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Kleintettau
Wirtschaft

Vom Arbeiter zum Unternehmer: Wie ein Franke expandiert

Die Insolvenz seines früheren Arbeitgebers war für Peter Gramß der Startschuss für die Selbstständigkeit. Heute beschäftigt seine Firma 130 Mitarbeiter.
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Das Gebäude der ehemaligen Firma Tekutec in Kleintettau dient als Produktionsstätte. Im Hintergrund ist das neue Logistikzentrum zu sehen. Foto: Veronika Schadeck
Das Gebäude der ehemaligen Firma Tekutec in Kleintettau dient als Produktionsstätte. Im Hintergrund ist das neue Logistikzentrum zu sehen. Foto: Veronika Schadeck
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Zum Jahreswechsel feierte der Unternehmer Peter Gramß nicht nur seinen 60. Geburtstag, sondern auch sein 30-jähriges Firmenjubiläum und die vollendete Baumaßnahme des neuen Firmengebäudes im oberfränkischen Kleintettau (Kreis Kronach).

Entstanden ist ein neues Logistikzentrum. Zudem wurde im bestehenden Tekutec-Gebäude eine neue Produktionsstätte eingerichtet. Somit kehrte Peter Gramß auch an seinen einstigen Arbeitsort zurück - mit dem Unterschied, dass aus dem einstigen Arbeitnehmer ein Arbeitgeber mit 130 Mitarbeitern geworden ist.

Die Investitionen waren notwendig, erklärte die Ehefrau von Peter Gramß, Kerstin Gramß. "Wir waren an die Grenzen unserer Kapazitäten gekommen!" Beide führen das Unternehmen, das in Spechtsbrunn (Thüringen) und nun auch in ihrem Heimatort Kleintettau Kunststoffverschlüsse produziert.

Drei Außenlager ersetzt: "Es war ein logistischer Wahnsinn"

Vorhanden waren vor Fertigstellung des Kleintettauer Logistikzentrums drei angemietete Außenlager in Sonneberg, Stockheim und Spechtsbrunn. "Es war ein logistischer Wahnsinn", so die Firmenchefin. Jetzt, nachdem mit dem Standort Kleintettau Abhilfe geschaffen wurde und alle Produkte unter einem Dach gelagert werden können, habe sich die Situation entspannt. Zudem werden Kosten und Zeit gespart.

Wenn man mit dem Unternehmerehepaar spricht, merkt man, dass sie schon mit einem gewissen Stolz auf das bisher Erreichte blicken. Aber auch Dankbarkeit und Demut ist der Stimme des Firmenchefs Peter Gramß zu entnehmen. So meint er, dass dieser Erfolg zum großen Teil auf seine Mitarbeiter zurückzuführen sei. Einige davon sind von Anfang an mit dabei. Er spricht aber auch von Glück, vom bisher richtigen Gespür, wenn es um die Ausrichtung des Unternehmens ging. Als Glück bezeichnet er es auch, dass seine Frau und er nicht nur Eltern von drei Kindern, sondern auch im Unternehmen ein Team sind, das sich ergänzt.

Anfangs ein Einzelkämpfer

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1989. Damals wurde der einstige Arbeitgeber ihres Mannes insolvent. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei letztendlich daraus entstanden. Die Entscheidung habe man sich damals nicht leicht gemacht, erinnert Kerstin Gramß.

In den ersten Monaten war Peter Gramß Einzelkämpfer, wenige Monate später wurden mit drei Mitarbeitern in einer kleinen Halle in Alexanderhütte Kunststoffverschlüsse produziert. Aufgrund ständig steigender Nachfrage und einer damit verbundenen Produktionserweiterung folgte Monate später der Umzug in ein größeres Fertigungs- und Verwaltungsgebäude nach Lauenstein. Die weiteren positiven Entwicklungen veranlasste das Ehepaar Gramß im Jahre 2004 schließlich, eine Firma in Spechtsbrunn zu bauen.

