Vater ein Holzbauunternehmen betreibt, hat Wich sich schon immer für Immobilien begeistert. "Ich habe relativ schnell gemerkt, wo der Weg hinführt", sagt er rückblickend. Bereits während seiner Ausbildung darf er ein Jahr lang als Immobilienmakler arbeiten.

Nach dem Abschluss fragt sein Vater Wich nach Unterstützung. Das ist mittlerweile ein Jahr her. Seitdem befinde er sich in ständiger Fortbildung. "Ich wollte von mir sagen können, das ich ein Haus mit aufgestellt habe. Deshalb habe ich für einige Monate auf dem Bau mitgearbeitet." Außerdem hat Wich via Fernstudium zwischenzeitlich eine Ausbildung zum Hausverwalter absolviert.

Durch den Spaß zum Erfolg

Die Durchführung seines ersten eigenen Bauprojekts steht kurz vor dem Abschluss. "Wir sanieren in Kulmbach gerade einen Altbau, aus dem ein Mehrfamilienhaus entsteht. So kann ich jetzt auch Tipps zur Erneuerung von Gebäuden geben", sagt der Steinwiesener. Wich arbeitet meist sieben Tage die Woche. "Weil mir alles Spaß macht, fühlt es sich aber nicht so an", sagt er. Als Selbstständiger ist Wich zunehmend mehr ausgelastet. "Die größten Herausforderungen am Anfang waren die bürokratischen Hürden und die Angebotserstellung für die Hausverwaltung."

Langfristig gesehen plant Wich, seinen Kunden einen Komplett-Service anzubieten: "Ich möchte den Kunden in allen Belangen, die seine Immobilie betreffen, unterstützen. Sei es bei der Immobilienvermittlung oder später dann bei der Umsetzung einer energetischen oder barrierefreien Sanierung."

Zum Komplett-Service zähle außerdem die anschließende Verwaltung des Objekts. Weil er durch die Firma seines Vaters bereits beim Bau und der Sanierung von Immobilien dabei war, könne er schon jetzt auf fundiertes Wissen zurückgreifen. Während seiner Ausbildung, habe ihm dieses Wissen noch gefehlt.

Eine Marktlücke gefunden

Für Wich ist es auch eine Option, Mitarbeiter mit den entsprechenden Qualifikationen einzustellen: "Als Einzelperson muss ich nicht alles können, aber meine Firma soll breit aufgestellt sein."

Der Steinwiesener ist überzeugt davon, dass sein Vorhaben, das er in den nächsten fünf Jahren umsetzen möchte, eine Marktlücke abdeckt. "Das Geschäft ist für einen Immobilienmakler nach dem Verkauf beendet. Ich will den Kunden bei allen weiteren Maßnahmen helfen", sagt Wich. Er sei schon immer so gewesen, dass er sich etwas aufbauen wollte.

Wissen in einem Buch verewigt

Bereits im Alter von 17 Jahren hat er sein Buch "Lass uns durchstarten - Wie du zum Gewinner wirst" veröffentlicht. "Im Fußballinternat hatten wir Persönlichkeitsentwicklung als Fach", erinnert sich Wich, mit dem Buch wollte er sein Wissen an andere weitergeben. Alles außer dem Schreiben hat ein Verlag für ihn übernommen. So wie er künftig alle anfallenden Aufgaben in Sachen Immobilien für seine Kunden übernehmen möchte.

Seit 25 Jahren selbstständig

Bernd Büttner ist seit 26 Jahren selbstständig. "Ich war als Monteur bei einem Möbelhaus angestellt und habe gemerkt, dass mir die Nische liegt", sagt der Haßlacher. 1993 habe er sich deshalb selbstständig gemacht und sein Unternehmen "Büttner's Umzugs- und Küchenmänner" gegründet. Seiner Einschätzung nach sei es vor allem am Anfang wichtig, nicht ins Preisdumping zu verfallen: "Man muss das Risiko eingehen, mache Aufträge nicht zu bekommen." Zum Kundenklientel gehören vor allem Firmen, Ärzte und Beamte. Häufig übernehmen Büttner und seine drei Monteure Büroumzüge. "Das besondere ist, dass wir die Montage der Küchen, außer dem Anschluss der Elektro- und Wasserleitungen, übernehmen."

