Kronach
Ordnungswidrigkeit

Und täglich grüßen in Kronach die Wildpinkler

Wenn die Blase drückt, erleichtern sich einige Kronacher am helllichten Tag ungeniert in der Öffentlichkeit. Sollten Sie dabei von der Polizei erwischt werden, drohen ein Bußgeld oder sogar eine Anzeige.
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Ungeniert erleichtert sich ein Wildpinkler in am Stamm einer Linde neben einer Parkbank. Foto: Cindy Dötschel
Ungeniert erleichtert sich ein Wildpinkler in am Stamm einer Linde neben einer Parkbank. Foto: Cindy Dötschel

Mittagspause in einem Büro in Kronach. Die Mitarbeiter lassen beim Essen ihren Blick aus dem Fenster auf die angrenzende Grünfläche schweifen - und das Essen bleibt ihnen fast im Hals stecken: Ein etwa 60-jähriger Mann hat die Hosen heruntergelassen und erleichtert sich ungeniert am Stamm einer strammen Linde direkt vor dem Fenster. In aller Öffentlichkeit. Am helllichten Tag.

Damit noch nicht genug: Nachdem der Uriniervorgang beendet ist, lässt sich besagter Herr noch etwa zwei Minuten den frischen Wind um sein Gemächt wehen. Es ist wie ein Verkehrsunfall: Die unfreiwilligen Zeugen wollen es wirklich nicht sehen, müssen aber immer wieder hinschauen. Die Empörung ist groß, der Ekel noch größer und der Appetit definitiv vergangen.

Szenen wie diese sind kein Einzelfall. Sie wiederholen sich fast täglich, lediglich die Darsteller wechseln. "Es gibt in Kronach einige Stellen, von denen bekannt ist, dass dort hin und wieder gepinkelt wird", bestätigt Dorothea Biesenecker vom städtischen Ordnungsamt, etwa den Bereich rund um den Marienplatz und den Stadtgraben.

Ordnungsgeld droht

Auch Parkanlagen wie das LGS-Gelände und die Grünfläche an der Adolf-Kolping-Straße seien bei Wildpinklern beliebt. "Ich habe es selbst schon mal während einer Veranstaltung gesehen", berichtet Biesenecker weiter. "Das ist nicht schön anzusehen, wenn drei Männer nebeneinander an der Mauer stehen. Das muss nicht sein."

Das öffentliche Austreten ist nicht nur unschön anzusehen, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Paragraf 3, Absatz 4 der Kronacher Reinigungsverordnung besagt: "Insbesondere ist in öffentlichen Anlagen verboten, die Notdurft zu verrichten." Ein Verstoß kann laut Bußgeldkatalog mit bis zu 1000 Euro geahndet werden.

Praktisch kommt das zwar nicht vor. "Aber wenn die Kollegen jemanden erwischen, wird natürlich eine Anzeige geschrieben", betont der Pressesprecher der Kronacher Polizei, Gerhard Anders. Auch ohne die Verordnung der Stadt greife in so einem Fall das Ordnungswidrigkeitengesetz. "Es gibt in Kronach genügend Einrichtungen mit öffentlichen Toiletten, die genutzt werden können - und das sollte man auch tun." Immerhin belästige öffentliches Pinkeln, zum Beispiel durch unangenehme Gerüche, die Allgemeinheit. "Da wird keiner sagen, dass er das schön findet, wenn jemand einfach irgend wo hin pinkelt."

Bereich der Sachbeschädigung

Das Kronacher Ordnungsamt ahndet den Verstoß in der Regel mit 35 Euro. "Bei gravierenden Fällen kann es aber auch mehr werden", erläutert Amtsleiter Dieter Krapp. "Wenn jemand eine Hausfassade oder zum Beispiel den Blumentopf vor einem Geschäft anpinkelt und dadurch Verätzungen entstehen sollten, bewegen wir uns im Bereich der Sachbeschädigung", merkt der Polizei-Pressesprecher außerdem an. Dazu zähle bereits ein erhöhter Reinigungsaufwand.

Allerdings sei es schwierig, den öffentlichen Urinierern habhaft zu werden: "Das Problem ist, dass Wildpinkler anonym sind. Denjenigen im Nachhinein ausfindig zu machen, ist fast unmöglich." Dass die illegalen Wasserlasser auf frischer Tat ertappt werden, ist laut Polizei nur selten der Fall. "Wenn wir eine Handvoll Anzeigen schreiben, ist das schon viel", schildert Anders die Lage. Darum seien Polizei und Ordnungsamt auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: "Wenn man das sieht, kann man das auf jeden Fall bei uns oder der Polizei anzeigen", appelliert Krapp an die Kronacher.

"Wir benötigen fundierte Angaben, bevor wir einen Bußgeldbescheid ausstellen können," pflichtet ihm der Ordnungsamtsleiter bei. Wildpinkeln sei Erregung öffentlichen Ärgernisses. "Das sollte man unterlassen. Es ist nicht gut, so was zu tun."

Kommentar von Sandra Hackenberg:

Liebe Männer, es geht nicht darum, euch an den Pranger zu stellen. Sicher kommt es auch mal vor, dass sich Damen in der Öffentlichkeit erleichtern. Nichtsdestotrotz seid es im Alltag in den meisten Fällen ihr, die Herren der Schöpfung, die am Baum oder an der Parkmauer stehen - weil ihr bei diesem Thema einfach einen anatomischen Vorteil habt. Wenn die Blase drückt, ist es natürlich bequemer, mal schnell hinter der nächsten Linde zu verschwinden.

Aber mal ehrlich: Muss das in aller Öffentlichkeit sein? Ganz davon abgesehen, dass ihr kein gutes Vorbild abgebt: Oft spielen - keine Stunde, nachdem ihr eure Blase entleert habt - exakt an der Stelle Kinder oder Hunde wälzen sich durchs Gras. Also: Überlegt euch das nächste Mal, wenn die Natur ruft, doch bitte, ob es die paar zusätzlichen Meter bis zur nächsten öffentlichen Toilette nicht doch wert ist.

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