Derzeit werden täglich rund vier Millionen Kunststoffartikel auf 100 Maschinen im Drei-Schicht-System produziert. Der Exportanteil liegt bei rund 50 Prozent. Über 300 verschiedene Kunden aus den Branchen Kosmetik, Nahrungsmittel und Pharmaindustrie zählen zu ihrem Stamm. "Wir sind breit aufgestellt, wenn da mal einer wegfällt, tut es uns nicht weh", so Peter Gramß.

Der Unternehmer bezeichnet die Betriebserweiterung nach Kleintettau als ein großes Projekt. Rund 15 Millionen Euro hat das Unternehmen in letzter Zeit investiert, den Großteil davon in die Produktionsstätte und in das Logistikzentrum in Kleintettau.

Zu den aktuellen Diskussionen über das Thema Plastik erwähnt der Firmenchef, dass bei der Gramß GmbH bei der Produktion von Kunststoffprodukten Rezyklat verwendet wird. Die Kunden, so meint der 60-Jährige, wollen nachhaltige Kunststoffprojekte - aber sie seien nicht bereit, den erforderlichen Mehrpreis zu bezahlen.

Eine Lösung, wie hier der Spagat gelingen könnte, gebe es noch nicht. Aber auch eine ganz andere Sorge treibt das Ehepaar um, nämlich die Gewinnung von Fach- und Nachwuchskräften. Der Markt sei schwierig, die großen Firmen in der Region habe eine höhere Anziehungskraft als kleinere Unternehmen, meint Kerstin Gramß. Mittlerweile greift die Firma auf Mitarbeiter aus Mazedonien und Bosnien zurück. Und hat durchaus positive Erfahrungen damit gemacht.

Mut und Standorttreue

Beim Firmenjubiläum und beim 60. Geburtstag waren auch die Vertreter aus Politik und Wirtschaft vertreten. Sowohl der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch als auch Landrat Klaus Löffler und der Gremiumsvorsitzende Hans Rebhan gratulierten dem erfolgreichen Unternehmerehepaar für ihren Mut, ihren Einsatz und ihre Standorttreue.

Feuerwehr und Kindergarten freuen sich über einen Geldsegen

Einen unerwarteten Geldsegen gab es für die Freiwillige Feuerwehr Kleintettau und den Kindergarten "Regenbogen" in Tettau. Der Unternehmer Peter Gramß spendete an seinem 60. Geburtstag den beiden Einrichtungen insgesamt 4000 Euro.

Der Kommandant Johannes Bock und die Tettauer Pfarrerin Kristine Wachter freuten sich riesig. Die Spende kam völlig überraschend, so Kristine Wachter. Für welche Anschaffungen nun die 2000 Euro ausgegeben werden, darüber konnte sie noch keine Auskunft geben. Aber: "Das ging alles so schnell, aber wir werden davon etwas Sinnvolles anschaffen."

Bei der Feuerwehr Kleintettau sollen die 2000 Euro in die Ausrüstung der Feuerwehr investiert werden. Er finde es eine gute Sache, dass Peter Gramß mit dieser Spende seine Wertschätzung gegenüber der Feuerwehr zu Ausdruck bringe, so Johannes Bock.

Wie Peter Gramß erklärte, sei es ihm ein Anliegen gewesen, heimische Einrichtungen zu unterstützen. Er habe nun einen Betrieb in Kleintettau, wenige Kilometer weiter sei der Stammsitz. Für einen Unternehmer sei es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass bei einem Brand oder Katastrophenfall ortskundige und qualifizierte Leute vor Ort seien, die schnell und unbürokratisch helfen.

Als Unternehmer sei man aber auch auf treue, qualifizierte und loyale Mitarbeiter angewiesen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei ein immer größer werdender Anspruch. Entsprechend müssen auch Betreuungseinrichtungen vorhanden sein und unterhalten werden. Deshalb wollte er mit dieser Spende den Kindergarten unterstützen. Danke sagte er aber auch seinen Gästen. Auf Wunsch gaben diese statt ein Geschenk einen Geldbetrag für die Spende. Der Rest, der noch für die 4000 Euro fehlte, kam von den Gramß.

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