Kronach
Gottesdiensttest

Warum die Jakobuskirche in Fischbach angenehm aus der Zeit gefallen ist

Zwar ist die Jakobuskirche in Fischbach schon über 500 Jahre alt, die Messe ist allerdings ganz und gar nicht antiquiert.
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Die Fischbacher Jakobuskirche wurde gegen 1500 als Filiale der katholischen Pfarrei Stadtsteinach gebaut. Erst seit 1548 ist sie evangelisch. Foto: Marian Hamacher
Die Fischbacher Jakobuskirche wurde gegen 1500 als Filiale der katholischen Pfarrei Stadtsteinach gebaut. Erst seit 1548 ist sie evangelisch. Foto: Marian Hamacher

Das Urteil unseres Testers:

Ein Gottesdienstbesuch, der sich durchaus gelohnt hat. Die mehr als 500 Jahre alte Jakobuskirche versprüht einen ganz eigenen Charme. Zwar sieht man ihr das Alter an, dennoch wirkt sie nicht veraltet oder gar renovierungsbedürftig. Vielmehr versprüht sie eine angenehme Frische. Angenehm frisch war auch die Predigt, die mit fast 15 Minuten allerdings ziemlich lang ausfiel. Die Art, in der die Pfarrerin erklärte, welche Bedeutung Hirten zur Lebzeit von Jesus hatten und wie das Bild des guten Hirten heute zu interpretieren ist, machte es den Gläubigen allerdings leicht, ihren Worten zu folgen.

Weniger erfreulich sind hingegen die vielen Plätze, die in der eher kleinen Kirche leer blieben. Viele Gläubige scheinen eine Art Stammplatz zu haben, auf den sie sich setzen. Das führt dazu, dass viele auch für sich allein in einer Reihe sitzen. Vielleicht wäre es sinnvoller, die Emporen nur bei stärkerem Besuch zu öffnen, sodass die Bänke im unteren Bereich besser gefüllt sind.

Was das Alter der Kirche übrigens auch bedeutet: Ausgelegt ist sie für Menschen mit einer Körpergröße, wie sie in der Frühen Neuzeit üblich war. Wer größer als 1,90 Meter ist, sollte aufgrund der zwei hölzernen Emporen also besser den Kopf einziehen, wenn er durch die Eingangstür tritt.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Einige Gläubige dürften etwas überrascht gewesen sein: Denn als das Orgelspiel verklang, stand plötzlich ein in der Gemeinde eher unbekanntes Gesicht vor den Bankreihen. "Eigentlich bin ich Gast bei Ihnen, insofern möchte ich mich kurz vorstellen", sagte Ruth Scheil einleitend und erklärte, seit Anfang des Jahres jene Pfarrer zu vertreten, die krank oder im Urlaub sind.

Weil der Gottesdienst am sogenannten Hirtensonntag stattfand, kündigte Scheil schon einmal an, dass es in ihrer Predigt um Jesus Christus als guten Hirten gehen wird, der sein Leben für die Menschen gegeben hat.

2. Musik

Die Orgel kam bei allen Liedern zum Einsatz. Zwar war die Musik weder zu aufdringlich noch zu dezent, allerdings fühlten sich offenbar nicht alle der knapp 40 Gläubigen dazu animiert, in den Gesang einzustimmen. Was aber auch daran gelegen haben dürfte, dass sie sich in den vielen Sitzgelegenheiten etwas verloren. Neben den Sitzbänken im "Erdgeschoss" gibt es in Fischbach schließlich noch zwei Emporen, die ebenfalls genutzt wurden (siehe Ambiente).

3. Lesungen Mit ruhiger und kräftiger Stimme las ein Gemeindemitglied zunächst die Epistel aus dem ersten Brief Petrus' (zweites Kapitel) vor. Im Evangelium nach Johannes (zehntes Kapitel) kam dann erneut das Leitthema dieses Gottesdienstes zum tragen: Jesus als guter Hirte, der sein Leben für seine Schafe lässt.

