Kronach
Sicherheit

Üben für das Horrorszenario: So ist die Festung Rosenberg auf eine Brand-Katastrophe vorbereitet

Die Brandkatastrophe in Paris schockiert, scheint jedoch weit weg von der eigenen Heimat. Doch was, wenn das Wahrzeichen Kronachs plötzlich in Flammen steht? Auch die Festung Rosenberg beherbergt wertvolle historische Relikte.
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2017 testete die Küpser Feuerwehr, ob sie mit ihrer Drehleiter hoch zur Festung kommt. Es ging eng zu, aber nicht zu eng. Foto: Archiv/Stefan Wicklein
2017 testete die Küpser Feuerwehr, ob sie mit ihrer Drehleiter hoch zur Festung kommt. Es ging eng zu, aber nicht zu eng. Foto: Archiv/Stefan Wicklein

Die Festung Rosenberg brennt lichterloh, doch die Einsatzkräfte der Feuerwehr bleiben mit ihrer Drehleiter in der engen Toreinfahrt stecken. Nach dem verheerenden Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame stellt sich die Frage, wie die eigene Stadt auf ein solches Horrorszenario vorbereitet wäre. Der Gedanke ist nicht abwegig: Denn die Feuerwehren des Landkreises Kronach sorgen für genau diesen Fall vor. Die passende Drehleiter ist bereits gefunden.

Als Wahrzeichen Kronachs thront die Festung über der Stadt. Die Feuerwehr ist regelmäßig mit mehreren Gruppen des Landkreises für Übungseinsätze vor Ort. "Ein solcher Großbrand wäre nämlich nicht alleine zu bewältigen", sagt Stefan Wicklein, Pressesprecher der Stadt Kronach. Die Architektur des Gebäudes birgt bei einem Löscheinsatz Schwierigkeiten: "Die Festung ist kein super zugängliches Objekt", meint Kreisbrandinspektor Joachim Ranzenberger. Das sieht Wicklein genauso: "Das Tor ist nicht für jedes Fahrzeug anfahrbar."

Die Küpser Feuerwehr ist gefragt

Bei den Übungen wurde getestet, welche Drehleitern es überhaupt durch die gewundene Einfahrt schaffen. Das Küpser Feuerwehrauto gewann. Eine erste Anfahrt im September 2017 zeigte, dass das Fahrzeug dabei den mittleren Wallgraben erreichen kann. "Und wo man mit dem Auto nicht mehr hinkommt, muss man eben zu Fuß weiter", fasst Ranzenberger zusammen.

Aufgrund der Berglage sei es zudem kompliziert, Löschwasser nach oben zu transportieren. Zwar gebe es an der Festung mehrere Zisternen, doch das Wasser daraus würde wahrscheinlich nicht ausreichen, um einen Brand zu löschen, vermutet Wicklein. Daher müsste zusätzliches Wasser aus der Haßlach abgepumpt und den Berg hochbefördert werden. Dafür wurde bereits ausgemessen, an welchen Punkten der Schlauchstrecke jeweils Verstärkerpumpen angebracht und Einsatzleute stehen müssten.

Kein gewöhnlicher Rauchmelder

Im Rahmen der Jufa-Baustelle sei auch der Brandschutz in dem historischen Gebäude modernisiert worden. Die Maßnahme wird zwar erst Mitte des Jahres komplett abgeschlossen, die Festung verfüge aber jetzt schon in allen Veranstaltungssälen sowie im Jugendhotel über neue Brandmeldeanlagen. Im Unterschied zu gewöhnlichen Rauchmeldern können diese direkt die Integrierte Leitstelle in Coburg alarmieren.

Beim Brand von Notre Dame wurden auch historische Relikte zerstört. Die Fränkische Galerie der Festung Rosenberg beherbergt Ausstellungsstücke von unbezahlbarem Wert, sagt Museologe Alexander Süß. Denn bei den Objekten handele es sich um unersetzbare Unikate. Bei einem Brand würde sich der Sachschaden wohl im mehrstelligen Millionenbereich ansiedeln, schätzt er. "Würde beispielsweise bei den Holzskulpturen im Riemenschneidersaal ein Feuer ausbrechen, wäre es schwer, dort was rauszuholen", sagt der Museologe.

Eine Art Havarieplan, der vorgibt, welche Objekte zuerst in Sicherheit gebracht werden müssen, gebe es nicht. "Ich würde natürlich sagen, die wichtigsten Stücke zuerst, aber das wäre eine endlose Liste", sagt Süß. Bei den Löscharbeiten bestehe das Prinzip, drohende Schäden so gering wie möglich zu halten und gefährdete Objekte in Sicherheit zu bringen. "Aber wir haben noch nicht geübt, wie man die Fränkische Galerie ausräumt", sagt Wicklein und lacht.

Besonders hohes Risiko

Bei der Neukonzipierung des Feuerwehrgerätehauses in der Rodacher Straße sei außerdem entschieden worden, eines der Löschfahrzeuge in der Oberen Stadt zu behalten, damit die Feuerwehr bei einem Brand in der Innenstadt eine möglichst kurze Anfahrt hat. "Bei solchen zusammenhängenden Gebäudekomplexen ist es unheimlich wichtig, Brände möglichst früh zu bekämpfen", erklärt Wicklein. In historischen Altstädten, in denen Häuser eng nebeneinander stehen und Brände leicht von einem auf das andere Haus übergreifen können, gestalten sich Löscharbeiten generell schwieriger.

Alexander Süß haben die Bilder der brennenden Pariser Kathedrale tief getroffen. "Das war ein echter Schock für mich", sagt der Museologe. "Ehrlich gesagt, konnte ich mir das gar nicht angucken und musste wegschalten." Die Übungen der Feuerwehr vor Ort seien extrem wichtig, damit die Ehrenamtlichen ein Bild davon haben, wie das Gebäudeinnere strukturiert ist, meint Süß. "Denn Feuer ist das allerschlimmste, was passieren kann."

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