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Kaltenbrunn
Opfer

Verbrechen verfolgen die Opfer ein Leben lang

Die Wunden eines Verbrechens verheilen für Angehörige ein Leben lang nicht, selbst wenn der Täter gefasst werden kann.
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Für die Angehörigen von Martina, Opfer eines unbekannten Mörders in Obertheres gibt es 42 Jahre Jahre nicht einmal mehr ein Grab. Foto: Archiv
Für die Angehörigen von Martina, Opfer eines unbekannten Mörders in Obertheres gibt es 42 Jahre Jahre nicht einmal mehr ein Grab. Foto: Archiv
Der Gesetzgeber hat dafür gesorgt, dass ein schweres Verbrechen wie Mord niemals verjährt. Auch wenn die "lebenslange" Haft, mit der ein Mord gesühnt wird, in Deutschland im Durchschnitt "nur" knapp 20 Jahre dauert, bleibt Mord ein Trauma für die Betroffenen: lebenslänglich.

Das zeigen zwei ganz ähnliche Fälle, die aber doch nicht unterschiedlicher sein könnten: Ende der 60er Jahre erschütterte eine Serie von sadistischen Mädchenmorden Kaltenbrunn bei Coburg. Der Täter wurde gefasst und verurteilt. Als sich nach 40 Jahren Haft 2013 die Gefängnistüren für den jetzt alten Mann öffneten, brachen alte Wunden wieder auf: Die Angehörigen des Täters und seiner Opfer leben großteils noch im gleichen Ort.
Wer in Kaltenbrunn heute nach dem Geschehen fragt, das mehr als eine Generation zurück liegt, stößt noch immer auf einer Mauer des Schweigens.

Ganz anders der Fall Martina in Obertheres bei Haßfurt. Der Mann, der das elfjährige Mädchen 1971 an einem Baggersee ermordet hatte, wurde nie gefasst. Ist er längst gestorben oder läuft er noch frei herum? War er aus dem gleichen Ort, ein Gesicht, das jeder kennt? Mit diesem Trauma muss auch Obertheres lebenslänglich leben, wie 2010 offenkundig wurde, als die Polizei wegen neuer Spuren im Fall Martina eine DNA-Reihenuntersuchung durchführte.

"Das war so, als würde man ein Pflaster mit Gewalt von einer frischen Wunde reißen", erinnert sich Richard Schmitt. Der Onkel des ermordeten Mädchens war unter den Ersten, die 1971 am Ufer des Baggersees nach der verschwundenen Kleinen suchten. "Am Tag vorher haben wir noch Blödsinn gemacht, gespielt. Ich habe das lachen von Martina immer noch vor Augen" , erzählt er. Ebenso hat sich der Ruf eines Suchhelfers in Gedächtnis gebrannt. Nach stundenlanger schweigsamer Suche am Ufer des Sees brachten die drei Worte Richard Schmitt und allen anderen grausige Gewissheit: "Da liegt sie."

Das sind die großen Fälle, die Schlagzeilen machen. Doch selbst da fällt das Licht der Öffentlichkeit selten auf die Opfer, meist auf die Täter und die Umstände ihres Verbrechens. Knapp 2000 Männer und Frauen sitzen in Deutschland "lebenslang" im Gefängnis, in aller Regel wegen Mord. Den Angehörigen ihrer Opfer bleibt ein Leben lang die Trauer, ein Grab für die Erinnerungen.
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