Steinwiesen
Rückblick

"Verrückte" Kronacher radelten nach Assisi

Hans Löffler erinnerte bei den Senioren in Steinwiesen an die Tradition der Radwallfahrten.
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Hans Löffler (rechts) bei der dritten Radwallfahrt mit einem Teil der Teilnehmer. Foto: privat
Hans Löffler (rechts) bei der dritten Radwallfahrt mit einem Teil der Teilnehmer. Foto: privat
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Sie waren ihrer Zeit voraus: Radwallfahrten zum heiligen Franziskus erfreuten sich schon vor Jahren großer Beliebtheit bei den Jugendlichen, aber seit der Papst Franziskus heißt, bekommen sie einen ganz anderen Stellenwert "Jugendliche konnten schon vor 20 Jahren für den großen Heiligen aus Assisi, den heiligen Franziskus begeistert, werden", sagt Hans Löffler, Leiter des Jugendbildungshauses am Knock in Teuschnitz enthusiastisch, als er von den neun Radwallfahrten nach Assisi und Rom erzählt.

Bei der jüngsten Zusammenkunft des Seniorentreffs im Pfarrsaal in Steinwiesen begann er, für ein "Trainingswochenende" zu werben, um mit den Senioren diese Wallfahrt noch einmal zu fahren. "Habt keine Angst, ich will Euch nur etwas davon zeigen und erzählen, mitfahren müsst Ihr nicht", stellte Löffler lachend klar, als er plötzlich erschrockene Gesichter sah.
Doch dieser kleine Scherz taute alle auf, und der lebhafte Vortrag von Hans Löffler tat sein Übriges dazu.

Der neue Papst

Seit der neue Papst Franziskus nach seiner Wahl am 13. März die Christen in der ganzen Welt so begeistert, bekommen die Worte des heiligen Franziskus eine ganz neue Dimension. Für den argentinischen Papst ist Franz von Assisi "der Mann der Armut, der Mann des Friedens, der Mann, der die Schöpfung liebt und bewahrt".

Der heilige Franz von Assisi ist ein Mensch, der aus den Erzählungen der Christen nicht wegzudenken ist. Sein ganzes Leben, angefangen von seiner guten und schönen Kindheit und Jugend bis hin zur dürftigen Kate, in der er mit Gott und der Natur im Einklang lebte, bewegt die Christen. Und viele erkennen im neuen Papst ein Stück des heiligen Franz wieder. Seine Einfachheit und Schlichtheit, das Zugehen auf die Menschen, das Helfen - all das sind Dinge, die auch über Franz von Assisi bekannt sind.

Der Heilige kannte eigentlich alle Facetten des Lebens. Er wuchs ohne Not auf und wollte berühmt werden - wie eben junge Menschen mit großen Träumen so sind. Er zog als Ritter in den Krieg, geriet in Gefangenschaft, und da passierte etwas mit ihm. Er begann, über das Leben nachzudenken und sah nach seiner Entlassung plötzlich alles mit anderen Augen. Da waren die Armen, Aussätzigen und Krüppel, die Verlassenen, Bettler und Ausgestoßenen. Und da war Franziskus, der sein Leben rigoros änderte. Der Legende nach sprach Gott in einer Kapelle von einem Kreuz herab zu ihm, und Franz fand seinen Weg in der Kirche, den er gehen wollte.

Jugendliche suchten ihren Weg

Auch die jungen Menschen, die sich für den Heiligen aus Assisi begeisterten, suchten ihren Weg und fanden ihn wenigstens ein Stück weit bei der Radwallfahrt zu den Stätten des Franziskus. Es war früher nicht leicht, junge Menschen für die Kirche zu begeistern, und das ist es auch heute nicht. Aber wenn man den "richtigen" Heiligen auswählt und ihn den Jugendlichen näher bringt, dann hat man viel gewonnen, weiß Löffler.

"Die Begeisterung, mit der sie sich mit dem heiligen Franz auseinandergesetzt haben, und die Erfahrungen, die gewonnen wurden, sind unbeschreiblich", erinnert sich Hans Löffler. Als er 1996 dazu "ausersehen" war, eine Radwallfahrt nach Assisi vorzubereiten, schüttelte er nur den Kopf. "Ich dachte nicht, dass da jemand die 1300 Kilometer mitfährt und lachte über diese spinnerte Idee. Und dass aus dieser für mich einmaligen Sache eine Tradition werden würde und sich neun Jahre lang immer wieder jedes Jahr 40 Teilnehmer fanden, daran hatte ich schon gar nicht gedacht", schüttelt der 55-Jährige heute noch den Kopf.

