Kronach
Behandlung

Verätzte Schnauze: Setzten Raupenhaare einem Kronacher Hund zu?

Der Hund einer Ziegelerdenerin hat tagelang Schmerzen gelitten. Schuld daran ist allem Anschein nach der Kontakt mit Raupenhaaren.
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Die Lebensfreude kehrt zurück. Luana ist froh, dass es ihrem vierbeinigen Kumpel wieder besser geht. Dennoch ist der zweijährige Luke immer noch an der Schnauze gezeichnet. Foto: Marco Meißner
Die Lebensfreude kehrt zurück. Luana ist froh, dass es ihrem vierbeinigen Kumpel wieder besser geht. Dennoch ist der zweijährige Luke immer noch an der Schnauze gezeichnet. Foto: Marco Meißner
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Endlich kann die sechsjährige Luana wieder lächeln, wenn sie Luke knuddelt. Vor einigen Tagen musste die Familie Lang aus Ziegelerden noch um ihren Vierbeiner bangen, inzwischen befindet sich der Australian Shepherd wieder auf dem Weg der Besserung.

Der zweijährige Hund hat tagelang gelitten - allem Anschein nach wegen eines winzigen Auslösers. Die Symptome sprechen aus Sicht von Tierärzten dafür, dass er in Kontakt mit Haaren des Eichenprozessionsspinners gekommen ist.

Verdacht erhärtet sich

Besitzerin Carina Lang vermutet, dass Luke bei einem Spaziergang im Bereich Haingasse/Festung in Kronach in Kontakt mit den Härchen gekommen sein könnte. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem an der Schnauze wurden die Folgen augenscheinlich. Es bildeten sich Blasen. "Die wurden immer größer", schildert Carina Lang die Entwicklung. Umgehend wurde der tierärztliche Notdienst aufgesucht, Medikamente wurden verabreicht und zu Hause wurde der Hund gebadet, um mögliche Auslöser der Erkrankung aus dem dichten Fell zu bekommen.

Doch während die elfjährige Mischlingshündin Coco, der ein solcher Kontakt offenbar erspart blieb, unbeschwert weiter bei den Langs herumtollte, veränderte sich bei Luke immer mehr auch der Gemütszustand. "Er hatte keinen Spaß mehr", erzählt Carina Lang. "Er hat die ganze Nacht gejammert und versucht, sich zu kratzen."

Verschiedene Tierärzte stellten verschiedene Theorien bis hin zur möglichen Futterunverträglichkeit auf. Die Behandlung blieb zunächst erfolglos. In einer Praxis in Untersiemau erhärtete sich dann der Verdacht, dass die Raupe Schuld haben könnte. "Luke bekam Langzeitkortison und Antibiotikum - das brachte den Erfolg", freut sich die Ziegelerdenerin über die Wende zum Guten. Die Schnauze des Vierbeiners ist zwar immer noch schwer gezeichnet, doch heilen die Blasen ab. Auch an den Ohren verkrusten die angegriffenen Stellen. Und vor allem: Lukes Lebensfreude kehrt zurück.

Allen Hundehaltern, aber auch Eltern, rät Carina Lang nun, bei Spaziergängen etwas genauer auf die Umgebung zu achten. So lassen sich in manchen Fällen vielleicht böse Überraschungen vermeiden - für Tier und Mensch.

Das sagt der Fachmann

Ein Fall, wie der von Australian Shepherd Luke, ist Markus Heckel, Sachgebietsleiter des Kronacher Veterinäramts, noch nie untergekommen. Das liege aber daran, dass Verletzungen durch Eichenprozessionsspinner nicht meldepflichtig sind.

Kommt ein Tier mit den Haaren der Raupe in Berührung, können die Symptome von Müdigkeit über Juckreiz oder Ausschläge bis hin zu einer Bindehautentzündung oder Atemnot reichen. "Es kommt natürlich darauf an, an welcher Körperstelle der Kontakt mit den Brennhaaren stattgefunden hat", erklärt Heckel.

Reaktion erfolgt schnell

Dringen die Haare in die Bronchien, lösen sie starken Husten aus. Außerdem können Nasen- , Augen- sowie Rachenschleimhaut anschwellen und verätzen. Selbst ein allergischer Schock ist möglich. "Allgemein gilt: Nur die Dosis macht das Gift", erklärt der Veterinär. "Bei entsprechenden Vorerkrankungen kann der Kontakt von massiven Schwellungen sogar bis zum Tod führen."

Kommt ein Hund beim Gassigehen an die Brennhaare, rät Heckel, die betroffene Stelle zunächst mit Wasser zu reinigen und danach zu beobachten, wie das Tier reagiert. "Im Nasenbereich zeigt sich eine allergische Reaktion in kürzester Zeit. Dann sollte man sofort zum Tierarzt gehen."

Eichen meiden

Allgemein gilt, beim Spazieren aufmerksam zu sein und Eichen zu meiden. Maulkörbe können übrigens nicht vor den Härchen schützen. "Hunde schnüffeln und suchen trotzdem, das ist einfach ihr artspezifisches Verhalten. Da nutzt auch der ganze Maulkorb nichts."

Doch nicht nur Hunde seien durch den Eichenprozessionsspinner gefährdet, meint Heckel: "Für Pferde ist das auch nicht ganz ohne, beispielsweise wenn die Koppeln von Eichen gesäumt sind."

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