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Kronach
Geschichte

Von der Rußhütte zur Rußmühle

Wo Holzkohle zur Eisengewinnung erzeugt, Ruß für Holzkohlestifte hergestellt und wo die Wasserkraft der Rodach genutzt wurde, um zwei Sägewerke zu betreiben, erinnert heute nur noch der Name an die einstige Bestimmung.
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In der Rußmühle nutzte man die Wasserkraft der Rodach. Foto: Stadtarchiv Kronach
In der Rußmühle nutzte man die Wasserkraft der Rodach. Foto: Stadtarchiv Kronach
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Wer am Ende des Flößgrundes zwischen Unterrodach und dem Zusammenfluss von Haßlach, Kronach und Rodach bis oberhalb der Zollschere am Südrand des Industriegebietes von Kronach her wandert, begegnet einer Mühle nach der anderen. Es sind wohl deren acht auf kurzer Strecke. Sie alle wollten das Gefälle des ansehnlichen Wassers der Rodach nutzen, deren Quell- und Flussgebiet vom Fuße des Döbraberges und vom Rennsteig drüben in Thüringen bis nach Kronach reicht.

Zwei Schneidmühlen erhalten

Lediglich zwei Schneidmühlen sind erhalten geblieben, die anderen haben ihren Betrieb längst eingestellt und das alte Mühlrad dreht sich schon lange nicht mehr. Nur noch die Namen weisen auf die einstige Beschäftigung hin und selbst die geben einige Rätsel auf, wie zum Beispiel Detschramühle und Rußmühle. Am Fuße des umfangreichen, fast ausschließlich mit Wald bedeckten Sternberges gelegen, kann die Rußmühle allerdings nur mit dem Holz in Verbindung gebracht werden.

Industrie auf Wald gestützt

Die gesamte Industrie stützte sich früher auf den Wald. Die vielen kleinen Betriebe lagen alle in den Bergtälern versteckt. Hier nutzten sie die Antriebskraft des strömenden Wassers der kleinen Bäche und Flüsse, hier brannten sie die Holzkohle, schmiedeten damit das Eisen, hier fanden sie die Holzasche, machten daraus Glas mit Sand und Kalk, bereiteten daraus die Lauge, um Seife zu sieden, hier waren die Voraussetzungen gegeben für die Herstellung des Papiers, hier nutzten sie das Holz als Brennmaterial für die meisten dieser Vorgänge.

Das wohl bedeutendste Industriezentrum, gleichsam das Ruhrgebiet des Frankenwaldes, lag im Steinachtal, das mit seiner Klamm mit zu den reizvollsten Gegenden unserer Heimat zählt. Der Waffenhammer war schon seit 1218 die Waffenschmiede derer von Wildenstein, von Nordeck, von Reitzenstein und von Waldenfels. Als altes Konkurrenzunternehmen gleichsam kann der Guttenberger Hammer angesehen werden, der noch heute mit modernen Maschinen Forst- und Gartenwerkzeuge schmiedet. Am Fuße des Pulverhügels stand damals auch eine Pulvermühle, die das gefährliche Gemisch von Kohle, Salpeter und Schwefel angeblich mit dem Schubkarren und dem "Handwejchela" zur Weiterverarbeitung nach Kronach lieferte.

Holzkohle wurde gewonnen

Zuerst im Fischbachtal an der Saar gab es die sogenannte Rußhütten. Hier ersetzte man die übliche Rasendecke des Meilers durch ein Mauerwerk. Das waren die Vorgänger der späteren Koksöfen.

Die Rußmühle am Unterlauf der Rodach ist eine solche Rußhütte gewesen, wo man Holzkohle zur Eisengewinnung und anderen Zwecken erzeugte, fiel ihr doch das Holz vom Steilabfall des Sternberges gleichsam vor die Füße. Durch die Gewinnung von Holzkohle war der Verbrauch an Holz ungeheuer groß; doch stand im waldreichen Deutschland genug zur Verfügung.

In England dagegen schmolzen die Wälder durch den großen Verbrauch für die Flotte bedenklich zusammen. Man war gezwungen, aus Mangel an Holzkohle, Roheisen aus Deutschland, Schweden und Russland zu beziehen. Bis zum Ausgang des Mittelalters und bis zum Dreißigjährigen Krieg stand Deutschland in der Eisengewinnung an erster Stelle in Europa, und Nürnberg war die bedeutendste Waffenschmiede.

