Kronach
Gericht

Warenlager bringt Mann in Kronach vor den Kadi

Ein 48-Jähriger aus dem Landkreis Kronach muss sich wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vor dem Kronacher Schöffengericht verantworten .
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Gewerbsmäßiger Diebstahl in besonders schwerem Fall - so lautet die Anklage. Foto: Arne Dedert, spa
Gewerbsmäßiger Diebstahl in besonders schwerem Fall - so lautet die Anklage. Foto: Arne Dedert, spa

Unzählige Waren mysteriöser Herkunft, darunter Elektro- und Unterhaltungsgeräte sowie Werkzeuge, aber auch kuriose Dinge wie eine Drohne und ein Schergerät für Pferde oder ein Tiervertreiber, stapelten sich von August vergangenen bis April diesen Jahres auf dem Grundstück eines Mannes aus dem Landkreis Kronach. Der Gesamtwert: rund 14 200 Euro. Im gleichen Zeitraum war in der Gemeinde Küps 16 Mal in Garagen, Kellern, Gartenhütten aufgebrochen und in einem Getränkemarkt Gegenstände geklaut worden.

Wegen des besonders schweren Falls des gewerbsmäßigen Diebstahls muss sich seit Mittwoch der 48-jährige Sammler der Waren vor dem Kronacher Schöffengericht und Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verantworten. Vorgeführt wurde der Mann bereits aus der Justizvollzugsanstalt. Ein Urteil soll am kommenden Mittwoch gesprochen werden.

Zwei Mal Ende 2018 und danach zwei bis drei Mal monatlich soll der Arbeitslose sich Zugang zu den Lagerräumen und Bebauungen von Küpser Bürgern verschafft haben. Entwendet wurde alles, was dort gelagert war und sich transportieren ließ. Neben Sägen auch Baseballschläger, Kaffeegeschirr, Räder, Traktorunterleghölzer, Fernseher und vieles mehr.

Interessant waren für den mutmaßlichen Dieb aber auch Kleinwerkzeuge und Schrauben. Aus einem Getränkemarkt verschwanden unbemerkt 24 Flaschen Schnaps. Aus einem Einkaufsmarkt ein Warnschild "Achtung Rutschgefahr".

Erwischt wurde der Angeklagte im April als er von Polizeibeamten mit einem Bollerwagen beim Abtransport einer aufwendigen Grillausrüstung und vielen Baumaschinen erwischt worden war.

Die Geschichte vom Kumpel

Insgesamt drei Stunden ließ sich der Angeklagte im Gerichtssaal zu den Vorwürfen mit abstrusen und wirren Geschichten über die Herkunft der Ware ein. So erzählte er dem Gericht, dass er die Sachen von einem Kumpel erhalten habe, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, der dann aber plötzlich wieder vor seiner Türe stand. Dieser habe später auch bei ihm einziehen wollen, deshalb habe er die von ihm angelieferten Gegenstände immer bei ihm gelagert. Teilweise habe dieser sie in einem vollbeladenen, wie sich später herausstellte ebenfalls gestohlenen Kinderwagen bis zu ihm transportiert. Aus Gutmütigkeit habe er die Waren immer angenommen und gelagert.

Der Angeklagte beteuerte stets: "Ich weiß, es hört sich komisch an, aber es hat sich so zugetragen. Ich hätte von dem Zeug ja nichts gebrauchen können. Ich habe halt nicht darüber nachgedacht."

Seinen einstigen unkritischen Gemütszustand untermauerte er wiederholend: "Ich hatte Probleme mit meiner Oma, die war im Krankenhaus." Später sei ihm aufgefallen, dass sein Kumpel ihn in Sachen Herkunft der Ware belogen habe und er schließlich doch ahnte, dass diese gestohlen sein könnte. Er habe aber dennoch nicht nachgefragt. "Das war die Sache mit der Oma, da hat sich bei mir alles überschlagen."

Eine weitere kuriose Geschichte hatte der Angeklagte für seine Diebestour parat, bei der er von der Polizei erwischt wurde. So hätten ihn damals Fremde auf einen Warenberg in einer Nebenstraße aufmerksam gemacht. Als er dort ankam, habe er neben dem Grillzubehör auch andere brauchbare Sachen gefunden.

"Ich dachte, es ist Sperrmüll und dass ich was gebrauchen könnte. Ich bin halt ein Jäger und Sammler, ich kann an keinem Sperrmüll vorbei", bekräftigte er.

Einmal habe ihm aber auch ein Bekannter von seinem Kumpel, den er nicht leiden könne, einige Zielfernrohre einfach in den Garten geworfen und nicht mehr abgeholt.

Fünf Zeugen wurden am ersten Verhandlungstag vernommen. Ein Nachbar informierte,

dass der Angeklagte stets mit dem Rad unterwegs war. Der Warenhaufen auf dem Grundstück sei immer höher geworden. Niemals habe er aber etwas von der Anlieferung mitbekommen. "Es muss wohl nachts gewesen sein." Eine Verkäuferin des Getränkemarktes erinnerte sich, dass nach einer Inventur 24 Schnapsflaschen fehlten. Den Angeklagten habe man bei seinen Besuchen niemals beim Diebstahl beobachtet oder erwischt.

Zum nächsten Verhandlungstag soll der angebliche Lieferant der Ware, der Kumpel des Angeklagten, gehört werden. Richterin Claudia Weilmüster verlas bereits das Gutachten eines Sachverständigen. Dieser attestierte dem Angeklagten eine eingeschränkte Schuldfähigkeit, aber keine gänzliche Schuldunfähigkeit. Die Verhandlung wird fortgesetzt am 20. November um 9 Uhr.

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