Unterrodach
Lebensmittel

Unterrodacher Stammtisch testet roten Presssack aus der Region

Wo schmeckt der rote Presssack am besten? Ein Stammtisch in Unterrodach macht jetzt die Probe aufs Exempel.
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Sorgsam testen (von links) die Stammtischler Klaus und Olaf, Wirtin Evi Quast, Initiator Hans Götz sowie Stammtischler Karl in der dritten Vorrunde zwei Sorten roten Presssack.Heike Schülein
Sorgsam testen (von links) die Stammtischler Klaus und Olaf, Wirtin Evi Quast, Initiator Hans Götz sowie Stammtischler Karl in der dritten Vorrunde zwei Sorten roten Presssack.Heike Schülein

Die Blicke sind kritisch: Stimmt das äußere Erscheinungsbild? Und wie sieht es mit dem Geschmack aus? Die sieben Testesser am Stammtisch der "Flößerstube" in Unterrodach, sechs Männer und eine Frau, nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Sorgsam begutachten sie die beiden mundgerecht geschnittenen Scheiben roten Presssacks von allen Seiten. Mit viel Bedacht kosten sie die fränkischen Leckerbissen, um sie anschließend nach bestem Wissen und Gewissen zu beurteilen, und das ist gar nicht so einfach.

"So knapp wie heute war es bislang noch nie, weil beide sehr gut schmecken", sagt Hans Götz, Initiator des Presssack-Contests. Seit drei Wochen finden sich die Testesser regelmäßig im Gasthaus "Flößerstube" ein. Umfassend beschäftigen sie sich dort mit einem Lebensmittel, das auf keinem Brotzeitteller in Franken fehlen darf, aber mittelfristig vom Wurstmarkt verschwinden könnte. Die Männer und Wirtin Evi Quast geht es sozusagen um Artenschutz für diese alte Wurstsorte.

Fast ein Grundnahrungsmittel

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Flößermuseums wird aus diesem Grunde in der urigen Gaststube jeden Donnerstag um 11 Uhr eine Verkostungsrunde durchgeführt. "Der Bezug zu den Flößern ist unausweichlich, denn diese Wurst galt und gilt heute noch als Lieblingsspeise dieses Berufsstandes", sagt Götz. Umso wichtiger empfinden es die Teilnehmer, diesem fränkischen Grundnahrungsmittel zu nachhaltigem Ansehen zu verhelfen.

Der rote Presssack kommt zwar aus einfachen Verhältnissen, kann aber als "ehrlichste" Wurst bezeichnet werden. Seine Entstehung verdankt er den früher üblichen Hausschlachtungen. "Damals sollte nichts vom Geschlachteten verloren gehen, weshalb man für diese Kochwurst das Kopffleisch und die Schwarten des Schweines verarbeitet hat", wissen die Stammtischler. Mit einem Anteil Blut erzeugte man das feine Rot der Wurst. Die Zutaten mögen auch eine Ursache dafür sein, dass diese Wurstware bei der jungen Generation nicht mehr den Anklang findet wie anno dazumal.

Aufs Gewürz kommt's an

Mit dem roten Presssack wird sich die Verkostungsrunde auch in den nächsten Wochen beschäftigen, denn es gilt, das schmackhafteste Exemplar zu finden. Und da spielen auch die verwendeten Zutaten wie Piment, Majoran, Pfeffer oder Zwiebeln eine gewichtige Rolle.

Schmeckt das Gewürz vor oder begleitet es angenehm? Das ist in der Regel der Punkt, an dem sich die kontroversen Diskussionen entzünden und leidenschaftlich bis zur Abstimmung ausgetragen werden. Denn nur eine der zwei zur Auswahl gestellten Portionen Presssack kommt in die nächste Runde. Produkte von acht heimischen Metzgern werden probiert und bewertet. Im Halbfinale werden aus den vier Vorrunden-Siegern die beiden Teilnehmer des Finales gekürt.

"Die Qualität ist sehr gut. Das macht es so schwierig", konstatieren Karl, Klaus, Olaf und Gerwin, die sich dem Genuss der Spezialität hingeben. Als Gast ist Tom dabei, dem als einzigem beide Versucherla nicht so recht munden. "Die könnten würziger sein", meint er kritisch.

Denkbar knapp

Und da ist noch Stammtisch-Mitglied Christian Schwaß, der die rundliche Köstlichkeit nicht anrührt. "Ich habe Presssack noch nie versucht", gibt der Unterrodacher unumwunden zu. In seiner Heimat Mecklenburg kenne man Presssack nicht. Außen vor ist Schwaß trotzdem nicht, im Gegenteil: man hat ihn zum "Presssack-Sprecher" ernannt. In dieser Funktion kann er dann auch den Sieger dieser Vorrunde verkünden. Das Ergebnis fällt mit vier zu drei Stimmen denkbar knapp aus. Zünglein an der Waage war Olaf, der geschmacklich kaum Unterschiede sah, sich aber am optischen Erscheinungsbild störte, sprich an der Plastikhaut. Es sei nun einmal Tradition, dass Presssack von einem Saumagen umhüllt wird, und es gebe ja schließlich schon genug Plastik.

Zur Ehrenrettung erklärt Götz, der als einziger die jeweiligen Metzgereien kennt, dass der Lieferant seinen Presssack auch im Naturdarm anbietet. Aufgrund des hervorragenden Geschmacks will man diesem eventuell eine zweite Chance geben.

Umschlagplatz für Leckereien

Viel Zeit bleibt nicht, da in der kommenden Woche bereits die Vorrunden abgeschlossen werden sollen. Voraussichtlich in knapp drei Wochen wird Unterrodach dann endgültig zur "Hauptstadt des roten Presssacks", wenn nach dem großen Finale die mit Spannung erwartete Siegerehrung ansteht.

Laut Götz spricht nichts gegen eine Fortsetzung des Contests im nächsten Jahr, dann vermutlich mit der weißen Variante. Wirtin Evi Quast kommt diese Form des Genießens entgegen, denn in ihrem Gasthaus ist es erlaubt, Brotzeiten mitzubringen. "Wir sind ein Umschlagplatz für verschiedene Leckereien", lacht sie. Das Aufrechterhalten der fränkischen Heimat- und Wirtschaftskultur ist ihr ein Herzensanliegen.

Am Contest kann sich übrigens jeder beteiligen, der glaubt, die sensorischen Voraussetzungen mitzubringen. Die Teilnehmerzahl wird lediglich durch die Zahl der Plätze am Stammtisch begrenzt.

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