Einsam trotzen sie auf Feld und Acker tapfer Wind und Wetter: Mit zerzausten Stroh-Haaren, lumpiger Kleidung, großen schwarzen Hüten und ausgelatschten Gummistiefeln gaukeln sie diebischen Vögeln vor, sie seien der Bauer. Leider sind Vogelscheuchen heute in Feldern und Gärten selten geworden. Das wird sich jedoch bald ändern, werden doch vom 24. bis 26. Mai zahlreiche der listigen Gesellen mit ihrem lustigen bis grimmigen Anblick den Park des Mitwitzer Wasserschlosses erobern.

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mitwitz, dem Landkreis Kronach, dem 14. Mitwitzer Künstler-Markt der Regionalen Kunstförderung Kronach und der ARCOS (Veranstalter des "Fränkischen Gartenfestes") schreibt Ingo Cesaro einen internationalen Vogelscheuchen-Wettbewerb für 2019 aus. Beim Pressegespräch am Donnerstag rührten die Verantwortlichen im Mitwitzer Rathaus die Werbetrommel für das außergewöhnliche Ereignis. Zur besseren Veranschaulichung hatte die Künstlerin Gabi June Michel eine von ihr geschaffene Vogelscheuche mitgebracht.

10 000 Leute am ersten Tag

Der Mitwitzer Künstlermarkt geht heuer in seine 14. Runde. Bei Ingo Cesaros internationalem Vogelscheuchen-Wettbewerb ist es bislang bei der Premiere 1996 in Rugendorf geblieben - trotz seines überwältigenden Erfolgs. Den Wettbewerb führte der Kulturvermittler damals mit der Landjugend anlässlich deren Jubiläum durch. "Wir rechneten mit 2000 Besuchern; alleine am ersten Tag kamen bereits 10 000 Leute. Das kleine Dorf war komplett vollgeparkt. Um 10.30 Uhr gab es nichts mehr zu essen und trinken und man musste Nachschub holen", berichtete er. Ausgestellt waren damals 120 Vogelscheuchen.

Im Vorfeld des "Fränkischen Gartenfestes" und Mitwitzer Künstlermarkts hatte man heuer nach einem besonderen Höhepunkt für die aus einem Umkreis bis zu 300 Kilometer anreisenden Besucher gesucht. Cesaro bot André König von ARCOS den Vogelscheuchen-Wettbewerb als "Sahnehäubchen" an, und König war sofort Feuer und Flamme. Gleiches gilt für Vogelscheuchen-Bauer aus aller Welt, liegen doch dem Kulturvermittler bereits Zusagen aus Japan, Afrika, Rumänien und der Schweiz vor.

Wichtig ist ihm, dass jeder mitmachen kann und jede Art von Vogelscheuchen vertreten ist, von hoch professionell bis ganz einfach. Alle Generationen sollen sich angesprochen fühlen, gerne auch Kindergärten und Seniorenheime, Vereine und Institutionen, Privatleute und die Flüchtlingshilfe. "Es soll einfach für die Region ein schönes Event werden", wünscht sich Cesaro, dessen Wettbewerb - wie alle seine Ideen - unter dem Gesamtprojekt "Kulturbiotop" läuft.

Es wird auch eine Künstlermarkt-Edition geben, heuer erstmals mit zweifarbigem Motiv: das Wasserschloss in Grau und eine Vogelscheuche in Rot. Hinzu kommt eine Textausgabe "Vogelscheuchiges". Landrat Klaus Löffler wurde als Schirmherr gewonnen.

Ein Alleinstellungsmerkmal

Die Vogelscheuchen werden im Park bei den Ständen der Aussteller zu sehen sein, die die Patenschaft beziehungsweise Aufsicht übernehmen. Der Transport, der auch per Post erfolgen kann, und der Aufbau stellen laut den Verantwortlichen kein Problem dar. Hier erhält man Hilfe von ARCOS. "Die Logistik ist ein Riesenaufwand", räumt André König ein. Dies nehme man jedoch gerne für ein solches deutschlandweit vermutlich einmaliges Highlight in Kauf, mit dem man über ein echtes Alleinstellungsmerkmal verfüge.

Viele Dinge sind noch im Detail zu klären. Sicher ist bereits, dass die Besucher über die Wettbewerbs-Sieger, vermutlich nach Vorauswahl einer Jury, abstimmen werden. Eventuell wird es verschiedene Kategorien geben, beispielsweise die schönste, hässlichste, größte.

Die Geld- und Sachpreise werden von den Ausstellern gestiftet. Hier hofft man auf weitere Preise von örtlichen Unternehmen und Gaststätten. Möglich ist auch eine Versteigerung für den guten Zweck oder dass König eine Auswahl der Vogelscheuchen mit auf Gartentour nimmt. Eventuell können die lustigen Gesellen auch länger im Park verweilen, wie in Rugendorf, wo sie von Juli bis September für einen Besucheransturm sorgten. Damals musste man zum Schluss nur noch die Stangen abbauen, da ein Sturm die Vogelscheuchen komplett abgeräumt und die Teile im ganzen Ort verteilt hatte.

Nach Meinung von Bürgermeister Hans-Peter Laschka gibt es wohl keinen geeigneteren Veranstaltungsort als das Areal des Wasserschlosses. Gemeinsam freut man sich auf viele Besucher und Vogelscheuchen.

Vogelscheuchen und der Wettbewerb

Entstehung Wahrscheinlich sind Vogelscheuchen schon bald nach der Einführung des Garten- und Ackerbaus entstanden. Oftmals sind sie neben ihrer abschreckenden Erscheinung auch mit Bewegungs-, Licht- und Knallelementen ausgestattet. Sie werden bis heute in asiatischen Reisfeldern oder in den USA eingesetzt. Ausschreibung Cesaros internationaler Vogelscheuchen-Wettbewerb vom 24. bis 26. Mai: Eingeladen sind Künstler, Landwirte, Gartenbauvereine, Landjugend, Privatleute, Gruppierungen usw. Dotierung 1. Preis 500 Euro, 2. Preis 300 Euro, 3. Preis 200 Euro, sieben Sachpreise und eventuell örtlich gestiftete Preise Anlieferung Vogelscheuchen können am 22. Mai von 16 bis 18 Uhr und am 23. Mai ab 18 Uhr im Park des Wasserschlosses angeliefert werden. Sachkundiges Personal hilft beim Aufstellen. Sie können aber auch zugeschickt werden, und zwar an das Rathaus Mitwitz, Coburger Straße 14, 96268 Mitwitz. Sie müssen auf jeden Fall bis 20. Mai in Mitwitz eintreffen. Für die Befestigung stehen Metall-Einschraubhilfen zur Verfügung. Mitzubringen ist ein einlaminiertes Schild (circa DIN A 4), das am Fuße der Vogelscheuche befestigt wird, mit dem Namen der Vogelscheuche sowie dem Namen und der Adresse des Herstellers. Anmeldung Aus Organisationsgründen ist eine Anmeldung ein bis zwei Wochen vor dem Termin bei Ingo Cesaro, Telefonnummer 09261/63373, E-Mail: ingocesaro@gmx.de, Internet www.ingo-cesaro.de nötig.