Ludwigsstadt
Sagenhafte Wanderung

Wandern wie im Märchen: spukende Mütter und sagenhafte Aussichten (mit GPX-Track und digitaler Karte)

Wer auf dem Lauensteiner Märchenpfad die richtigen Abstecher macht, erlebt nicht nur eine sagenhafte, sondern auch eine zuckersüße Wanderung.
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Eine märchenhafte Wanderung mit tollem Ausblick: Nach einigen kurzen, aber kraftzehrenden Aufstiegen bietet der Märchenpfad zur Belohnung eine wunderbare Aussicht auf die Burg Lauenstein.
Eine märchenhafte Wanderung mit tollem Ausblick: Nach einigen kurzen, aber kraftzehrenden Aufstiegen bietet der Märchenpfad zur Belohnung eine wunderbare Aussicht auf die Burg Lauenstein.
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Bei Stufe 101 setzt der Schmerz ein. Ein sanftes Brennen in den Oberschenkeln und plötzlich wiegen die ohnehin schon schweren Wanderschuhe doppelt so viel wie noch am Fuß der Treppe. Doch der Blick nach oben stimmt optimistisch: Die letzten 16 Stufen sind auch noch zu schaffen - vor allem bei dem Gedanken daran, welche Belohnung in 26,5 Metern Höhe wartet. Denn auf der Aussichtsfläche der Thüringer Warte angekommen, liegt Gipfelstürmern der Frankenwald zu Füßen. Wanderführerin Manja Hünlein liefert einen Vorgeschmack auf die vielfältige Naturlandschaft rund um den Lauensteiner Märchenpfad, den die Gruppe drei Stunden entlangstapfen wird.

"Auf diesem Weg wird uns niemand begegnen." Das stellt Hünlein schon nach den ersten paar Metern klar. Und tatsächlich: Keine Menschenseele ist auf dem schmalen Trampelpfad zu sehen. Dafür ein Anstieg, der es in sich hat. Glücklicherweise legt Försterin Melanie Schwarzmeier immer dann einen Stopp ein, um eine Sage zu erzählen, wenn es in den Schenkeln wieder zu ziepen beginnt. Dann lauscht die Gruppe Schwarzmeiers Flötenspiel und versucht angestrengt, ihre sanfte Märchenstimme nicht mit dem eigenen Schnaufen zu übertönen.

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Auf dem Märchenpfad rund um Lauenstein im Landkreis Kronach hat so ziemlich jeder Baum eine Geschichte. Da wäre die amerikanische Douglasie, die jeden Tag voller Mutterstolz ihre Zapfen zählt. Oder die Lärche, der ein Baumgeist einst ein goldfarbenes Nadelkleid für den Winter schenkte. Doch die Stationen des Märchenpfades richten sich nicht nur an Kinder: Auch größeren Wanderern dienen sie als Eselsbrücken, um Baumarten anhand von Blattform oder Rinde zu unterscheiden.

Nach dem ersten steilen Anstieg werden Weg und Atmung wieder flacher. Ein Moment der Ruhe ist auch nötig, um in der "Lauschecke" die Akustik des Frankenwalds auf sich wirken zu lassen. "Hier hört man nur Natur", sagt Schwarzmeier. "Wir sind weit genug weg von allen menschlichen Geräuschen." Hündin Maggie fiept zustimmend und in der Nähe plätschert Wasser. Kaum am Teich angekommen, bricht die Sonne das erste Mal an diesem Tag durch die Wolkendecke. Der Teich mitten im Wald habe einst nicht nur der Burg als Wasserlieferant, sondern auch den Lauensteinern als Bademöglichkeit gedient. Ein besonders dicker Baumstamm fungierte dabei als Sichtschutz und "Umkleidekabine".

Eine Aussicht zum Gruseln: Die weiße Frau von Lauenstein

Nach einem Abstecher über Streuobstwiesen und einem langgezogenen Anstieg wird die Gruppe mit einer wahren Postkartenlandschaft überrascht: Umgeben von tannengrünen Baumwipfeln und saftigen Wiesen liegt die Burg Lauenstein im Tal, die Sonne glitzert über die dunklen Turmspitzen. Eine märchenhafte Aussicht für eine schaurige Sage, denn hier oben erzählt Schwarzmeier die blutige Lebensgeschichte der Kindsmörderin Katharina von Orlamünde, die als Weiße Frau in Lauenstein spuken soll.

