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Verein "Unser Frankenwald": Was vom Protest übrig bleibt

Was hat der Verein "Unser Frankenwald" ein Jahr nach dem Ende der Debatte um einen Nationalpark erreicht? Eine Spurensuche.
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Symbolbild: Fotolia
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Die Bilder wechseln im Sekundentakt. Kaum hat das Auge erkannt, dass sich die Fichten im glatten Wasser der Ködeltalsperre spiegeln, sind diese auch schon wieder verschwunden - und auf dem Bildschirm erscheint das nächste malerische Frankenwald-Panorama. Doch wer die Homepage des Vereins "Unser Frankenwald" besucht, dürfte sich gleich beim Anblick des dritten Bildes leicht irritiert am Kopf kratzen. "Braucht Bayern einen dritten Nationalpark?" steht über dem Foto einer von der Abendsonne gelblich eingefärbten Lichtung.
Gab Bayerns neuer Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Antwort nicht schon vor knapp einem Monat? "Wir stellen die Idee eines Nationalparks weit zurück", erklärte er doch Mitte April vor dem Landtag. Und überhaupt: Selbst falls Söder das Prestigeobjekt seines Vorgängers Horst Seehofer irgendwann wieder hervorkramen sollte, ist der Frankenwald doch längst aus dem Rennen.


Dialog fördern

Denn während sich am 18. Juli 2017 der Daumen des Kabinetts senkte, als es um die Frage ging, ob der dritte Nationalpark nach Oberfranken kommt, dürften die Mundwinkel der "Unser Frankenwald"-Mitglieder parallel nach oben gegangen sein. Nationalpark verhindert, Ziel erreicht? Nicht ganz. Es gehe darum, den Dialog um die Weiterentwicklung des Frankenwaldes zu fördern, erklärt der Verein auf seiner Internetseite. Aktuell werde dies aber noch von der Nationalparkdebatte überlagert - heißt es dort deutlich weniger aktuell.
Von den angekündigten Informationsveranstaltungen, Internet-Beiträgen oder Interviews mit betroffenen Personen und Experten, ist dort aber auch fast ein Jahr nach dem Ende der Debatte nichts zu sehen. Der jüngste Eintrag stammt von Ende Juli des vergangenen Jahres.


Nicht enttäuscht

Wird der Verein, der vor einem halben Jahr auf etwa 500 Mitglieder kam, im Umfeld des Frankenwalds so überhaupt wahrgenommen? "Seit dem Ende der Nationalparkdebatte habe ich von dem nichts mehr gehört und gesehen", sagt Markus Franz, der Geschäftsführer von Frankenwald Tourismus. Enttäuscht sei er davon aber nicht, dass eine Podiumsdiskussion die einzige Veranstaltung war, von der ihm der Verein als Ausrichter bekannt ist. "Es war ja so, dass es mehr der Nationalparkgegnerverein, als der Frankenwald-Entwicklungsverein war. So habe ich das jedenfalls empfunden", so Franz. "Von daher hatte ich zunächst auch nicht so viel erwartet."
Sollte der Verein jedoch Ideen einbringen wollen, wie der Frankenwald weiterentwickelt werden kann, sei er gerne bereit, sich an einen Tisch zu setzen.

Auf der anderen Seite würde dann wohl Ludwig von Lerchenfeld sitzen. Der CSU-Landtagsabgeordnete und Waldbesitzer aus Heinersreuth (Kreis Bayreuth) übernahm mit der Gründung den Vorsitz des Vereins. Er räumt zwar ein, dass der Internetauftritt etwas veraltet und der Verein in der Öffentlichkeit bislang eher wenig präsent ist, der Rückschluss, seit dem Ende der Nationalparkdebatte tue sich nichts mehr, sei aber falsch. "Wir sind aktiver denn je", betont von Lerchenfeld. "Wir treffen uns regelmäßig in Vorstandssitzungen und klären ab, wie wir auftreten wollen und was wir in den nächsten Monaten zu tun gedenken."


Was vorbereitet wird

Auf dem Frankenwaldtag in Schwarzenbach am Wald werde der Verein zum Beispiel mit einem eigenen Stand vertreten sein. Doch auch als Ausrichter wolle man wieder auftreten, verspricht von Lerchenfeld. Derzeit plane er etwa zusammen mit seinen Vorstandskollegen "eine große Veranstaltung, die ich zusammen mit dem Bund Deutscher Forstleute machen möchte. Mehr will ich dazu im Moment aber noch gar nicht sagen".


Rad nicht neu erfinden

Bis es soweit ist, dürften sich die Wurzeln der Fichten im Frankenwald wieder etwas tiefer in den Boden gegraben haben. Der Abgeordnete plant nämlich, erst die Landtagswahl abzuwarten. "Denn ich will nicht den Ruf haben, dass ich Dinge pushe, die mir in meinem Wahlkampf helfen", erklärt er. "Den Verein möchte ich nicht für den Wahlkampf nutzen."

Solange gelte es, den Verein weiter zu vernetzen. Eine enge Verbindung gebe es unter anderem zum Verein "Unser Steigerwald", der in seiner Region dieselben Interessen verfolgt. Mit dessen stellvertretendem Vorsitzenden Oskar Ebert tausche er sich regelmäßig aus. "Die haben wesentlich mehr Mitglieder und sind aktiver, weil es dort auch das Nachhaltigkeitszentrum gibt", sagt von Lerchenfeld, der das Rad nicht neu erfinden will. "Da macht es Sinn, sich zu vernetzen, um ähnliche Veranstaltungen zu machen und gleich zu denken."

Inzwischen sei er zudem in einem landkreisübergreifenden Kuratorium, in dem ein Konzept entwickelt werde, das den Frankenwald touristisch, wirtschaftlich und infrastrukturell weiterbringen soll.


Erste Samen ausgesät

Generell seien er und einige seiner Vorstandskollegen auf vielen Veranstaltungen zu Gast, die die Themen Wald oder Holz betreffen. "Wenn ich irgendwo spreche, tue ich das auch im Namen des Vereins", sagt der Heinersreuther. Erste Samen sind also offenbar im Wald der Öffentlichkeitsarbeit ausgesät. Bis daraus aber ausgewachsene Bäume werden, kann es bekanntlich einige Zeit dauern.

"Unser Frankenwald" muss sich neu gründen

So überraschend der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner den Frankenwald als Kandidaten für einen dritten bayerischen Nationalpark ins Spiel brachte, gründete sich auch der Verein "Unser Frankenwald".

Vielleicht sogar etwas zu überraschend. Denn die bei der Gründung gegebene Satzung wurde von den Finanzbehörden nicht als gemeinnützig anerkannt.

Ehrenamtlich "Wir mussten uns daher jetzt als Verein neu konstituieren", erklärt der Vorsitzende Ludwig von Lerchenfeld. "Da wir alle ehrenamtlich unterwegs sind, hat das alles halt ein wenig länger gedauert." Dieser Prozess sei nun aber abgeschlossen, so dass es nur noch einer Generalversammlung bedürfe, um das zu sein, was man schon vor einem Jahr sein wollte - ein gemeinnütziger Verein.

Kommentar von Marian Hamacher: Da muss noch viel mehr kommen
Das Image einer Protestgruppe haftet am Verein "Unser Frankenwald" seit seiner Gründung so fest wie die Rinde an einem Holzstamm. Geht es den Mitgliedern tatsächlich darum, neue Ideen einzubringen, den Frankenwald auf die Zukunft auszurichten oder als Netzwerk für holzverarbeitende Unternehmen und Personen zu dienen?

Dass solche Fragen auch ein Jahr nach der Gründung des Vereins noch im Raum stehen, macht es für diesen sicher nicht leichter, die Fragezeichen zu vertreiben und durch Ausrufezeichen zu ersetzen. Antworten ist er jedenfalls noch schuldig geblieben. Mangelnde Öffentlichkeitsarbeit auf einer Homepage ist das Eine, fehlende Aufmerksamkeit in der "Branche" das Andere. Dass der Verein bei anderen Organisationen, denen die Zukunft des Frankenwalds am Herzen liegt, bislang noch nicht sonderlich durch Taten aufgefallen ist, spricht für sich.

Denn auch wenn Mitglieder aus der Vorstandsriege auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen rund um das Thema Wald zu Gast sind: ein Konzept oder eine Ideenliste ist aus den Besuchen noch nicht entstanden. Doch gerade ein Verein, der aufgrund der Rahmenbedingungen seiner Gründung besonders kritisch beäugt wird, muss eigentlich in Vorleistung treten - was nicht geschehen ist. Was bislang kam, ist einfach zu wenig. Der Verein werde genau beobachten, was rund um den Frankenwald entschieden wird, nennt der Vorsitzende Ludwig von Lerchenfeld eines der Ziele. Wer einen solchen Anspruch vertritt, darf sich nicht wundern, wenn auch ihm kritisch auf die Finger geschaut wird.


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