Der Wille der Senioren ist gefragt

Büttner selbst hat seit kurzem eine Knieprothese und übernimmt vor allem die Büroarbeiten seines Umzugsunternehmens. Außerdem hat er mit seinen Seniorenwohnanlagen in Glosberg und Wolfersdorf alle Hände voll zu tun. Vor Jahren hat Büttner einem älteren Ehepaar beim Umzug geholfen. "Ich habe ihnen versprochen, eine Anlage zu bauen, in der sich Senioren entfalten können." Sein Versprechen hat er in die Tat umgesetzt, mittlerweile sind zehn Jahre vergangen, seit Büttner seine Seniorenwohnanlage in Glosberg eröffnet hat. "Jeder soll hier so leben dürfen, wie ihm der Herr Mobilität und Geist schenkt."

In Glosberg leben derzeit fünf Senioren in fünf seniorengerechten Wohnungen. "Der Zweck der Anlage ist es, dass die Senioren sich Pflichten auferlegen und bis ins hohe Alter einen Sinn im Leben sehen", beschreibt der 56-Jährige. Aus diesem Grund habe jeder der Bewohner einen kleinen Garten auf der Anlage. "Wenn den Bewohnern der Aufwand zu viel wird, kommen sie auf mich zu. Dann stehe ich ihnen mit Rat und Tat zur Seite", sagt Büttner. Er kümmert sich unter anderem, wenn die Senioren einen Arzt brauchen oder einen Pflegedienst engagieren wollen.

Neben dem Garten gibt es in Büttners Anlage eine Gemeinschaftsküche und eine Bibliothek. "Hier in der Bibliothek finden unsere gemeinschaftlichen Feiern, beispielsweise zu Weihnachten oder an Fasching, statt", sagt Büttner, der an einem von drei großen Tischen direkt vor dem Kamin platzgenommen hat. Die Bewohner können sich den Raum auch reservieren, beispielsweise für Geburtstagsfeiern.

Regelmäßig werden außerdem Events für die Senioren veranstaltet. "Es gibt unter anderem Bastelnachmittage oder Vorträge, beispielsweise von einem Notar oder Orthopäden." Büttner will sichergehen, dass ausschließlich Senioren in seiner Wohnanlage leben. "Wenn ich die Wohnungen verkaufen würde, könnte ich nicht beeinflussen, wer langfristig einzieht", schildert Büttner die Situation. Er vermietet den Senioren Wohnungen, in denen sie alt werden und menschenwürdig sterben können. "Der Wille der Bewohner ist bis zum letzten Tag gefragt."

Wer neu einziehen darf, entscheidet Büttner abhängig vom Charakter. Die Bewerbungen stapeln sich. "Oft bewerben sich ältere Menschen, denen ihr Haus zu groß geworden ist." Unter den Bewerbern seien auch Senioren aus München oder Nürnberg, denen das Leben in der Stadt zu hektisch und zu teuer geworden ist. Vor fünf Jahren hat Büttner noch eine zweite Wohnanlage in Wolfersdorf eröffnet. "Dort leben neun Menschen in acht Wohnungen. Prinzipiell läuft alles, wie hier in Glosberg. Nur die Bibliothek ist noch nicht fertig", berichtet Büttner, für Veranstaltungen kommen die Senioren nach Glosberg.

Der Traum vom Seniorendorf

Langfristig träumt er davon, ein Seniorendorf mit etwa 50 Mietshäusern zu errichten. "Die Häuser sollen im Stil von heimischen Häusern sowie im Stil von Häusern in Norwegen und im Schwarzwald errichtet werden", beschreibt der Selbstständige. Eine Minigolfanlage soll beim ersten Haus beginnen und sich durch die ganze Anlage ziehen. "Die Häuser sollen einen Spitzboden bekommen, wo Enkel übernachten können. Außerdem soll es ein Gasthaus geben und Elektroautos." Mit den Vorplanungen hat Büttner bereits begonnen, bis zur Verwirklichung dauert es noch

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren