Schneckenlohe
Politik

Warum für Schneckenlohes Bürgermeister Knut Morgenroth sein Amt die beste Therapie ist

Knut Morgenroth ist seit dem Sommer 2016 in seinen Bewegungen eingeschränkt. Dennoch strebt er eine dritte Amtsperiode an. Denn er ist überzeugt, dass sich das Bürgermeisteramt positiv auf seine Genesung auswirkt.
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Knut Morgenroth hat sein Büro vom Rathaus in sein Eigenheim verlegt. Sowohl der Bevölkerung als auch seinem Ratsgremium ist er dankbar, dass diese ihn seit seiner Krankheit unterstützen. Foto: Veronika Schadeck
Knut Morgenroth hat sein Büro vom Rathaus in sein Eigenheim verlegt. Sowohl der Bevölkerung als auch seinem Ratsgremium ist er dankbar, dass diese ihn seit seiner Krankheit unterstützen. Foto: Veronika Schadeck

Knut Morgenroth führt seit dem 1. Mai 2008 als ehrenamtlicher Bürgermeister die Gemeinde Schneckenlohe. Bei den Kommunalwahlen im März 2020 hofft der Sozialdemokrat auf seine Wiederwahl. Denn für ihn ist dieses Amt nicht nur eine Dienstleistung für seine Bürger, sondern auch eine Therapie. Knut Morgenroth ist nämlich seit dem Juli 2016 körperlich behindert.

Bei einem Gespräch erinnert der 53-Jährige an den Tag, der sein gesamtes Leben verändert hat. Es sei im Juli 2016 gewesen, als er beim Partnerschaftsfest, das die Schneckenloher zusammen mit ihrer Partnergemeinde Borghetto (Italien) feierten, gegen Mitternacht nach Hause gegangen ist. Er kann sich noch erinnern, dass er eigentlich schlafen gehen wollte - er aber auf dem Boden lag und sich nicht mehr bewegen konnte. Von seinem Sturz habe er nichts mitbekommen. Er habe um Hilfe gerufen. Seine Tochter habe einen Notruf abgesetzt.

Bandscheibe war der Auslöser

Über die Drehleiter der Feuerwehr wurde Morgenroth schließlich in den Rettungswagen gebracht und ins Lichtenfelser Krankenhaus eingeliefert. Von dort aus ging es mit dem Rettungshubschrauber weiter ins Klinikum nach Bayreuth.

Nach der Operation sei er auf der Intensivstation aufgewacht. Sechs Wochen lang, so berichtet der zweifache Familienvater, habe er nur seinen Kopf bewegen können. Diese Phase wünscht er keinem Menschen. Morgenroth spricht von Fieber, Alpträumen, von einer teilweisen geistigen Verwirrtheit: "Ich war teilweise nicht mehr auf dieser Welt."

Die Ursache für seinen Zustand: eine Bandscheibe. Diese war nämlich zwischen dem dritten und vierten Halswirbel ausgetreten und hatte Nervenbahnen abgeklemmt. "Inkomplette Querschnittslähmung" lautete die Diagnose der Ärzte - die mit ihren Meinungen später allerdings auseinandergingen. Mal hieß es, der Zustand könne stabil bleiben, dann, er könne sich sogar verbessern. Andere Mediziner waren überzeugt, der Zustand werde sich wieder verschlechtern.

Morgenroth orientierte sich lieber an den positiven Prognosen. Und es wurde besser. Allerdings langsam. Sehr langsam. Es dauerte Wochen, ehe er wieder seine Füße und Finger bewegen konnte. In der anschließenden Reha verbesserte sich sein Zustand weiter. Minimale Bewegungen, die bisher selbstverständlich waren, kehrten mithilfe verschiedener Therapien im Schneckentempo zurück.

Außer seiner Familie wollte er während dieser Zeit keinen Besuch. Sein Pfarrer habe sich aber nicht davon abhalten lassen. Durch viele Gespräche mit ihm, habe er gelernt, seine Situation zu akzeptieren. Die Amtsgeschäfte führte während dieser Monate sein Stellvertreter Andreas Kristek.

Im April 2017 hat Knut Morgenroth schließlich das Bürgermeisteramt wieder übernommen. Sein Alltag hat sich seitdem aber enorm verändert. Seinen Job als Bundespolizist kann er nicht mehr ausüben. Zweimal pro Woche geht er zur Ergotherapie und Krankengymnastik. Sein Bürgermeisterbüro hat er zu Hause eingerichtet.

Kommuniziert wird mit den Mandatsträgern und Bürgern vor allem per Mail und WhatsApp. Im Rathaus werden nur Bürgerstunden abgehalten. Das Überbringen von Glückwünsche zu runden Geburtstagen übernimmt sein Stellvertreter. Bei Veranstaltungen versucht Morgenroth jedoch so oft wie möglich präsent zu sein.

Derzeit arbeitet der 53-Jährige daran, möglichst viele Vor- und Unterlagen zu digitalisieren. "Ich habe Schwierigkeiten, Unterlagen in Ordnern einzusortieren beziehungsweise herauszunehmen", erklärt er.

Stolz ist er, dass er seit einigen Wochen den "Führerschein für Behinderte" in der Tasche hat. Das passende Auto muss er sich allerdings noch aussuchen und entsprechend umbauen lassen.

Ein Stück Unabhängigkeit

Für ihn bedeute das Arbeiten am Computer und die Aussicht darauf, bald wieder Auto fahren zu können, ein Stück Unabhängigkeit und Mobilität. "Das baut mich auf." Morgenroth weiß, dass er niemals mehr ganz gesund werden wird. Sein Ziel ist es, sich bald wieder am Stock fortbewegen zu können und nicht mehr auf den Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen zu sein.

Und er hofft, dass ihm die Schneckenloher Bürger im März 2020 wieder ihr Vertrauen schenken. Für ihn bedeutet das Bürgermeisteramt, Ablenkung, eine Aufgabe und Kontakt mit anderen Menschen zu haben. "Für mich ist dieser Job eine Therapie, ähnlich wie die Krankengymnastik", betont er. Ob er einen Gegenkandidaten bekommen wird, weiß Morgenroth noch nicht. Der Wahlkampf beginnt in seiner Gemeinde in der Regel ja erst im Herbst, berichtet er. Zusammen mit seiner SPD-Fraktion will er in den kommenden Wochen nun ein Programm für die Zukunft zusammenstellen, gleichzeitig aber auch Bilanz ziehen, welche Projekte seit der vergangenen Kommunalwahl realisiert wurden.

Und was rät er den Menschen, die in einer schwierigen und mitunter hoffnungslosen Situation sind? "Das Wichtigste ist, dass man sich selbst nicht aufgibt!" Bei ihm haben dazu seine Familie, sein Pfarrer, die anderen Patienten in der Klinik und auch die große Anteilnahme seitens der Bevölkerung und Kollegen aus der Kommunalpolitik beigetragen.

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