Tettau
Schülerverkehr

Von Tettau in die Schule nach Kronach: "Es fehlt immer eine Stunde" - Ist Thüringen eine Alternative?

Drei Familien, drei Geschichten: Aus der Marktgemeinde Tettau pendeln Schüler traditionell sehr lange nach Kronach - oder seit Neuestem nach Thüringen.
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Emil Ebertsch wartet in Kronach auf den Zug nach  Hause. Foto: Andreas Schmitt
Emil Ebertsch wartet in Kronach auf den Zug nach Hause. Foto: Andreas Schmitt
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"Mir gefällt es in Kronach, meine ganzen Kollegen sind dort", sagt Emil Ebertsch. Der 14-Jährige aus Kleintettau geht in die Maximilian-von-Welsch-Realschule. Er pendelt gerne in die Kreisstadt - trotz der 75 Minuten zwischen Haustür und Unterrichtsstart.

Um 6.27 Uhr geht die Fahrt des Schülers an der Bushaltestelle bei der Firma Heinz los. Gut zehn Minuten dauert die Fahrt zum Bahnhof Steinbach am Wald, wo um 6.46 Uhr - meist sehr pünktlich - der Zug nach Kronach hält. "Manche Busfahrer lassen uns im Bus warten, andere nicht", berichtet Emil.

Bis zu 15 Minuten Wartezeit

Um 7.07 Uhr ist er in Kronach. Dort steigt er in einen weiteren Zug, der ihn zur Schule bringt. Um 7.30 Uhr ist er da, um 7.40 Uhr geht es los. Den Rückweg tritt Emil um kurz nach 13 Uhr am Kronacher Bahnhof an. "Das Blödeste ist das Warten in Steinbach", sagt der Schüler über die zehn bis 15 Minuten zwischen Zug und Bus. Hat er Nachmittagsunterricht, dauert der Umstieg länger. "Meistens lasse ich mich in Steinbach abholen", sagt Emil. Zwar gebe es ab Pressig einen Bus mit besserer Umstiegszeit. "Aber der fährt über die Dörfer. Das mag ich nicht. Das dauert eine halbe Stunde länger."

Oma oder Opa werden gebraucht

Emils Mutter Annette Ebertsch versteht ihren Sohn. "Ich war selbst Schulpendlerin nach Kronach. Seitdem ist es nicht besser geworden. Es fehlt immer eine Stunde." Das Wichtigste sei ein besserer Anschluss der Buslinien. "Man braucht sonst immer Opa und Oma am Bahnhof."

Ebenfalls Mutter einer Schulpendlerin aus der Marktgemeinde Tettau ist Jessica Steiner aus Schauberg. Die Reise von Tochter Lena (15) endet am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Um 6.25 Uhr fährt bei ihr der Bus vor, in Pressig steigt sie in den Zug. "Das klappt alles soweit", sagt Jessica Steiner.

Problematisch aber wird es auch in Richtung Schauberg nach dem Nachmittagsunterricht: Dann steht Lena nicht selten zusammen mit Schwester Laura (14), die in Pressig die Mittelschule besucht, am Bahnhof. Jessica Steiner: "Grundsätzlich fahren Busse, aber manchmal gibt es Zeitfenster von eineinhalb Stunden, in denen sich nichts tut."

Schwestern in Thüringen

"Ich bereue die Entscheidung nicht. Es ist ein Vorteil, wenn der Bus aus dem Ort direkt vor die Schule fährt", sagt Dagmar Stauch. Auch die 49-jährige Tettauerin war Schulpendlerin nach Kronach. "Die Verbindung von Steinbach war oft nicht gewährleistet", nennt sie ein Problem, das ihre Töchter Linda (15) und Paula (13) nicht kennen.

Sie gehen im thüringischen Neuhaus am Rennweg aufs Gymnasium. 18 Kilometer sind es von Tettau dorthin - etwa 17 weniger als nach Kronach. Um 6.45 Uhr werden die Schwestern von einem Bus, der auch die Schichtler der Glasfabriken nach Tettau bringt, am Marktplatz abgeholt. Um 7.30 Uhr werden sie direkt vor der Schule absetzt. Jeden Tag können sie fast 30 Minuten länger schlafen als Pendler nach Kronach. Und auch heimwärts ist die Verkehrsanbindung praktisch. "Wenn sie Nachmittagsunterricht haben, muss ich sie in Spechtsbrunn holen", sagt Dagmar Stauch. Dorthin sind es gerade mal vier Kilometer.

Der Pendelweg war das wichtigste Kriterium pro Thüringen, andere kamen dazu. "Bekannte waren schon da. Und in Kronach werden wir vom Oberland ein wenig wie Hinterwäldler behandelt. In Thüringen nicht."

Für die Familien Ebertsch und Steiner ist Thüringen aber keine Option. "Wenn die Ferienzeiten angeglichen wären, dann wäre es eine", sagt Annette Ebertsch. So aber hätten die Kinder nicht mit Geschwistern und Freunden Urlaub. "Da kannst du nie wegfahren und verlierst auch den Anschluss im Ort." Ähnlich denkt Jessica Steiner. "Getrennte Ferien der Geschwister geht gar nicht."

Am System, so lange wie möglich mit dem Zug zu fahren, wollen die Pendel-Mütter nicht rütteln - und widersprechen Befürwortern eines Direktbusses. "Wir sollten am Zug bleiben. Da können die Kinder besser lernen. Mit dem Bus ist dir eher schlecht nach den vielen Kurven", findet Annette Ebertsch.

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