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Gesundheit

Wallenfels: Warum dem Arzt eine Ampel hilft

Wie die Zukunft der Gesundheitsvorsorge aussehen könnte, wurde nun in Wallenfels demonstriert: Aus der Flößergemeinde kamen einige innovative Ideen, wie die Digitalisierung einige derzeit herrschenden Probleme lösen kann.
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Cornelia Thron, die Vorsitzende des Caritas-Kreisverbands, stellte das Projekt "Gesundheitsversorgung 4.0" zusammen mit Staatsminister Albert Füracker, MdL Jürgen Baumgärtner und dem Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (von links) vor. Foto: Michael Wunder
Cornelia Thron, die Vorsitzende des Caritas-Kreisverbands, stellte das Projekt "Gesundheitsversorgung 4.0" zusammen mit Staatsminister Albert Füracker, MdL Jürgen Baumgärtner und dem Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (von links) vor. Foto: Michael Wunder

Der Verein Oberfranken Offensiv führt seit zwei Jahren das vom bayerischen Finanzministerium geförderte Projekt "Gesellschaft 4.0: Digitales Land - Digitale Kommune" durch. Dabei kamen von der Stadt Wallenfels im Rahmen des offenen Wettbewerbs innovative Ideen mit telemedizinischen Pojekten. Man erweckte damit so viel Interesse, dass auch der Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat Albert Füracker (CSU) vor Ort ins Caritas-Altenheim nach Wallenfels kam. Dessen Ministerium hatte das 411 000 Euro teure Projekt mit 300 000 Euro unterstützt.

"Wir werden das Vorbild dafür sein, wie Pflege in der Zukunft aussieht", versprach Cornelia Thron, die Vorsitzende des Caritas-Kreisverbandes Kronach. Sie sprach weitere Projekte an, die für eine bessere medizinische Versorgung und bereits in ihrer "Schublade" liegen sollen.

Im Rahmen der von den Vereinen "e2-health" und "Telemedizin Oberfranken" für die Stadt Wallenfels eingereichten Projektidee und des Konzeptes der "Gesundheitsregion plus" des Landkreises Wunsiedel im Fichtelgebirge, wird derzeit das Projekt "Gesundheitsversorgung 4.0" realisiert.

Online-Sprechstunde

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Hauptziel des Projektes ist es mit Hilfe der Digitalisierung in ländlichen Räumen wie Oberfranken einen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinmedizinischen und hausärztlichen Versorgung von Patienten - vor allem in der Pflege - zu leisten.

Beide von einer Jury ausgewählten Kommunen sind Ideengeber und Modellregionen der Online-Sprechstunde, die es in der beschriebenen Art, mit Datenzugriff auf die vorhandene digitale Pflegeakte und ergänzender Videokonsultation, bisher noch nicht gibt.

Die geplante telemedizinische Anwendung wurde in Wallenfels vor allem für das Alten- und Pflegeheim "St. Elisabeth" des Caritasverbandes modellhaft entwickelt. Kernstück ist eine Software vom fränkischen Softwareunternehmen "Awesome Technologies Innovationslabor" zum besseren Austausch zwischen Arzt und Altenheim, wobei der persönliche und unmittelbare Kontakt zwischen Arzt und Patienten auch in Zukunft unverzichtbar ist.

Dank der Online-Sprechstunde müssen Hausarzt und Patient im Pflegeheim künftig aber nicht mehr in jedem Fall persönlich zur ärztlichen Besprechung vor Ort sein.

Beim Besuch des Staatsministers führten die Verantwortlichen unter Anleitung von Matthias Fischer, dem Projektleiter von "Oberfranken Offensiv", im Pflegeheim eine Live-Simulation vor. Dabei kann das Pflegepersonal in der neuen digitalen Anwendung in der digitalen Pflegeakte eine Nachricht über den Gesundheitszustand erstellen und verschlüsselt an den betreuenden Hausarzt übermitteln.

Datenzugriff auch unterwegs

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Dieser empfängt die Meldung in seiner Praxis am Rechner oder auf seinem Smartphone per Push-Meldung. Das Lesen der Meldung wird dann dem Pfleger und Patienten signalisiert.

Um die Dringlichkeit der Meldung für den Arzt zu kennzeichnen, gibt die Pflegekraft im Rahmen eines ampelähnlichen Farbsystems diese bereits an. Durch diese Farbkennzeichnung kann der Hausarzt die Meldungen priorisieren und entsprechend in seinen Praxisablauf integrieren.

Eine rote Meldung bedeutet beispielsweise, dass der Arzt zeitnah, möglichst am gleichen Tag, Kontakt mit dem Patienten aufnimmt, während die niedrigste Stufe ein bis zwei Tage Zeit hätte. Gleichzeitig kann der Arzt online jederzeit in einem gesicherten Netz auf ausgewählte Daten der digitalen Pflegeakte zugreifen.

Nach Auswertung dieser Daten und mit den eigenen vorhandenen Patientenakten in der Praxis hat der Arzt nun mehrere Möglichkeiten: Er kann in der neuen Anwendung eine eigene Meldung als Rückantwort an den Patienten und die Pflegekraft zurücksenden, die weitere Anweisungen oder Nachfragen enthält. Eventuell entscheidet sich der Arzt dazu, seinen Patienten einen Hausbesuch abzustatten und dann seine weitere Behandlung anzupassen.

Sollte ein Hausbesuch nicht unbedingt notwendig sein, aber doch ein persönliches Gespräch vom Patienten und Arzt, kann dies dann per Videosprechstunde bewerkstelligt werden.

Durch die Möglichkeit des visuellen und akustischen Kontaktes mit den Patienten und dem Pflegepersonal per Videosprechstunde können die behandelnden Ärzte dann Verlaufskontrollen und Behandlungen durchführen. Dabei kann über die neue digitale Anwendung auch der Termin vereinbart werden.

Fabiola Maier von der Pflegedienstleitung sah einen großen Vorteil im System auch für das Pflegepersonal, welches sich damit auch rechtlich besser absichern kann.

Hausarzt Ulrich Voit, der in Wallenfels eine Landarztpraxis betreibt, sprach von einem spannenden Projekt, welches den Informationsfluss und die Dokumentation erleichtere.

Aktiv mitgestalten

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Bürgermeister Jens Korn, der die Veranstaltung moderierte, meinte, dass man den Menschen die Angst vor der Telemedizin nehmen muss. "Wir gestalten die Digitalisierung im Gesundheitswesen aktiv mit und können eine Brücke zwischen Pflegeeinrichtungen und Hausärzten schlagen", sagte der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn (CSU). Die Stadt sei deshalb für Innovationen aufgeschlossen und leiste auch gerne einen finanziellen Beitrag.

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