Kronach
Unfall

Kronach: Junge (8) 60 Meter mitgeschleift und unter Busreifen eingeklemmt - Fahrer bemerkt es nicht

Schwere Verletzungen erlitt ein achtjähriger Junge, als er in Kronach von einem Bus erfasst und mitgeschleift wurde. Das Kind wurde ins Klinikum geflogen. Der Busfahrer bemerkte den Unfall zunächst nicht. Über den Grund dafür wird bereits spekuliert.
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Ein achtjähriges Schulkind wurde am Donnerstag in Kronach  bei einem Unfall mit einem Bus schwer verletzt. Foto: Freiwillige Feuerwehr Kronach
Ein achtjähriges Schulkind wurde am Donnerstag in Kronach bei einem Unfall mit einem Bus schwer verletzt. Foto: Freiwillige Feuerwehr Kronach
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Auch zwei Stunden nach dem Unfall steht der Schulbus unverändert an derselben Stelle. Ganz rechts am Straßenrand der Kronacher Stöhrstraße, 30 Meter hinter der Kreuzung mit der Kreuzbergstraße. Erst jetzt setzt ein Fahrer den linken Blinker und fährt das Fahrzeug davon. Denn nun hat auch der Gutachter seine Arbeit beendet, der die Straße ebenso wie das Gefährt im Auftrag der Coburger Staatsanwaltschaft unter die Lupe genommen hat.

Seine Erkenntnisse und die Aussagen von Zeugen sollen dazu beitragen, dass die Polizei einen klareren Blick auf ein Bild erhält, das derzeit noch einige unscharfe Stellen aufweist. Denn fest stehen bislang nur wenige traurige Fakten: Ein Schulbus hat am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr einen achtjährigen Jungen, der mit seinem Tretroller gerade eine Ampelkreuzung überqueren wollte, erfasst und das Kind dabei an den Beinen so stark verletzt, dass es mit einem Rettungshubschrauber ins Bayreuther Klinikum gebracht werden musste. In Lebensgefahr soll sich der Junge aber nicht befunden haben.

Genaue Aussagen darüber, was passiert ist, können noch keine getroffen werden. Allerdings geht die Polizei nach bisherigen Erkenntnissen von folgendem Ablauf aus: Als der zu diesem Zeitpunkt noch unbesetzte Schulbus, der von der Kreuzbergstraße stadteinwärts unterwegs war, bei Grün nach rechts in die Stöhrstraße in Fahrtrichtung Steinberg abbiegen wollte, stieß der Schüler, der zuvor parallel zum Bus fuhr, gegen die rechte Seite des Fahrzeugs.

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Dort wurde er von der Hinterachse eingeklemmt und etwa 60 Meter mitgeschleift. "Der Busfahrer hat das aber wohl gar nicht gemerkt", erklärte ein Polizist der Kronacher Inspektion vor Ort.

Straße nach Unfall drei Stunden gesperrt

Ein Motorradfahrer, der den Unfall mitbekommen hatte, habe den Bus daher überholt und ausgebremst. Der nach wie vor eingeklemmte Junge wurde nun von der Feuerwehr Kronach geborgen und nach der Erstversorgung durch den Notarzt schwer verletzt nach Bayreuth geflogen.

Aufgrund der Rettungs- und späteren Ermittlungsarbeiten war die Stöhrstraße rund drei Stunden für den Verkehr gesperrt. Beim Friesener Kreisel wurde zudem der Schwerlastverkehr wieder in Richtung B 185 abgeleitet, um ein Verkehrschaos zu verhindern.

Auch wenn die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft erst noch klären müssen, weshalb der Busfahrer nicht mitbekam, dass er gerade einen Jungen samt dessen Tretroller mit seinem Fahrzeug erfasst hatte, schwirrte ein möglicher Grund rund um die Unfallstelle schnell durch die Luft: der tote Winkel.

Hohes Gefahrenpotenzial: Toter Winkel

Also jener Bereich in geschlossenen Fahrzeugen, der trotz Rückspiegeln nicht einsehbar ist - sei es vor dem Fahrzeug, dahinter oder an den Seiten. "Alles, was hinter dem Einstieg liegt, kann der Busfahrer nicht so gut einsehen. Bei Reisebussen gibt es daher ja auch ein Kamerasystem oder Spiegel, damit man zum Beispiel vorne sieht, ob hinten noch jemand einsteigt", heißt es aus den Reihen einer Fahrschule, die namentlich nicht genannt werden möchte.

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Toter Winkel: Was alleine nicht reicht

Technische Lösungen gibt es inzwischen einige. Seien es Kamera- oder Sensorsysteme, die dabei helfen, zu erkennen, ob sich jemand im toten Winkel befindet. Woran es hapert? Am Geld. Solange der Gesetzgeber keine Vorgaben macht, werde nichts passieren, ist man in der Fahrschule überzeugt. Auf freiwilliger Basis alleine gehe es nicht. Das zeige die Vergangenheit.

Immerhin haben sich im April die Verkehrsminister der Länder dafür ausgesprochen, sogenannte Assistenzsysteme beim Abbiegen für Lastwagen europaweit verpflichtend einzuführen. Dass es tatsächlich so weit kommt, heißt das allerdings nicht. Sie haben lediglich die Bundesregierung aufgerufen, sich für diesen Vorschlag einzusetzen.

Die Auswirkungen könnten weitreichend sein. Nach Angaben des ADAC glauben Unfallforscher, dass 60 Prozent aller schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle durch solche Systeme verhindert werden könnten.

Gerade Kinder werden häufig Opfer schwerer Verkehrsunfälle.Erst am Dienstag starb ein Neunjähriger bei einem missglückten Überholmanöver einer 85-Jährigen in Detmold.

So können Sie sich als Fußgänger und Radfahrer schützen

Besonders aufmerksam sollten Fußgänger und Radfahrer sein, wenn sie auf der gleichen Höhe stehen wie ein Bus oder ein Lkw, der rechts abbiegen will. Der ADAC hat daher einige Verhaltenstipps erstellt, die dabei helfen sollen, nicht Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden: 1. Am besten ist es, sich als Fußgänger oder Radfahrer gar nicht erst im Toten Winkel eines Fahrzeugs aufzuhalten. An Kreuzungen sollte man entweder deutlich sichtbar vor oder weit rechts hinter einem Lkw oder Bus stehen bleiben und warten, bis dieser ganz abgebogen ist. Gleiches gilt an einer roten Ampel. 2. Wenn Fußgänger oder Radfahrer den Lkw- oder Busfahrer im Spiegel seines Fahrzeugs nicht sehen können, werden auch sie nicht vom Lkw- oder Busfahrer gesehen.

3. Bei unklaren Verkehrssituationen lieber auf das eigene Vorrecht verzichten und so einen Unfall vermeiden.

4. Beim Überqueren der Straße umdrehen und sich vergewissern, dass man vom Rechtsabbieger wahrgenommen wurde und das eigene Vorrecht beachtet wird. 5. Achtung: Die Blinker eines Lastwagens befinden sich vorne und hinten am Fahrzeug. Dadurch ist es für einen neben dem Lastwagen stehenden Fußgänger oder Radfahrer schwierig zu erkennen, ob der Lkw abbiegen möchte. Quelle: ADAC



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