Nordhalben
Vortrag

Von Vertreibung und Neuanfang

Die Ortsgruppe des Frankenwaldvereins erinnerte im Altvaterturm an die schwere Zeit nach dem Krieg.
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Norbert Neugebauer (links) und Willi Rimpl vom Altvaterturmverein sprachen zum Thema Heimatvertriebene im Rahmen eines Themennachmittags der Nordhalbener Ortsgruppe des Frankenwaldvereins im Altvaterturm.  Foto: Ingrid Neugebauer
Norbert Neugebauer (links) und Willi Rimpl vom Altvaterturmverein sprachen zum Thema Heimatvertriebene im Rahmen eines Themennachmittags der Nordhalbener Ortsgruppe des Frankenwaldvereins im Altvaterturm. Foto: Ingrid Neugebauer
Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte für Millionen Deutsche die Vertreibung aus ihrer alten Heimat im Osten und spülte sie in das besetzte Deutschland. 600 von ihnen, vorwiegend aus dem heutigen Tschechien und Polen, kamen ab 1945 nach Nordhalben. Für viele nur eine Durchgangsstation, aber auch für eine beachtliche Anzahl von Familien der Ort für einen Neubeginn.
70 Jahre danach erinnerte die Ortsgruppe des Frankenwaldvereins (FWV) im nahen Altvaterturm auf dem Wetzstein bei Lehesten mit verbliebenen Zeitzeugen an diese schwere Zeit. Norbert Neugebauer, dessen Vater selbst Schlesier war, hatte dazu Gespräche mit verschiedenen Betroffenen geführt. Mit denjenigen, die vertrieben wurden; aber auch versucht, herauszufinden, wie es für die war, die sie zwangsweise aufnehmen mussten.
In der Anmoderation nannte er zahlreiche Namen, die ein jüngerer Einheimischer wohl kaum mehr als "fremd" empfinden wird, und die längst in den Nordhalbener Familien und in der Gemeinschaft integriert sind. Auf einer Karte hatte er eingezeichnet, woher sie kamen, die weitesten aus Siebenbürgen, aus Ostpreußen und aus dem Banat.


Viele der Interviewten waren da

Verschiedene Heimatvertriebene, damals noch Kinder, hatten Neugebauer von ihrem langen harten Weg in den Westen mit Sammellagern, nächtelangen Transporten in Viehtransporten und Bomberangriffen erzählt. Wo und wie sie aufgenommen wurden und wie dann Nordhalben zur neuen Heimat wurde. "Das ist uns bisher gar nicht so bewusst gewesen", sagten selbst ältere Zuhörer.
Die meisten der Interviewten waren anwesend. Nachdem sie zwischenzeitlich auch ihre Geburtsorte besucht hatten, schilderten sie ihre Gefühle beim Wiedersehen mit ihren Familien-Häusern und sogar Bekannten aus Kindheitstagen. Im Rahmen verschiedener Fahrten hatte die Ortsgruppe des FWV diese Regionen schon besucht und so konnte der Vortragende auch alte und neue Bilder zum Gesagten zeigen. Über den Altvaterturm als Gedenk- und Versöhnungsstätte informierte eingangs "Turmwart" Willi Rimpl die Gäste aus Nordhalben, die sich nach dem Vortrag dort umsehen konnten. Die klare 360-Grad-Rundumsicht lohnte dann den Aufstieg bis auf das Dach. Ein Teil der Zuhörer hatte zuvor den früheren Arbeitsweg der Nordhalbener Schieferarbeiter nach Lehesten zu Fuß absolviert und war wohlbehalten nach knapp drei Stunden eingetroffen.
In Nordhalben sind kaum Zeugnisse der Heimatvertriebenen zu finden, außer den Grabsteinen, stellte Neugebauer am Ende des Vortrags fest. Nun wird zumindest sein Vortrag im Archiv des Ortsmuseums der Nachwelt von den leidgeprüften Neubürgern und ihren unfreiwilligen Gastgebern erzählen. nn

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