Zwar schloss das Gemeindemitglied die Lesung mit den Worten "Ehre sei dir, Herr", die Antwort "Lob sei dir, Christus" gab die Gemeinde allerdings erst etwas zögerlich, nachdem die Pfarrerin den Satz anstimmte.

4. Predigt

Vermutlich lag auch Ruth Scheils Predigt ein Manuskript zugrunde - gemerkt hat man dies jedoch nicht. Die Pfarrerin schien auf der Kanzel voll in ihrem Element. Variierte mit der Lautstärke, untermalte ihre Worte mit Gesten und spannte einen Bogen vom Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) bis hin zu Beispielen aus dem Alltag der Gläubigen, welchen "Wölfen" sich Jesus in der heutigen Zeit entgegenstellt.

5. Kommunion/Abendmahl

Ein Abendmahl fand in diesem Sonntags-Gottesdienst nicht statt.

6. Segen

Nachdem ein Gemeindemitglied über die Höhe der zuletzt eingesammelten Kollekte und weitere Neuigkeiten aus dem Gemeindeleben informiert hat, spendet Scheil den Segen in klassischer Weise: "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden." Zunächst wünscht sie vom Altar aus einen "gesegneten Sonntag", kurz darauf auch noch einmal bei der persönlichen Verabschiedung am Ausgang.

7. Ambiente

Wer die Jakobuskirche betritt, atmet ab dem ersten Atemzug reichlich Geschichte ein. Errichtet wurde das Gotteshaus nämlich schon vor über 500 Jahren. Etwas jünger ist der Kirchturm, der 1660 abgerissen und neu gebaut wurde. Die Sonnenstrahlen, die durch die antiken Fenster fallen, tauchen den Altarraum in ein stimmungsvolles Licht.

Die mintgrünen Holzbänke und die hellbraunen Holzemporen verleihen der Kirche ein angenehm aus der Zeit gefallenes Ambiente. Ein Highlight ist neben der opulenten Orgel sicherlich der Barockaltar, der aus der Werkstatt des markgräflichen Hofbildhauers Elias Räntz stammt.

8. Kirchenbänke

Wie die Decke im Eingangsbereich sind auch die Kirchenbänke eher für Menschen von kleinerer Statur ausgelegt. Grün gestrichen und mit roten Sitzkissen bezogen, geben sie allerdings nicht nur ein gutes Bild ab, sondern sind auch durchaus komfortabel. Zudem machte es den Anschein, als ob aus der Rückseite der Bänke zu Beginn des Gottesdienstes warme Luft strömen würde. Angesichts der noch etwas kühleren Temperaturen sehr angenehm.

9. Beleuchtung Mit der Beleuchtung hat die Kirche sicherlich kein Problem. Auch wenn die Sonne mal einen schwächeren Tag hat, sind die Lampen immer noch hell genug, um die passende Seite im Gesangbuch finden und den Text ohne Probleme lesen zu können.

Schwieriger ist es eher, wenn es die Sonne mal zu gut meint. Durch die hohen Fenster hinter der Pastorin drang so viel Gegenlicht in die Kirche, dass der Blick auf die Kanzel mitunter etwas schwer fiel und das ein oder andere Auge zusammengekniffen werden musste.

10. Sinne

Sollen historische Stoffe verfilmt werden, erfreut sich der Landkreis Kronach bei Filmschaffenden ja inzwischen einiger Beliebtheit. Locationscouts, die auf der Suche nach einer kleinen Kirche sind, die fast schon Charisma besitzt, dürften in Fischbach fündig werden. Die Jakobuskirche vermittelt mit der braunen Holzoptik und der überschaubaren Größe Ruhe und Geborgenheit. Doch obwohl viel dunkles Holz im Einsatz ist, macht das Gotteshaus einen eher hellen Eindruck. Weil der besuchte Gottesdienst in der Zeit kurz nach Ostern stattfand, war sie durch Blumen und Kerzen noch bunt geschmückt - was für eine wohlige Atmosphäre sorgte.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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