Kronach
Stellungnahme

Vorwürfe gegenüber der Frankenwaldklinik

In einem Schreiben, das sämtliche Ärzte im Kreis erhalten haben, werden Vorwürfe gegenüber der Frankenwaldklinik erhoben. Dabei geht es insbesondere um den Weggang von Chefarzt Seipel. Verwaltungsleiter André Naumann nimmt Stellung.
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Die Frankenwaldklinik kommt derzeit nicht aus den Schlagzeilen. Foto: Jan Koch
Die Frankenwaldklinik kommt derzeit nicht aus den Schlagzeilen. Foto: Jan Koch
"Die Frankenwaldklinik braucht Ruhe", hat Uwe Fleischmann, Vorsitzender des Kreisärzteverbandes, am Freitag gesagt, als bekannt wurde, dass die Rhön Klinik AG auch die Frankenwaldklinik an Fresenius Helios verkauft.

Und trotzdem kommt die Klinik aus den Schlagzeilen nicht heraus. Derzeit ist ein Brief eines anonymen Absenders bei den niedergelassenen Ärzten im Umlauf, in dem schwere Vorwürfe gegenüber der Verwaltung der Frankenwaldklinik erhoben werden - insbesondere in Zusammenhang mit dem Weggang des gastroenterologischen Chefarztes Rolf Seipel.

Verwaltungsleiter André Naumann nimmt zu dem Brief, der ihm ebenfalls vorliegt, Stellung. "Wir bedauern es sehr, dass der anonyme Absender sich nicht zuerst mit seinen Bedenken und Annahmen an uns direkt gewandt hat. In einem gemeinsamen Gespräch hätten sicherlich seine Bedenken und schlichtweg falsche Behauptungen diskutiert und aus dem Weg geräumt werden können. Schließlich setzt die Frankenwaldklinik auf ein Miteinander in der Region und nicht auf ein Gegeneinander", sagt Naumann zunächst. Dann geht er auf die nachfolgenden Vorwürfe ein:

1. Es waren keine übermäßigen Gehaltsforderungen, keine familiären Gründe oder neue Karriereziele, die Rolf Seipel zum Weggang veranlasst haben, heißt es in dem Brief.
Wie bereits im August kommuniziert, haben sich Dr. Seipel und die Frankenwaldklinik nach intensiven und vertrauensvollen Gesprächen entschieden, in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Die Frankenwaldklinik plant im Bereich Innere Medizin Umstrukturierungen. Auf Grund dieser Neuausrichtung hat sich Dr. Seipel zu einer beruflichen Veränderung entschlossen.

2. Rolf Seipel hat selbst einmal geäußert, dass er gehen wird, wenn er mehr als 50 Prozent seiner Arbeitszeit damit verbringen muss, sich für seine Arbeit und seine Entscheidungen in Sitzungen und in E-Mail-Korrespondenzen mit der Verwaltung zu rechtfertigen. Diese 50-Prozent-Grenze ist jetzt offensichtlich überschritten worden.
Den Vorwurf bezüglich des Verwaltungsaufwandes und der Rechtfertigung können wir nicht nachvollziehen. Tatsächlich müssen sich Chefärzte bezüglich Liegezeiten und ihrem Entlassungsmanagement rechtfertigen bzw. dieses dokumentieren - jedoch ist dies nicht durch die Verwaltung gefordert, sondern hier handelt es sich ausschließlich um gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen des Medizinischen Dienstes. Diese Prüfungen werden durch die Krankenkassen regelmäßig beauftragt. Die Frankenwaldklinik hat darauf leider keinen Einfluss. Dem MDK-Prüfarzt muss die Behandlungsbedürftigkeit nachgewiesen werden. Das etablierte Prüfverfahren trifft alle Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland.

3. In dem Schreiben heißt es weiter, derartige Probleme hätten sich mit etwas Entgegenkommen der Verwaltung leicht lösen lassen. Zum Beispiel durch eine bessere fachärztliche und pflegerische Besetzung auf der Station von Chefarzt Rolf Seipel. So hätte man ihn von pflegerisch aufwendigen und lange liegenden Patienten durch eine Infektionsstation entlasten können.
Die angesprochene Infektionsstation mit entsprechendem Personal ist bereits seit Jahren etabliert (Station 7). Es wurde sogar eine Stationssekretärin eingestellt, die die dort tätigen Ärzte bei zwingend notwendigen Verwaltungsaufgaben (Dokumentation, MDK-Anfragen, Briefverkehr) entlastet. Das genaue Gegenteil der Behauptung ist somit der Fall.

4. Im Gefolge der Kündigung von Chefarzt Seipel haben zwei weitere Oberärztinnen seiner Abteilung gekündigt.
Die erwähnte Kündigung zweier Oberärzte entspricht ebenfalls nicht den Tatsachen. Zum einen wird lediglich eine Oberärztin unser Haus verlassen, zum anderen ist dies nicht die Konsequenz aus dem Weggang von Herrn Dr. Seipel. Vielmehr hat sie eine heimatnahe Stelle angeboten bekommen und diese angenommen. In jenem Schreiben wird auch die angeblich hohe Fluktuation bei unserer Ärzteschaft angeprangert. Ein Krankenhaus ist kein starres System. Vielmehr bewegt und verändert es sich beständig. Dazu gehört auch ein gewisser personeller Wandel. Die Personalfluktuation der vergangenen Jahre in der Frankenwaldklinik ist im Vergleich zu anderen Krankenhäusern nicht außergewöhnlich. Sie gehört einfach zum Krankenhausalltag dazu. Es ist uns wichtig, Mitarbeiter an unser Haus zu binden und so Kontinuität herzustellen. Doch bedingen personelle Karriereplanungen und sich wandelnde Gegebenheiten manchmal eine Veränderung. So haben die meisten der Ärzte, die in den vergangenen Jahren unser Haus verlassen haben, ein für ihre weitere Karriere attraktives Angebot erhalten oder wechselten im Rahmen der Facharztweiterbildung.

5. In der Unfallchirurgie braut sich angeblich ein ähnliches Personalgewitter zusammen, heißt es in dem Schreiben.
Von einem Personalgewitter in der Unfallchirurgie ist uns auch nach kürzlich erfolgten persönlichen Gesprächen mit dem Chefarzt der Abteilung nichts bekannt.

Chefarzt Rolf Seipel wollte sich zu dem Brief nicht äußern, verwies auf die Verwaltung.
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