Als man in England versuchte, Steinkohle anstelle der Holzkohle zu verwenden, zeigte sich, dass das gewonnene Eisen brüchig und für die Industrie unbrauchbar war.

Im Jahr 1760, nach anderen Angaben schon 1735, gelingt es dem Engländer Ruebek dem Dilemma zu begegnen und gereinigte Kohle, den Koks, zur Eisengewinnung verwendbar zu machen. Er errichtete eine Töpferei, die Ton für feuerfeste Ofensteine brannte. Er baute damit alle möglichen Arten von Öfen und Herden, in denen das Eisen nicht mehr mit Kohle in Berührung kam. Damit wurden die Verunreinigungen verhütet und verhindert. So war der Weg frei für den Siegeslauf der Steinkohle, und England konnte sich zum ersten Industrieland entwickeln.

Der Waldreichtum Deutschlands brachte es mit sich, dass man sich bei uns nur zögernd der Verwendung von Koks zur Eisengewinnung zuwandte. Anfänglich verwendete man den Koks nur für die ersten Stufen der Eisenverhüttung.

Für Stahl und Gusseisen bevorzugte man noch bis 1860 die Holzkohle, bis die auch bei uns eingetretene Holzknappheit zum Fortschritt zwang. So kam es, dass Deutschland hundert Jahre hinter England zurücklag, das schon 1735 das Koksverfahren eingeführt und 1740 den ersten Gussstahl herstellte.

Wald verliert Bedeutung

Nun verlor der Wald zwar seine entscheidende Bedeutung, doch hat ihn die Steinkohle vor der völligen Vernichtung bewahrt und die deutsche Waldlandschaft blieb erhalten. Die Hütter, die anfänglich das Wasser und den Wald gesucht hatten, sahen sich nun genötigt, zur Kohle zu wandern.

Süddeutschland verlor seine Vormachtstellung in der Eisengewinnung und die Schwerpunkte verlagerten sich an Saar, Ruhr und Oder. Die Verwendung des Kokses bedeutete das Ende der Kohlenmeiler, der Rußhütten, der Hammerwerke und der kleinen Hochöfen und es wurde still in unseren Tälern. Wahrscheinlich um 1800 musste die Rußhütte an der Rodach die Arbeit teilweise einstellen und 1820 verkaufte sie einen Teil ihrer Landwirtschaft.

Als die Elektrizität ihren Siegeslauf antrat, stellte man hier den Ruß für Kohlestifte her. Das sind aus reinem Kohlestoff gefertigte Elektroden für elektrische Bogenlampen. Bei der Bo-genlampe werden zwei sich gegenüberliegende Kohlestifte auseinander gezogen, so dass sich der Strom seinen Weg durch die Luft bahnen muss.

Durch den Widerstand des freien Raumes, den der Strom zu überwinden hat, wird ein großer Teil der Elektrizität in Wärme umgesetzt und bringt die Enden der Stifte zur Weißglut, wodurch das gleißende Licht entsteht. Überspringende Kohleteile und die elektrisch geladene Luft schaffen den Lichtbogen. Die Herstellung der Stifte erfolgte auf dem Gelände der damaligen Porzellanfabrik Stockart, die ihren Strom von der alten Hammermühle bezog.

In der Rußmühle aber nutzte man bald die Wasserkraft der Rodach und errichtete zwei Sägemühlen, die auch Holzrechte besaßen, sogenannte staatliche Kontingente, die verbilligte Holzlieferungen zusicherten. So war die Rußhütte zur Rußmühle geworden. Erst Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden Wehr und Mühlgraben beseitigt und der Lauf der Rodach verändert, der wegen Überschwemmungsgefahr etwas weiter entfernt vorbeiführt.

Auch die Sägewerke haben etwa seit 1930 ihren Betrieb eingestellt und den Rest der Landwirtschaft veräußert. Selbst die ehemalige Einkehr für durstige Seelen, die "Waldschenke", ist der Wirtshauskultur verloren gegangen und so erinnert heute nur noch der Name an die einstige Bedeutung.

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