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Wallenfels: Warum ein Staubecken gleich zwei Probleme lösen könnte

Hochwasserschutz und ideale Pegel für die Flößer: Löst ein Rückstaubecken gleich zwei Probleme in Wallenfels? Antwort soll eine Studie geben. Die Untersuchungen starten bald.
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Eine Million Euro steht der Stadt Wallenfels ab 2020 zur Verfügung, um den Besuchern der Floßfahrten beim Start in Schnappenhammer zukünftig mehr  zusätzliche Angebote machen zu können. Foto: Archiv/Gerd Fleischmann
Eine Million Euro steht der Stadt Wallenfels ab 2020 zur Verfügung, um den Besuchern der Floßfahrten beim Start in Schnappenhammer zukünftig mehr zusätzliche Angebote machen zu können. Foto: Archiv/Gerd Fleischmann

Bislang spielt das Wetter mit. Tropfen für Tropfen haben die heftigen Regenschauer der vergangenen Tage und Wochen die Flüsse im Landkreis gefüllt. Was dafür gesorgt haben dürfte, dass die Vorfreude der Wallenfelser Flößer mit jedem Zentimeter zunahm, den der Pegelstand der Wilden Rodach anstieg. Aber dass aufs Wetter nur bedingt Verlass ist, hat den Flößern einmal mehr die vergangene Saison bewiesen. Von 15 geplanten Floß-Tagen mussten acht wegen des zu geringen Pegelstandes abgesagt werden. Der Rekord-Sommer hatte ganze Arbeit geleistet - und der Stadt ordentlich Geld gekostet.

250 000 Euro seien der regionalen Wirtschaft wegen der vielen Absagen durch die Lappen gegangen, schätzte Bürgermeister Jens Korn vergangenen Herbst. Bereits damals hatte man angekündigt, zeitnah eine Lösung zur Sicherung der Flößerei in Wallenfels zu finden. Ob ein Staubecken in Wallenfels realisierbar ist, soll eine Studie klären. Grünes Licht gab es jetzt für die Finanzierung. Die Untersuchungen sollen noch in diesem Jahr starten.

Zur Floßsaison könnte aus einem solchen Rückstaubecken jenes fehlende Wasser entnommen werden, von dem es in den Wintermonaten wegen Schmelz- oder Hochwassers genügend gibt. Das erklärten Korn, der Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner und Landrat Klaus Löffler (alle CSU) im September 2018 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Finanzierung einer entsprechenden Machbarkeitsstudie hatte die Staatsregierung zuvor zugesagt (wir berichteten). Unter anderem solle die Studie klären, wo genau ein solches Becken einmal gebaut werden könnte.

Über 100 Jahre alte Anlagen

Denn so einfach, wie es klingt, ist das offenbar nicht. "Das Tal der Wilden Rodach und auch die Seitentäler sind alle naturschutzrechtlich so gesichert, dass man da nicht ohne Weiteres bauen kann", erklärt Matthias Schrepfermann vom Wasserwirtschaftsamt Kronach. Seine Abteilung beantragte die Gelder für die Studie und ist auch dafür verantwortlich, die vorgesehenen Untersuchungen auszuschreiben.

250 000 Euro stehen für das Projekt zur Verfügung. Das Wort Flößerei taucht in den Unterlagen allerdings nicht auf. In erster Linie geht es darum, von einem Ingenieurbüro prüfen zu lassen, wie es um die Hochwasserschutzanlagen bei Wallenfels bestellt ist. Und das scheint bitternötig. "Teilweise stammen die aus dem Jahr 1915", sagt Schrepfermann. Er vermutet, dass lediglich noch jene in den 90er Jahren errichteten Anlagen dem derzeitigen Stand der Technik entsprechen dürften.

Angenehmer Nebeneffekt

Letztlich sei es wie bei einem Arzt, erklärt Schrepfermann: "Der macht auch erst die Diagnose und beginnt dann die Therapie." Um im Bild zu bleiben, sucht das Wasserwirtschaftsamt nun erst einmal nach einem Arzt - also ein Ingenieurbüro - das die Situation bewertet. Zu prüfen gilt es, ob eine mögliche Lösung nicht der Bau eines Rückstaubeckens sein könnte. Sollte so gut vor Hochwasser geschützt werden können, gäbe es den angenehmen Nebeneffekt, dass die Flößer endlich sicher ihre Saison planen können.

Und wenn die Studie ergibt, dass ein Staubecken nicht wirtschaftlich genug ist? Diese Sorge will Korn gleich zerstreuen. "Wir verstehen die Machbarkeitsstudie schon so, dass am Ende eine Lösung herauskommt, die die Zukunft der Flößerei sichert", betont der Bürgermeister. "Das ist das ganz klare Ziel dieser Studie."

"Sind noch ganz am Anfang"

Während das Wasserwirtschaftsamt logischerweise erst die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten muss, ehe konkrete Projekte geplant werden können, darf Wallenfels bei einem anderen Vorhaben schon genauer in die Planungen einsteigen. Eine Million Euro erhält die Stadt ab 2020 von der Staatsregierung, um die Situation am Start in Schnappenhammer zu verbessern. "Da sind wir aber noch ganz am Anfang", erzählt Korn. "Wir haben bislang nur Ideen und müssen jetzt mal sehen, wie wir die umsetzen."

Im Kern gehe es darum, den Besuchern der Floßfahrten einen Anlaufpunkt zu bieten. Dort sollen sich die Touristen nicht nur ganzjährig über die Flößerei informieren können, es soll auch die Einteilung auf die Flöße erfolgen. "Bislang musste man ja schon eine Stunde vor dem Start oben sein, und wenn man seinen Platz zugewiesen bekommen hatte, konnte man sich eigentlich nur aufs Floß setzen und warten", sagt der Wallenfelser Bürgermeister. Wichtig sei es auch, endlich festinstallierte Toilettenanlagen anbieten zu können.

Eine erste kleine Verbesserung gebe es mit einem Getränkewagen bereits. "Wir hoffen, dass wir 2020 dann soweit sind, sagen zu können, für welche Variante wir uns entschieden haben."

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