Mitwitz
Porträt

Von der Lufthansa in die Gemeinde - Mitwitz' Bürgermeister Hans-Peter Laschka im Porträt

Hans-Peter Laschka ist seit fast 30 Jahren Bürgermeister von Mitwitz. Der Weg zu Beginn seiner politischen Amtszeit war steinig. Später machten Laschka gesundheitliche Probleme zu schaffen.
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Hans-Peter Laschkas letzte Amtszeit als Bürgermeister von Mitwitz geht zu Ende. Trotzdem hat er bis zur Wahl 2020 noch einiges vor. Foto: Veronika Schadeck
Hans-Peter Laschkas letzte Amtszeit als Bürgermeister von Mitwitz geht zu Ende. Trotzdem hat er bis zur Wahl 2020 noch einiges vor. Foto: Veronika Schadeck

Knapp 29 Jahre, also fast 10 500 Tage, führt Hans-Peter Laschka als Bürgermeister die Gemeinde Mitwitz. Er hat mit drei Landräten, drei Kämmerern und über 40 Gemeinderäten zusammengearbeitet. Damit ist er der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis. Nun bereitet er sich langsam auf seinen Ruhestand im Mai 2020 vor.

Während seiner Amtszeit hat der 64-Jährige viele Höhen und Tiefen erlebt. Spricht man ihn auf Veränderungen in seinem Berufsleben an, so meint er: "Die Aufgaben sind eigentlich gleich geblieben. Man geht nur anders damit um." Die Bürokratie habe zugenommen. Heutzutage sei auch das Anspruchsdenken der Bevölkerung größer als damals.

Keine Alternative

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Während er erzählt, sitzt Laschka in seinem Büro. Die Möbel sind über 30 Jahre alt. "Die sind noch von meinem Vorgänger", erklärt er. Sicher sei diese Einrichtung nicht mehr zeitgemäß, aber für das eine Jahr reichten diese noch aus. Es war vor vier Jahren, als bei Laschka der "schwarze Hautkrebs" diagnostiziert wurde. Er war in Kliniken, unterzog sich einer Chemotherapie. Und er war glücklich, dass die Behandlungen von Erfolg geprägt waren. Dann im Sommer 2016 die nächste Hiobsbotschaft.

Laschka hatte Bewegungsschwierigkeiten, konnte nur noch unter Schmerzen sitzen und laufen. Er war bei verschiedenen Ärzten, aber erst Wochen später wurde das Problem erkannt. Zwei Tumore zwischen dem zweiten und dem dritten Wirbel hatten das Nervensystem beschädigt. Nach dieser Diagnose habe er sich innerhalb von drei Tagen entscheiden müssen: "Geh ich unter das Messer oder nicht. Es gab keine Alternative. Wache ich überhaupt noch mal auf? Bleibe ich querschnittsgelähmt?" Das waren Fragen, auf die niemand eine Antwort wusste. Da gab es Ängste und Zweifel, erinnert sich Laschka. Auch gab es Momente, in denen er haderte. "Warum hat es gerade mich erwischt, wo ich doch gesund gelebt habe?" Dabei immer wieder der Gedanke: "Hoffentlich seh ich mein Mimetz wieder!" Er habe aber auch in diesen Tagen die Erfahrung gemacht, dass die Familie und der Glaube an Gott einem Kraft geben können, die Prüfungen des Lebens anzunehmen. Vor der Operation hatte er die Sorge "wenn es schlimm ausgeht, wie geht es in meinem Mitwitz weiter?"

Unterstützung durch die Verwaltung

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Heute ist Laschka dankbar, dass er seinen Job noch ausüben kann. Diese Dankbarkeit richtet sich auch an seine Verwaltung, seinen Stellvertretern und den Marktgemeinderat - sie alle hätten ihn in den vergangenen Jahren unterstützt. In all der Zeit hat er erfahren, dass man zwar einige Entwicklungen in seinem Leben steuern kann, aber nicht alle Ereignisse in der Hand hat.

Der 64-Jährige ist in Mitwitz aufgewachsen. Als junger Mann war er zur Ausbildung bei der Justiz in München, dann beim Bundesgrenzschutz. Dort nahm er die Chance bei der Lufthansa wahr, als Flugbegleiter im Sicherheitsdienst die Welt kennen zu lernen. Dänemark, Saudi Arabien, Afrika, Australien, Südamerika, das alles waren Stationen in seinem Leben. Während seiner Zeit bei der Lufthansa lernte Hans Peter Laschka in Frankfurt auch seine Frau Barbara kennen.

Im Frühjahr 1978 zog es ihn schließlich zurück in die Heimat. Als er dann im Jahre 1978 bei der Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Mitwitz ein Angebot als Verwaltungsangestellter bekam, habe er nie daran gedacht, einmal Bürgermeister zu werden. Aber dann, Ende 1989, wurde er von der Jungen Union als CSU-Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen.

Denkt Laschka heute an diese Jahre zurück, so spricht er von einer turbulenten Zeit in seiner Gemeinde. Die Fronten zwischen den Parteien und auch innerhalb der CSU waren verhärtet. Er spricht von persönlichen Anfeindungen, von zahlreichen schlaflosen Nächten. Damals war er zweifacher Familienvater, das dritte Kind war unterwegs. Er habe sich oft gefragt, ob seine Entscheidung für die Kandidatur richtig war. Innerhalb der CSU habe er sich zunächst gegen den amtierenden Bürgermeister als Mitbewerber durchsetzen müssen. Bei der Bürgermeisterwahl Anfang 1990 kam es dann zwischen ihm und dem SPD-Mitbewerber zur Stichwahl, die Laschka mit nur 140 Stimmen Vorsprung für sich entscheiden konnte.

Vieles aufgearbeitet

In den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit sei das Klima im Gemeinderat angespannt gewesen. Es musste vieles in der Gemeinde aufgearbeitet werden. In diesem Zusammenhang spricht er von der Erschließung des Gewerbegebietes "Am Riegel" und von Pflichtaufgaben wie die Erneuerung der Wasserversorgung und der Kanalisation von Gemeindeteilen.

Für Laschka sei es immer das Wichtigste gewesen, eine Sachpolitik zu machen, von der die Mitwitzer profitieren. Parteizugehörigkeit spielte für ihn keine Rolle - und das habe er bis zum heutigen Tag auch so durchgezogen. Er habe im Laufe der Zeit seinen Job lieben gelernt. Das lag zum großen Teil am guten Miteinander im Gemeinderat, das sich sukzessive entwickelte und bis zum heutigen Bestand hat. In den folgenden vier Bürgermeisterwahlen hatte er keinen Gegenkandidaten.

Als umgesetzte Großprojekte nennt Laschka die Erschließung von Wohngebieten, den Kläranlagenneubau, umfangreiche Maßnahmen im Bereich Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Dorferneuerung und Flurbereinigung, Erweiterung des Schulgebäudes, Ansiedlung der Montessori-Schule, Maßnahmen der Städtebauförderung wie die Neugestaltung und Aufwertung der Ortsdurchfahrt oder auch die Beseitigung der Gewerbebrachen am Ortseingang.

Noch befasst sich Laschka nicht mit seinem Ruhestand. Denn es gibt noch einiges zu tun. So will er am Ortseingang aus Richtung Coburg die Brachflächen um das alte Fabrikgebäude herum umgestalten, das neue Wohngebiet erschließen, den Anschluss von Kaltenbrunn und Burgstall an die Wasserversorgungsanlage Mitwitz umsetzen, den Baubeginn des Grundschulhortes vornehmen, den Umbau des ehemaligen Bauernhauses in der Ortsmitte zum Tourismushaus in Angriff nehmen und die Restmaßnahmen im Randbereich der neuen Ortsdurchfahrt verwirklichen.

"Attraktive Gemeinde mit vielfältigem Entwicklungspotenzial"

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Blickt er zurück, so spricht der fünffache Familienvater von einem erfüllten Leben. Er ist dankbar, dass sein Gesundheitszustand sich merklich gebessert hat. Mitwitz ist seine Heimat - dort will er auch einen hoffentlich langen Lebensabend verbringen. "Ich habe hier alles, ein schönes Haus, Lebensqualität, liebe Freunde und Nachbarn, eine gute Grundversorgung am Ort, eine attraktive Gemeinde mit vielfältigem Entwicklungspotenzial und eine sehr günstige Verkehrsanbindung. Und außerdem: Meine Frau, die einst wieder zurück nach Frankfurt wollte, denkt schon lange nicht mehr daran, aus Mitwitz wegzuziehen."

Wer Laschka ins Rathaus nachfolgen könnte, darüber wollte er sich nicht äußern. Nur so viel: Von der CSU wird aller Voraussicht jemand als Bürgermeisterkandidat nominiert werden, der bisher nicht zum Gemeinderat gehört.

Die Amtszeiten der Bürgermeister im Kreis Kronach im Vergleich:

Gerhard Wunder (CSU), Steinwiesen - seit 1996

Norbert Gräbner (SPD), Marktrodach - seit 1996

Gabi Weber (CSU), Teuschnitz - seit 2002

Peter Klinger (CSU), Tschirn - seit 2002

Egon Herrmann (SPD), Weißenbrunn - seit 2002

Timo Ehrhardt (SPD), Ludwigsstadt - seit 2008

Karin Ritter (SPD), Reichenbach - seit 2008

Hans Pietz (FW), Pressig - seit 2008

Wolfgang Beiergrößlein (FW), Kronach - seit 2008

Knut Morgenroth (SPD), Schneckenlohe - seit 2008

Rainer Detsch (FW), Stockheim - seit 2011

Peter Ebertsch (BfT), Tettau - seit 2013

Susanne Grebner (SPD), Wilhelmsthal - seit 2014

Michael Pöhnlein (FW), Nordhalben - seit 2014

Jens Korn (CSU), Wallenfels - seit 2014

Thomas Löffler (CSU), Steinbach/Wald - seit 2017

Bernd Rebhan (CSU), Küps - seit 2017

Hans-Peter Laschka (CSU), Mitwitz - seit 1990

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