13 Tage ist die Gruppe unterwegs, 13 Tage auf dem Fahrrad, 100 Kilometer am Tag bei Sonne, Regen, Kälte und Hitze. "Es war kein Kindergeburtstag, sondern eine religiöse Erfahrung. Das Gebet, das Studium der Bibel und Eucharistiefeiern gehörten genauso dazu wie das Betrachten der herrlichen Natur", sagt Hans Löffler.

Start in Bamberg

Aufgeteilt in Gruppen von sechs oder sieben Jugendlichen starteten die circa 40 Radwallfahrer jedes Mal in Bamberg. Versehen mit dem Segen des Erzbischofs ging die Reise los. Es war keine "Tour de Assisi", sondern es zählte der Schwächste - und nach dem galt es sich zu richten. "Wir hatten auch alle einheitliche T-Shirts, damit alle wussten, da kommen sie wieder die ,Verrückten‘", sagt Löffler lachend, der sich sein Leben lang mit Gott und der Kirche ausein andergesetzt hat.

Begleitet von vier VW-Bussen, die vor allen Dingen mit Fahrradtechnik, Biertischgarnituren, Lebensmitteln und der mobilen Küche ausgestattet waren, wurde unterwegs in Jugendheimen, Klöstern und Turnhallen übernachtet. In Italien vorwiegend auch auf Campingplätzen. Die jungen Frauen und Männer entwickelten bald einen ganz anderen Blick für ihre Umgebung. Religiöse Symbole und Zeichen wie Wegkreuze und Figuren fanden sich überall am Pilgerweg.

Klöster und Kirchen wurden Zielpunkte, die in heißen Sommern regelmäßig Schatten spendeten und einen Platz zum "Energieauftanken" boten. "Es war auch lustig bei uns, sogar als es die ersten acht Tage einmal nur geregnet hat und niemand mehr trockene Klamotten hatte. Die Freude ging nie verloren", sagt der Leiter des Knocks nachdenklich.

Vor der österreichischen Grenze gab es noch ein deftiges Weißwurstessen, bevor man endlich am siebten Tag den Brenner in Angriff nehmen konnte. Für viele war es der schönste Augenblick, in der Brennerkapelle Andacht und dann in Brixen das große "Brennerfest" zu feiern. Man hatte die Berge geschafft. Ein Tag zum Ausruhen, Fahrradputzen und zum Behandeln der Muskelkrämpfe und kleineren Blessuren blieb den Teilnehmern bei jeder Radwallfahrt. Nicht länger, denn in der Po-Ebene und dem Apennin warteten viele in den kleinen Dörfern auf die "verrückten Deutschen", die jedes Jahr kamen und von den Einheimischen fürstlich mit Obst und Gemüse bewirtet und versorgt wurden.

Die Stadt entdeckt

Endlich am Ziel, übte Assisi in Umbrien einen eigenen Reiz auf die Radwallfahrer aus. Fünf Tage blieben sie dort, um Danke zu sagen, die Stadt kennen zu lernen und ganz einfach dem Heiligen nahe zu sein, bevor die Heimfahrt mit einem Bus angetreten wurde.

Aber warum übt dieser Franz von Assisi, den sich der neue Papst als Namenspatron erwählt hat, so eine Faszination aus? Es ist sein Leben, seine Ansichten und seine Freude an Natur und Tier. "Wenn wir in Assisi sind, schauen wir die Stadt mit den Augen des heiligen Franz an. Wir sehen einfache Kirchen und Kapellen, wie sie auch der Heilige gewollt hat. Aber wir sehen auch großen Prunk, wie ihn die Kirche zur Schau stellt", meint Hans Löffler. Aber egal wie und was man sieht, für die Radwallfahrer war Assisi jedes Jahr "einer der schönsten Orte der Welt". Und was auch noch zählte: In all den Jahren ist nichts Ernsthaftes passiert, alle sind wohlbehalten angekommen.
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