Burkersdorf
Bogenschießen

Vizeweltmeister: Der Robin Hood aus Burkersdorf

Der Burkersdorfer Thomas Scholl gewann trotz widriger Umstände mit der deutschen Mannschaft Silber bei der Weltmeisterschaft im traditionellen Bogenschießen. Sein Sportgerät für das Turnier in Amerika hat er selbst angefertigt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Thomas Scholl nimmt mit seinem handgearbeiteten Bogen Maß. Foto: Marco Meißner
Thomas Scholl nimmt mit seinem handgearbeiteten Bogen Maß. Foto: Marco Meißner

Thomas Scholl greift zu seinem Bogen. Er hebt die Waffe ganz ruhig an, spannt die Sehne. Jeder Handgriff sitzt. Tausende Male haben seine muskulösen Arme den Pfeil schon auf ein Ziel ausgerichtet. Ein kurzes Zischen, dann bohrt sich die Spitze in die Markierung auf der Tierattrappe. Volltreffer!

Der 53-jährige Burkersdorfer versteht aber nicht nur auf seinem heimischen Übungsparcours, mit dem Bogen umzugehen. Dass er eine ruhige Hand und ein gutes Auge besitzt, hat er im September auch in den Vereinigten Staaten unter Beweis gestellt. Mit der deutschen Mannschaft wurde er in der Kategorie Traditional Bowhunter Recurve Vizeweltmeister. Und sein Sportgerät hat er auch noch selbst hergestellt, ebenso wie den Bogen für Einzel-Vizeweltmeisterin Belinda Budrovcan (Langbogen-Klasse).

Fast drei Jahrzehnte am Bogen

Dass es für den erfahrenen Bogenschützen - er schießt seit 28 Jahren - zu diesem Erfolg reichen würde, hätte er noch kurz vor der WM selbst nicht geglaubt. Hochmotiviert bereitete er sich auf das Turnier vor. Dann trübte völlig unvermittelt ein Bandscheibenvorfall seine Ambitionen. "Das waren richtige Schmerzen", erinnert er sich. "Ich konnte mich nicht wie gewohnt vorbereiten. Diese Zeit hat mir gefehlt, sonst wäre es vielleicht noch ein bisschen besser gelaufen", spekuliert der Burkersdorfer. Trotz Operation kämpfte er sich jedoch rechtzeitig in Wettkampfform zurück.

Gerade in den USA angekommen folgte der nächste Nackenschlag. Am Flughafen gab es unverschuldete Probleme bei der Einreise, Ärger, Wartezeit. "Das hat genervt, weil ich das so von Amerika nicht kannte", schimpft er über bürokratische Fehler und einen wenig freundschaftlichen Umgang bei der Kontrolle. Aber auch diese Kröte schluckte Scholl.

Nachdem die Formalitäten geregelt waren, ging es bald auf die Hunderte Kilometer lange Fahrt nach Yankton im US-Bundesstaat South Dakota. Die hatte für Scholl einen besonderen Eindruck parat. "Ich habe noch nie auf 600 Kilometer nur Mais gesehen - soweit das Auge reichte", erinnert sich der Bogensportler.

Arbeit bestätigen

"Es ist mir wichtig, zu zeigen, dass meine Bögen Weltklasse sind", erklärt Thomas Scholl, warum er mit 53 Jahren und nach zwölf Jahren im Wettkampfgeschehen immer noch die strapaziösen Reisen zu den Titelkämpfen auf sich nimmt. In seiner eigenen Bogenmanufaktur baut er die Sportwaffen nämlich selbst. Und seiner Ansicht nach soll ein Bogen eben nicht nur gut aussehen, sondern auch Leistung bringen.

Die Qualität seines Sportgeräts wollte er allerdings nicht nur durch den Wettstreit unter Beweis stellen. Der Burkersdorfer erzählt von einem Abstecher: "Nach der Weltmeisterschaft habe ich noch zwei sehr bekannte Bogenbauer besucht, um mir sagen zu lassen, ob ich nun ein guter oder ein schlechter Bogenbauer bin. Sie haben mir bestätigt, dass ich mich mit meiner Arbeit auf der ganzen Welt vor keinem verstecken muss. Das ist natürlich eine Aussage!"

Der Wettkampf selbst dauerte vier Tage. Am Anfang standen Registrierung und Kontrolle. "Damit alles sauber über die Bühne geht", meint der 53-Jährige. Dann folgten die Wettkampfrunden.

Vier Runden

Geschossen wird beim TRB im Gelände und auf Distanzen zwischen 20 und 55 Metern. Zu Beginn standen bei der WM zwei Drei-Pfeil-Runden an. Das heißt, der erste von drei Pfeilen, der trifft wird gewertet. Dabei gibt es auf den Zielattrappen die so genannte "Kill-Zone" und die "Wound-Zone", die unterschiedliche Punktezahlen einbringen. Am dritten Tag wurden zwei Pfeile geschossen und beide gewertet. Am Schlusstag musste ein einziger Pfeil die Entscheidung herbeiführen. "Entweder du bist drauf oder nicht", erklärt Scholl das Prinzip.

Mit dem Vizetitel ist das Thema Wettkampf für Scholl aber noch lange nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr steht bereits eine Europameisterschaft in Deutschland für ihn auf dem Programm. "Ein großes Dankeschön gilt da meiner Frau Heike und meiner Tochter Rosalie, die mir das Training für solche Turniere überhaupt erst ermöglichen", sagt der Burkersdorfer. Etliche Stunden nimmt er jede Woche die Ziele ins Visier, um sich vorzubereiten. "Da muss Technik trainiert werden, immer wieder Technik."

Augen für Sport öffnen

Für die Zukunft würde sich Scholl neben dem sportlichen Erfolg noch zwei Dinge wünschen. Zum einen mehr Aufmerksamkeit und Sponsoren für seinen Sport - der weiter verbreitet sei, als Außenstehende vermuten. Und zum anderen weitere Einsteiger. Er selbst stehe Interessierten gerne zur Seite (Kontakt: www.scholl-bogenbau.de).

Das ist Yankton

Yankton liegt im US-amerikanischen Bundesstaat South Dakota. Dort leben etwa 15 000 Einwohner. Die Stadt ist Verwaltungssitz des Yankton County. Schon mehrfach fanden dort Meisterschaften der Bogenschützen im Easton Yankton Archery Complex statt. Süd-Dakota (engl. South Dakota) umfasst eine Fläche von knapp 200 000 Quadratkilometern. Es zählt zu den Präriestaaten der USA. Dort findet sich der berühmte Mount Rushmore. Die größte Stadt Süd-Dakotas (814 000 Einwohner) ist Sioux Falls mit 174 000 Bürgern.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren