Laden...
Steinwiesen
Geschichte

Uropa einer Steinwiesenerin war ein tapferer Offizier im Ersten Weltkrieg

Der Urgroßvater von Ulrike von Prince aus Steinwiesen kämpfte im Ersten Weltkrieg in Deutsch-Ostafrika. Auf Grund seiner Verdienste wurde er vom Kaiser geadelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Peter und Ulrike von Prince blättern in den beiden Büchern der Urgroßeltern. Die Werke sind 1903 und 1914 erschienen. Foto: Friedwald Schedel
Peter und Ulrike von Prince blättern in den beiden Büchern der Urgroßeltern. Die Werke sind 1903 und 1914 erschienen. Foto: Friedwald Schedel
+8 Bilder
Der Erste Weltkrieg begann vor genau 100 Jahren. Daran erinnern sich Ulrike von Prince und ihr Mann Peter, als sie im Aparthotel in Faksimile-Ausgaben von Büchern blättern, die vor über 100 Jahren erschienen sind. Die Bücher wurden von den Urgroßeltern von Ulrike von Prince geschrieben: Tom von Prince und dessen Frau Magdalene, geb. von Massow. Die Original-Ausgaben der Bücher befinden sich im Besitz der Eltern von Ulrike von Prince in Südafrika.

Der Urgroßvater war ein bedeutender Mann in Deutsch-Ostafrika und wurde von den Einheimischen ehrfürchtig "der weiße Herr ohne Furcht" genannt. Unter diesem Titel hat Herbert Patera ein Buch über den Schutztruppenhauptmann Tom von Prince geschrieben. Die Urgroßmutter wurde von Kaiser Wilhelm II. als tapferste Frau Deutschlands bezeichnet. Magdalene von Prince, geb. von Massow, war die erste weiße Frau in Deutsch-Ostafrika - zwischen Daressalam und dem Tanganika-See.


Geboren in Madagaskar

In der Familie derer von Prince gibt es zahlreiche Verbindungen zwischen Deutschland, Österreich und Afrika. Der Urgroßvater von Ulrike von Prince wurde in Madagaskar geboren (siehe nebenstehender Bericht), Vater und Mutter leben in Südafrika. Die in die Familie von Prince einheiratenden Damen waren alle adeligen Standes. Tom von Prince und seine Frau Magdalene, geb. von Massow, waren in Deutsch-Ostafrika sehr geachtete Leute. Die Einheimischen schätzten sie sehr. Der gute Ruf drang bis nach Deutschland. Der Kaiser war froh, solch tapfere Eheleute in den Kolonien zu haben und Tom von Prince und seine Frau waren stolz, Deutschland dienen zu dürfen.

Nachdem ihr Mann Tom von Prince 1914 in der Schlacht von Tanga gefallen war, wurde Magdalene von Prince zusammen mit ihrem Gefolge aus Ostafrika "zurückverfrachtet" (vertrieben). Sie starb später in Wien.
Über ihr Leben in Deutsch-Ostafrika schrieb sie ein Buch, das 1903 erschien. Unter dem Titel "Eine deutsche Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas" veröffentlichte sie ihre Tagebuchaufzeichnungen, die sie festhielt, als sie bei den vielen Expeditionen zusammen mit ihrem Mann von Daressalam aus nach Westen unterwegs war. Ihre blumige und edle Sprache fesselt beim Lesen.


Im Krieg gefallen

Auch Tom von Prince schrieb kurz vor seinem Tod ein Buch, das vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erschien. Darin hielt er seine Erinnerungen an seine ostafrikanische Leutnantszeit zwischen 1890 und 1895 fest und nannte sie "Gegen Araber und Wahehe". Anfangs wollte er seine Gedanken nicht preisgeben, aber Hermann von Wissmann, der die Kolonie im Auftrag des Kaisers aufbaute, drängte ihn dazu. Auf Mauritius, wo Tom von Prince geboren wurde, steht ein großes Denkmal, das an die Leistungen des Offiziers erinnert.

Auch der Großvater von Ulrike von Prince wurde Offizier und fiel im Zweiten Weltkrieg. Da war ihr Vater gerade ein Jahr alt. Der und seine beiden älteren Schwestern wurden zusammen mit der Großmutter vom Gutshof in Schlesien vertrieben und landeten am Bodensee. Da der Vater von Ulrike von Prince der einzige männliche Nachkomme war, der den Namen von Prince weitertragen konnte, durfte er nicht in den Militärdienst. Er wurde Maschinenschlosser und arbeitete mehrere Jahre auf einem Schiff. Im Alter von 25 Jahren ging er nach Südafrika, um den Onkel zu besuchen. "Das hat ihm so gefallen, dass er dort hängengeblieben ist", sagt Ulrike von Prince mit einem Augenzwinkern. In Südafrika hat ihr Vater ihre Mutter kennen gelernt, eine dort geborene Adlige österreichischer Abstammung. "Die Wurzeln der Familie meiner Mutter reichen bis zu Kaiserin Maria Theresia zurück", erinnert sich Ulrike von Prince, die folglich ebenfalls in Südafrika geboren wurde.


Erinnerungen an den Krieg

Aber wie kam sie nach Steinwiesen? Sie wollte an der Fachhochschule Coburg studieren und war bei einem Cousin in Grub am Forst zu Gast. Dessen Haus baute ihr späterer Mann Peter, der von Beruf Maurer- und Betonbaumeister ist. Die beiden lernten sich kennen und lieben - und zogen nach Steinwiesen.

Erinnerungen an den Krieg hat Ulrike von Prince nur aus den Büchern. Die Oma wollte wegen der schrecklichen Ereignisse nichts erzählen. "Sie wollte keine Kriegsgeschichten, weil sie ihren Mann im Krieg und danach ihren ganzen Besitz verloren hat", berichtet Ulrike von Prince. Aber sie hat ja die Bücher ihrer Urgroßeltern.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren