Wallenfels
Finanzen

Warum Schaumstoff-Quadrate Wallenfels 120.000 Euro sparen

125 000 Euro hätte der Stadt Wallenfels eine neue Filteranlage für ihr Freibad kosten können. Dass sie nun nicht einmal einen Bruchteil der veranschlagten Kosten aufbringen muss, hat sie Bademeister Dieter "Oli" Gräf zu verdanken.
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Weil Bademeister Dieter Gräf passende Ersatzfilter für die Filterkessel des Wallenfelser Freibads fand, bleibt der Stadt ein teurer Austausch der in die Jahre gekommenen Filteranlage erspart. Foto: Marian Hamacher
Weil Bademeister Dieter Gräf passende Ersatzfilter für die Filterkessel des Wallenfelser Freibads fand, bleibt der Stadt ein teurer Austausch der in die Jahre gekommenen Filteranlage erspart. Foto: Marian Hamacher

Ein paar Wolken sind tatsächlich am Himmel über dem Wallenfelser Freibad zu entdecken. Regentropfen sucht man an diesem sonnigen Mittag jedoch vergeblich. Trotzdem hängt Dieter Gräf eine durchnässte Regenjacke auf die Lehne seines Schreibtischstuhls. "Das kommt vom Hochdruckreiniger", sagt der Bademeister, greift mit seiner Hand nach einem der Ärmel und zeigt die vielen kleinen Sandkörner, die am nassen Stoff haften. Dafür ist der Schmutz des Winters von den Steinen verschwunden.

Es sind nur noch kleinere Arbeiten, die er von seiner Aufgabenliste abhaken muss, ehe das Freibad am Samstag erstmals in diesem Jahr wieder seine Tore öffnet. Den wichtigsten Punkt hat er schon vor wenigen Tagen streichen können: die Filter in die beiden Kessel der Filteranlage einsetzen. Das dauerte zwar gerade einmal eine halbe Stunde, sparte der Stadt Wallenfels aber indirekt an die 120.000 Euro. Und das, wenn man so will, weil Gräf vergangenes Jahr zum richtigen Zeitpunkt mit seiner Computer-Maus auf den richtigen Link klickte.

Spröde geworden

Ein Klick, der dafür gesorgt haben dürfte, dass Bürgermeister Jens Korn (CSU) beim Wort "Filteranlage" nicht mehr gleich ein ungutes Gefühl in der Magengegend bekommt. "Vor zwei Jahren haben wir festgestellt, dass die Anlage erhebliche Probleme macht", blickt Korn zurück. "Wir haben uns dann ein Angebot für eine neue machen lassen, das bei rund 125 000 Euro lag."

Das Problem sei aber weniger die Anlage an sich, als vielmehr die länglichen Filterstangen gewesen, die das Chlorwasser in den beiden Kesseln reinigen, erklärt Gräf. Diese müssen nämlich nicht nur alle zwei Tage gespült, sondern auch in eine sogenannte Kieselgur (pulverförmige Substanz) eingelegt werden. "Dadurch wurden die aber mit den Jahren so spröde, dass wir sie gar nicht mehr befestigen konnten. Wir haben dann mit Messingschrauben und Kabelbindern improvisiert."

Ersatzteile für die Anlage, die schon über 40 Jahre alt ist, gibt es inzwischen nämlich nicht mehr. Auch die Versuche, in anderen Schwimmbädern, die gerade saniert werden, eine ausrangierte kompatible Filteranlage zu finden, scheiterten. Zur Dauerlösung sollten die notdürftig befestigten Stangen aber nicht werden. "Hätten wir keine Lösung gefunden, hätte das Gesundheitsamt das Bad womöglich schließen können", vermutet der Bademeister.

Dafür, dass es dazu nicht kommt, sorgen etwa 30 Zentimeter große Quadrate, die auf den ersten Blick wie weißer Schaumstoff aussehen. "PureFlow" heißen die drei bis fünf Gramm leichten High-Tech-Polymerfasern, auf die Gräf schließlich vergangenes Jahr bei einer Internetrecherche aufmerksam wurde.

Ein Ortstermin im Wallenfelser Freibad brachte daraufhin gleich zwei positive Erkenntnisse. Die Polymerfaser-Platten erwiesen sich nicht nur als kompatibel mit den Wallenfelser Filterkesseln - sondern kosteten auch nur 5000 Euro. "In unserer finanziellen Situation ist das natürlich Gold wert", freut sich Korn. Erstmals seit 2002 soll der Schuldenstand der Stadt Ende des Jahres zwar unter sechs Millionen Euro liegen, doch auch weniger Schulden sind bekanntlich immer noch kein Guthaben.

Mit der gefundenen Lösung sei er sehr glücklich. "Wir haben eine tolle Filteranlage, einen Filterstoff, der hoch innovativ ist, uns viel Geld spart und eine Zeit lang erst mal den Freibadbetrieb sichert", so der Bürgermeister. Dort kann es nun im Grunde losgehen. Der Rasen ist bereits gemäht, die Sanitäranlagen desinfiziert und der Dreck des Winters nicht mehr auf dem Steinboden, sondern auf Gräfs Jacke.

Unter seinem bürgerlichen Vornamen dürften ihn die wenigsten kennen. Deutlich bekannter ist der Mann mit der schwarzen Brille und dem bis zur Brust aufgeknöpften Holzfällerhemd in der Region als "Oli". Warum? "Naja, mein Bruder heißt Oli und als ich klein war, war ich für alle eben der kleine Oli." Seit sieben Jahren ist der 52-Jährige zusammen mit Martina Werner (53) als Bademeister für das Wallenfelser Freibad sowie als Zeltplatzwart für den angrenzenden Campingplatz verantwortlich.

Freudige Überraschung

Es sei schon eine freudige Überraschung gewesen, den passenden Filterstoff zu finden, erinnert sich der "kleine Oli" an den im Nachhinein großen Moment, als auf seinem Bildschirm die Lösung für das Wallenfelser Filter-Problem erschien. "In gewisser Weise hat das ja auch unseren Arbeitsplatz gesichert. Und für mich ist das hier mehr als nur mein Arbeitsplatz, da hängt mein Herzblut dran."

12,5 Kilogramm der Schaumstoff-Quadrate werden pro Filterkessel benötigt. Offen ist, wie lange überhaupt. "Die Filteranlage ist das eine, aber wir haben beim Freibad insgesamt einen erheblichen Sanierungsbedarf", weiß Korn. Eine Machbarkeitsstudie ist daher bereits in Auftrag gegeben worden.

Das Ergebnis: 2,1 Millionen Euro würde es kosten, die Außenanlagen zu sanieren, die Technik auf den aktuellen Stand zu bringen und die Becken zu modernisieren sowie mit einer Überlaufrinne auszustatten. "Da müssen wir jetzt mal abwarten, wie eine eventuelle Förderung des Freistaats für solche Freibadsanierungen ausschaut", sagt der Bürgermeister. Dank der von Gräf gefunden Lösung fällt das Warten nun allerdings de

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