Mit einer leichten Gänsehaut geht es vorbei an hölzernen Waldinstrumenten und über moosigen Waldboden. "Normalerweise gibt es hier ein richtig dickes Moosbett", erzählt Schwarzmeier. "Aber weil es solange trocken war, ist es zusammengeschrumpft." Auch der restlichen Natur tut die Trockenheit nicht gut: Die Nadelbäume könnten nicht genügend Harz produzieren, um sich gegen Borkenkäfer zu wehren, erklärt Hünlein. Das große Krabbeln ist für den Frankenwald mittlerweile zum noch größeren Umweltproblem geworden. Da es sich aber um einen Natur- und nicht um einen Nationalpark handelt, sei ein gemäßigtes Eingreifen möglich. Beschädigte Bäume dürfen beispielsweise herausgenommen werden. So wie im letzten Stück der Märchen-Etappe, die über einen verschlungenen Waldweg und an etlichen gefällten Stämmen vorbeiführt.

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Der Märchenpfad ist zwar nur 5,8 Kilometer lang, wer dabei dennoch vom rechten Weg abkommt, kann sich an Schwarzmeiers kulinarische Survival-Tipps halten: Zartgrüne Buchenblätter gehen demnach fast als Spinat durch. Und die frischen Spitzen der Fichte schmecken mit etwas Schokolade angeblich wie ein Blättchen After-Eight. In den Schokobrunnen der Confiserie Burg Lauenstein sollten Wanderer die Zweige dennoch nicht halten - das könnte nämlich nadeln.

Sieben sagenhafte Stationen und Geschichten auf dem Lauensteiner Märchenpfad:

Die Burg Lauenstein

Mindestens genauso bekannt wie die Lauensteiner Pralinen, aber nicht aus Schokolade: Die Burg Lauenstein stammt aus dem 12. Jahrhundert und war einst Sitz der Orlamünder. Sie wird übrigens auch gerne als romantische Hochzeitskulisse gebucht.

Das Jugendwaldheim

Dieses Schullandheim bietet besonders viel Frischluft: Lehrer, die ihre Klassen für eine Woche im Lauensteiner Jugendwaldheim anmelden, ersparen sich die Arbeit, selbst ein Programm auf die Beine stellen zu müssen - das übernehmen die Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach. Waldspaziergänge und Erkundungstouren sind für die Schüler allerdings Pflicht.

Der Lutherweg

Dreimal war Martin Luther auf den Wanderwegen rund um Ludwigsstadt unterwegs. Im Jahr 1530 predigte der Reformator sogar in Lehesten (Probstzella). Der Lutherweg ist in den Märchenpfad integriert - das erleichtert die Instandhaltung der Strecke. "Es geht darum, bereits bestehende Wege zu nutzen", erklärt Manja Hünlein. "Auch wenn Luther eigentlich drei Meter versetzt gelaufen ist."

Das Köchinnengrab

Die Weiße Frau ist nicht die einzige spukende Mutter in den Sagen des Frankenwalds: Eine junge Köchin soll einst ihr Kind bei lebendigem Leib am Grenzstein zu Gräfenthal begraben haben. Zur Vergeltung stießen ihr die Lauensteiner einen glühenden Pfahl mitten durchs Herz. Mancher Wanderer will schon beobachtet haben, wie ihr Geist den Boden nach dem toten Kind durchwühlt.

Die Thüringer Warte

117 Stufen müssen schnaufend erklommen werden, bevor Wanderer ihren Blick über den Naturpark Frankenwald samt Grünem Band schweifen lassen können. Anders als sein Name vermuten lässt, steht der 1963 errichtete Aussichtsturm auf dem Ratzenberg und damit (noch) in Oberfranken. Die Thüringer Warte ist für Besucher täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Die Waldinstrumente

Mittlerweile klingen sie etwas schief: Seit etwa fünf Jahren stehen das hölzerne Xylophon und Dendrophon am Märchenpfad. Entstanden sind sie als Projekt des Jugendwaldheims. 2020 sollen die Instrumente sowie die einzelnen Infotafeln erneuert werden - der wegweisende Wichtel bleibt aber.

Das Lindenblatt

Eine besonders herzige Geschichte erzählte Försterin Melanie Schwarzmeier unter dem zartgrünen Blätterdach einer großen Linde: Ein junger Mann soll von einer ebensolchen aus seine Angebetete angeschmachtet haben. War sie außer Sichtweite und ihm langweilig, schnibbelte der Verliebte zum Zeitvertreib am Baum herum. So kam die Linde zu ihren herzförmigen Blättern.

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Nach der Wanderung ist vor dem Museumsbesuch: Schiefertradition in "Ludsch"

Auf vier Stockwerken zeigt das Schiefermuseum alles Wissenswerte rund um das historische Handwerk, das die Stadt Ludwigsstadt prägte: von der Verarbeitung des Materials bis zu den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten (beispielsweise zur Verkleidung von Häuserfassaden). Zu den Hoch-Zeiten der Produktion wurden in den Ludwigsstädter Werken rund zwei Millionen Tafeln pro Woche angefertigt. Besucher können auch auf der Schulbank Platz nehmen und das Schreiben auf den Schiefertafeln üben. Das Museum hat von Dienstag bis Samstag jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Die digitale Route

Die Koordinaten des Weges gibt's hier im GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden.

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