Kronach
Obsternte

Warum die Obsternte im Kreis Kronach heuer ernüchternd ausgefallen ist

Der diesjährige Obstertrag der Kronacher Gartenbauvereine ist ernüchternd ausgefallen. Warum das aber nichts Neues ist und (noch) keinen Grund zur Sorge darstellt, erklären die Vorsitzenden Matthias Fischer und Fritz Pohl.
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Welcher der beiden Äpfel ist aus der diesjährigen heimischen Zucht und welcher aus dem Supermarkt? Foto: Marian Hamacher
Welcher der beiden Äpfel ist aus der diesjährigen heimischen Zucht und welcher aus dem Supermarkt? Foto: Marian Hamacher

Bäume, die voller praller Äpfel und Birnen hängen, die nur auf ihre Ernte warten. Davon kann der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Fischbach, Matthias Fischer, dieses Jahr nur träumen. "Rekordernten hatten wir letztes Jahr, heuer war fast nichts dabei", erzählt er wehmütig. In der Fischbacher Kelterei seien zudem nur ein Viertel der gewohnten Obstmengen mitgebracht worden. Fischer meint: "Leute, die teils im Vorjahr bis zu 300 Kilogramm mitbrachten, kommen dieses Jahr mit nur 50 zu uns - das sind natürlich Kleinmengen!"

Des Weiteren stellte er fest, dass 2019 mehr Stein- als Kernobst geerntet werden konnte. Dazu zählen beispielsweise Zwetschgen oder Mirabellen. Beerensträucher seien laut seiner Aussage dieses Jahr regelrecht durch die Wetterextreme abgestorben, da diese nicht tief wurzeln. Deswegen sind die Sträucher besonders empfindlich. Die Optik und Größe der Früchte geht vor allem auf natürliche Ursachen zurück. "Nach einem sehr ertragreichen Jahr gehen die geschwächten Bäume zum Selbstschutz über und wollen primär selbst überleben, anstatt viele neue Früchte zu produzieren", erklärt der Vorsitzende aus Fischbach. Es sei normal, dass es gute und schlecht Erntejahre gebe.

Die Plage mit den Schädlingen

Diese Schwankungen werden unter Kennern auch als Alternanz bezeichnet. Folglich hätten die heimischen Obstbäume ihre Äpfel, welche dieses Jahr sowieso sehr klein waren, bereits früh abgeworfen. Eine weitere Ursache für die kleinen Früchte ist laut Fischer der lange und intensive Spätfrost. Doch auch das entgegengesetzte Wetterextrem trug seinen Teil dazu bei.

"Durch die extreme Wärme und die damit verbundene Trockenheit haben selbst unsere Äpfel Sonnenbrand - sie haben eine sehr runzlige Haut", fügt der Vorsitzende des Obstvereins Theisenort, Fritz Pohl, hinzu. Dieses Problem betreffe aber nicht nur explizit Obstbäume, sondern beispielsweise auch Fichten.

Nicht nur das heiße Wetter macht den Früchten ordentlich zu schaffen. Weiterhin resultierte daraus, dass sich mehr Insekten wohl bei uns fühlten und sich ans Obst machten. Fischer ist sich sicher: "Natürlich haben wir mehr Schädlinge, die wir vorher nicht hatten!" Weniger überzeugt von der Schädlingsproblematik zeigt sich hingegen Pohl: "Bei uns wird alles biologisch angebaut, nur bei intensiver Landwirtschaft muss dagegen mit Insektiziden gegen das Problem vorgegangen werden."

"Im Moment gehen wir noch von einem natürlichen Prozess aus", erklärt Fischer bezüglich der diesjährigen Erträge, die durch die letztjährigen Rekordernten deutlich magerer ausgefallen sind. "In ein paar Jahren werden wir es natürlich besser beurteilen können, ob der Klimawandel auch daran beteiligt ist", zeigt der Fischbacher auf.

Trotz der überwiegend ernüchternden Ernteerträge und der damit verbundenen Frustration und Enttäuschung der Hobbybauern steigt trotzdem die Vorfreude auf den alljährlichen Apfelmarkt. Dieser findet jedes Jahr im Oktober auf dem LGS Gelände Kronach statt. Hier gibt es ausschließlich naturbelassene Waren, wie Nüsse, Äpfel und Honigerzeugnisse zu kaufen. Auch die lokalen Obstpressen werden vor Ort sein.

Trends verlagern sich

Wo früher die Menschen noch selbst ihr Obst anbauten, bemerkt Fritz Pohl eine Trendwende: "Viele haben lieber einen hübschen Zier- oder Steingarten, weil die Pflege von Obstbäumen zu aufwendig erscheint." Zudem würden die Menschen lieber im Discounter scheinbar makelloses Obst und Konserven kaufen, anstatt dieses selbst einzumachen. Der Theisenorter Pohl ist der Meinung, dass diese Entwicklung vor allem der Schnellebigkeit der Welt geschuldet ist. Niemand habe mehr Lust, sich in seiner Freizeit mit Gartenarbeit und Pflanzenpflege zu beschäftigen.

Im Zuge dessen appelliert Pohl: "Wenn die Bereitschaft da ist, sollten mehr Leute selbst Obst anbauen - es ist ökologisch und gesund!" Für die Zukunft bleibt also zu hoffen, dass die Tradition des Obst- und Gartenbaus weiterhin erhalten bleibt.

Obstarten

Steinobst : Obstsorten, die nur einen einzigen, großen harten Kern haben, z.B. Pfirsiche, Mirabellen

Kernobst: Obstsorten, die ein Kerngehäuse haben mit mehreren kleinen Kernen, z.B. Birnen, Äpfel

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