Kronach
Technik

VHS Kronach lässt nun besser hören

Die Volkshochschule Kreis Kronach verfügt über eine neue induktive Höranlage. Diese erlaubt es hörgeschädigten Menschen, Vorträge oder Kurse zu verfolgen.
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Alexandra Schuberth (links) und Annegret Kestler freuen sich über den neuen Service der VHS für Hörgeschädigte. Foto: Heike Schülein
Alexandra Schuberth (links) und Annegret Kestler freuen sich über den neuen Service der VHS für Hörgeschädigte. Foto: Heike Schülein

Die Volkshochschule Kreis Kronach verschafft mit einer neuen mobilen FM-Anlage nun auch hörgeschädigten Menschen verbesserten Zugang zum Bildungsangebot. Die Hintergründe der Anschaffung sowie die Funktionsweise der Anlage stellten VHS-Leiterin Annegret Kestler und ISS-Mitarbeiterin Alexandra Schuberth bei einem Pressegespräch am Dienstagmittag vor.

"Seit 2018 macht sich die VHS Kreis Kronach Schritt für Schritt auf den Weg zur inklusiven Volkshochschule", betont Kestler. Hierzu zählen insbesondere Kooperations-Veranstaltungen mit den Offenen Hilfen der Lebenshilfe Kronach, wofür man Angebote im VHS-Programmheft in leichter Sprache ausgeschrieben hat. In die gleiche Richtung zielt die Neuanschaffung der FM-Anlage, die bei Vorträgen und in Kursen zum Einsatz kommen kann.

Bei der Suche nach einem für die Bedürfnisse der VHS am besten geeigneten System stieß Kestler auf die Informations- und Servicestelle für Menschen mit Hörbehinderung (ISS) des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, dessen Bezirksverband Oberfranken seinen Sitz in Bayreuth hat. Die neue Anlage bietet Unterstützung für Schwerhörige und hörgeschädigte Personen, Hörgeräteträger sowie Träger von CI(Cochlea)-Implantaten. "Die Empfängergeräte kennt man vom Museumsbesuch - ein kleines Kästchen, das man sich um den Hals hängt", so Kestler. Mittels Lautsprecher wird die Stimme des Senders übertragen, die sogenannte Induktionsschleife kommt bei Hörgeräten mit T-Spule oder CI-Implantaten zum Einsatz.

Ihr großer Dank gilt dem bayerischen Volkshochschulverband, der die Anschaffung bezuschusste. Wer das Angebot nutzen möchte, braucht dies nur bei der VHS anzumelden. Die Anlage kann auch für anderweitige Veranstaltungen - beispielsweise von Seniorenkreisen oder Wohlfahrtsorganisationen - kostenlos ausgeliehen werden.

Nebengeräusche ausgeblendet

Die Höranlage unterstützt beim Verstehen, indem sie Nebengeräusche ausblendet und die Stimme der sprechenden Person hervorhebt. Die Handhabung ist einfach: Ein kleiner Empfänger mit Induktionsschleife wird locker um den Hals gehängt und eingeschaltet, das Hörgerät oder das CI wird auf "T" (Telefonspule) oder "MT" (Mikrofon und Telefonspule) umgeschaltet. Die Stimme der sprechenden Person - sie benutzt ein kleines Mikrofon - wird dann drahtlos auf das Hörgerät/CI übertragen. Falls das Programm "T" beziehungsweise "MT" am Hörgerät noch nicht aktiviert ist, kann man es vom Hörgeräteakustiker freischalten lassen. Viele Hörgeräte haben das Programm.

Sollte beim Hörgerät der Betrieb mit Telefonspule nicht möglich sein, können die Betroffenen statt der Induktionsschleife einen Kopfhörer nutzen - so wie auch Hörgeschädigte ohne Hörgeräte.

"Wir möchten damit einen Beitrag leisten, dass die Einführung solcher Anlagen im Landkreis Fahrt aufnimmt", betont Kestler. Nach einem solchen Gerät zu fragen solle so normal werden, wie wenn man sich eine Lesebrille aufsetzt. Mit diesem Ansinnen rennt man bei Alexandra Schuberth, die bei der Auswahl der Anlage behilflich war, offene Türen ein. "Leider stellt schlecht hören ein ungleich höheres Tabu-Thema als schlecht sehen dar und ist weitaus mehr mit einem Schamgefühl verbunden", bedauert die Diplom-Sozialpädagogin, die einmal im Monat - immer an einem Dienstagnachmittag zwischen 14 und 16 Uhr - in Kronach in den Räumlichkeiten der Wefa im Carl-Link-Haus in der Güterstraße Beratung anbietet. Das Datum wird über die Zeitungen bekanntgemacht. Gerne übernimmt sie auch Hausbesuche oder hält Vorträge bei Vereinen wie Seniorenkreisen (Kontakt: Tel. 0921/9900873-46, E-Mail: alexandra.Schuberth@paritaet-bayern.de).

Der VHS stehen fünf Endgeräte zur Verfügung. Weitere zehn können von der ISS ausgeliehen werden, so dass bei erhöhtem Bedarf 15 Endgeräte zur Verfügung stehen.

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