Marktrodach
Tiefbau

Veto gegen "halbe Autobahn" nach Mittelberg

Die Schotterpiste nach Mittelberg bleibt. Gemeinderat und Einwohner sind mehrheitlich dagegen, die Straße von Seibelsdorf aus zu asphaltieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fast 100  Bürger waren zur Gemeinderatssitzung in die Rodachtalhalle gekommen, um sich über den Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Seibelsdorf nach Mittelberg zu informieren. Foto: Michael Wunder
Fast 100 Bürger waren zur Gemeinderatssitzung in die Rodachtalhalle gekommen, um sich über den Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Seibelsdorf nach Mittelberg zu informieren. Foto: Michael Wunder
+1 Bild
Der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße Seibelsdorf nach Mittelberg und weiter nach Oberehesberg wurde vom Gemeinderat Marktrodach am Montag einstimmig abgelehnt. Knapp 100 Besucher waren zu dieser Gemeinderatssitzung, die extra in die Rodachtalhalle verlegt wurde, gekommen, um die letztendlich kurze und einseitige Diskussion anzuhören.

Speziell wegen des Fernbleibens von Touristen in Mittelberg - aber auch erhöhtem Materialverschleiß an den Fahrzeugen - hat es Anfang Januar einen Antrag für den Ausbau der geschotterten Strecke gegeben. Wenige Tage später gab es bereits eine Unterschriftenliste gegen eine Asphaltierung dieser Strecke. Auch die Gegner hatten damals ihr Schreiben umfangreich begründet.

"Wir haben den Antrag nicht auf die leichte Schulter genommen", sagte Bürgermeister Norbert Gräbner (SPD). Seitens der Gemeinde war ein Ausbau nicht angedacht und vorgesehen, deshalb musste man zunächst die rechtlichen Gegebenheiten klären und die Kosten ermitteln. Der Weg sei zwar als Gemeindeverbindungsstraße gewidmet, gehöre aber zu großen Teilen dem Freistaat Bayern. Man habe dann eine Verkehrsmessung durchgeführt und innerhalb einer Woche 332 Fahrzeuge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp über 30 Stundenkilometern gemessen.

Aus Kostengründen habe man bei der Grobermittlung der Ausbaukosten auf Grunderwerb mit Vermessungskosten, Bodenuntersuchungen, Handsicherungen und vieles andere mehr verzichtet und sei schon auf eine Summe von zwei Millionen Euro gekommen. Trotz guter Förderung wäre für die Gemeinde ein Eigenanteil von mindestens 800 000 Euro geblieben. Die Förderung hätte man aber nur in Anspruch nehmen können, falls das Grundstück auch im Eigentum der Marktgemeinde ist. Auch bei der Straßenbreite und der Entwässerungseinrichtung habe man auf ein Minimum gesetzt.

Zum Zeitpunkt der Kostenberechnung lag auch die Stellungnahme der Bayerischen Staatsforsten noch nicht vor. Forstdirektor Fritz Maier vom Betrieb in Nordhalben meinte, dass ein großer Teil der Straße durch Staatsforst oder daran vorbei führe. Der erste Abschnitt bis Mittelberg sei zudem in manchen Teilen steil abschüssig. Über den Weg werde neben den Bedürfnissen der Bürger aus Mittelberg und Gästen der Gaststätte auch sämtlicher Land- und Forstwirtschaftlicher Verkehr abgewickelt.

Früher hatte die Straße eine Breite von ungefähr 3,5 Meter, durch wiederkehrende Pflegemaßnehmen sei sie talseits immer breiter geworden, jedoch statisch nicht abgesichert. Man habe in diesem Bereich keinen gewachsenen Boden und das Risiko sei sehr hoch, sagte Maier. Bei einem Ausbau sei eine Vermessung und der Eigentumsübergang zwingende Voraussetzung.

Für den Forst habe der Weg zentrale Bedeutung für Holzernte und Abfuhr, was bei einer Asphaltierung wesentlich aufwendiger wäre. Es würde eine massive Kostenmehrung geben, so Maier. Aus forstlicher Sicht sei der Weg im derzeitigen Zustand sehr gut geeignet, kurzfristige Sperrungen sind möglich und Schäden könnten mit entsprechenden Gerätschaften schnell "ausgebügelt" werden.

Bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern, so habe die Erfahrung gezeigt, könne man bei Gegenverkehr auch gut ausweichen. Darüber hinaus sei ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Der Forst müsste unter Umständen einen Weg neben der Straße bauen, die Salzstreuung sei für den Wald nicht förderlich. Insgesamt sei dieses Vorhaben als problematisch anzusehen.

In der Diskussion mit den Bürgern bemerkte der Obmann des Frankenwaldvereins Seibelsdorf, Karl Schoger, dass er sich neutral verhalten werde. In seinen Verein seien Befürworter und Gegner des Straßenausbaus. Der Hauptverein hatte sich wie der Bund Naturschutz im Vorfeld gegen eine Asphaltierung ausgesprochen.

Trotz der gewichtigen Argumente des Forstes meinte Helmut Leipold, dass der Mensch vor Wald und Wild kommen sollte. Er sprach sich für gleiche Lebensverhältnisse aus, zwischenzeitlich könnten meist schon Einzelgehöfte über asphaltierten Straßen anfahren werden.

Erwin Martini aus Mittelberg meinte, dass sich von den zehn Bewohnern in Mittelberg acht gegen einen Ausbau ausgesprochen hätten. "Da kommen genügend Leute hoch, wir brauchen keine asphaltierte Straße", sagte Markus Martini.

Für Franz Mairoser waren die Folgeerscheinungen ein wichtiges Argument gegen einen Ausbau. Dann wäre es beim Wanderbaren Deutschland und den Frankenwaldsteigla mit der Ruhe vorbei, es würde vermehrt Durchgangsverkehr mit Motorräder geben, meinte er.

Helmut Bürger sagte, dass er sich trotz Schritttempo schon zweimal die Reifen kaputt gefahren habe. Oliver Skall (SPD) stellte fest, dass Straßen die Bevölkerung interessieren. Seine Fraktion habe sich eine gewisse Zeit mit der Thematik beschäftigt. Sie habe festgestellt, dass viele Argumente gegen einen Ausbau sprächen und der derzeitige Charakter der Straße beibehalten werden sollte. Ähnlich äußerte sich Michael Linke (ÜWG). Es galt, mit den Fakten umzugehen, diese sauber aufzuarbeiten und nunmehr auf eine "halbe Autobahn" zu verzichten.

Auch für Michael Stöhr (CSU) standen nach einer anregenden Diskussion Nutzen und Kosten nicht im Verhältnis. Der Bürgermeister betonte vor der Abstimmung, dass Mittelberg der Gemeinde wichtig sei und man dort auch schnelles Internet mit Glasfaser bis ins Haus habe. Er dankte für die sachliche Diskussion.


Kurz notiert
Eingangs der Gemeinderatssitzung führen die Kinder der Volksschule eine selbst erstellte Computerpräsentation vor. Die Viertklässler haben mit der Rektorin Annegret Hümmrich und ihrer Stellvertreterin Karin Hader die Marktgemeinde im Internet erkundet.
Nach selbstständigen Erkundigungen zu den Gemeindeteilen, im Rathaus, den Freizeitmöglichkeiten, dem Flößermuseum und den Kindertagesstätten wurde die Präsentation angefertigt. Die Kinder fügten Bilder ein und gestalteten Folien mit entsprechenden Übergängen.
Darüber hinaus wurde mit Primolo.de eine Webseite erstellt, welche viele Seiten der Gemeinde verlinkt, sagte die Rektorin.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren