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Kronach
Rückblick

TV-Hersteller Loewe: Aus der Krise in die Krise

Bereits zum zweiten mal in seiner langen Unternehmensgeschichte hat Loewe Zahlungsschwierigkeiten - wir blicken auf die Entwicklungen der letzten Jahre.
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Foto: Marcus Führer/dpa
Foto: Marcus Führer/dpa

Loewe steht erneut vor einer finanziellen Krise. Durch ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenregie will sich das Unternehmen jedoch wieder sanieren.Bereits in den 90er-Jahren nimmt auf dem Markt der Unterhaltungselektronik eine Entwicklung ihren Anfang, die den weiteren Weg von Traditionsunternehmen wie Loewe bis heute bestimmt. Asiatische Konkurrenz strömt auf den Markt und stößt den schleichenden Niedergang einer Branche an, die sich in Angesicht von Billigproduktion und Preiskampf noch schwer behaupten kann. Für das Kronacher Unternehmen bedeutet das in den 00er-Jahren rückläufige Umsätze und immer weiter zunehmende Unsicherheiten, allen voran bei bis dato rund 1000 Mitarbeitern, die in eine ungewisse Zukunft blickten.

2010 - 2012: Rote Zahlen

Zwar kann das Unternehmen unter anderem durch die Beteiligung von Sharp (2004; 29 Prozent) saniert werden, doch der Druck steigt weiter. Als das Unternehmen 2010 rote Zahlen schreibt, ist es nach Jahren der Krise längst kein Geheimnis mehr, dass Loewe mehr als nur "angeschlagen" ist. Während der Umsatz 2011 noch bei 274 Millionen Euro liegt, geht er im Jahr 2012 auf 250 Millionen Euro zurück. Im Geschäftsjahr 2012 liegt der Verlust bei 29 Millionen Euro. Das Unternehmen leidet zunehmend unter dem Preiskampf der Branche, zugespitzt wird die Situation unter anderem dadurch, dass der Trend zu Flachbildschirmen zu spät erkannt wurde.

2013: Weg zu Insolvenz

Auch ins Jahr 2013 startet das Unternehmen schwach. Im Frühjahr schockt die Firma mit der Nachricht, dass die Hälfte des Grundkapitals bald aufgezehrt sei. 180 der rund 1000 Stellen werden gestrichen. Im Juli stellt die Loewe AG für sich und die Tochtergesellschaft Loewe Opta Antrag auf Gläubigerschutz. Ein sogenannte Schutzschirmverfahren (vorinsolvenzliches Verfahren) wird eröffnet. Loewe zunächst einmal vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt. Der Vorstand kann im Amt bleiben und die Firma behält ihre Handlungsfähigkeit. Drei Monate wirkt dieser Schutzschirm, bis dahin muss das Unternehmen eine Einigung mit den Gläubigern erzielen und einen Sanierungsplan erarbeiten.

Die Kronacher strecken die Fühler vor allem auf dem asiatischen Markt aus: Ergebnis ist eine strategische Partnerschaft mit dem chinesischen Elektronikhersteller Hisense. Im August 2013 folgt eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis 4:1 - das Grundkapital der AG wird um 75 Prozent auf 3,25 Millionen Euro verringert. Dies soll es einem Investor ermöglichen, die Mehrheit an Loewe zu übernehmen. Im Herbst kündigt Loewe Restrukturierungsmaßnahmen an, mit denen ein Stellenabbau einhergehen muss. Circa 150 Arbeitsplätze sind betroffen.

Letztendlich folgt im Herbst die Planinsolvenz. Das Insolvenzgericht Coburg stimmt einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt, ein Sanierungsprozess angestoßen und Investorengespräche fortgeführt.

2014: Neuanfang

Zum Jahresbeginn 2014 gibt Loewe bekannt, dass man mit der Investorengruppe des ehemaligen Apple-Managers Jan Gesmar-Larsen eine Einigung gefunden habe - im Februar macht die Investorengesellschaft Panthera überraschend einen Rückzieher. Mit der Stargate Capital GmbH findet sich im März 2014 schließlich ein Investor, ein Kaufvertrag mit den Gesellschaftern Mark Hüsges und Boris Levin aus München kann abgeschlossen werden.

Der Geschäftsbetrieb der Loewe AG inklusive Tochtergesellschaft Loewe Opta GmbH (einschließlich Produktion) wird weitergeführt, es verbleiben 525 Mitarbeiter. Zunächst werden 95 Stellen gestrichen, doch 50 Mitarbeiter werden vom neu gegründeten Unternehmen Loewe Technologies GmbH wieder übernommen.

Es fällt die Entscheidung, alle neuen Geräte künftig in Kronach zu produzieren. Im Zuge der Erneuerung des Sortiments werden 2014 zwei neue Linien auf den Markt gebracht. Ende 2014 fällt die Bilanz positiv aus. Man spricht von einem "gelungenen Neustart".

2015 - 2017: Bekenntnis zum Standort

Geschäftsführender Gesellschafter Hüsges wird auch in den Folgejahren nicht müde, sich zum Standort Kronach zu bekennen und auch das Label "made in germany " als Aushängeschild zu stärken. 2015 sagt er in einem Interview: "Ziel ist es, die Geschäftsjahre profitabel abzuschließen. Wie weit Loewe davon entfernt ist, bleibt unklar. "Entscheidend ist, dass wir wieder ein Wachstum und eine Präsenz im Markt sehen. Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Hüsges damals.

Da Loewe kein börsennotiertes Unternehmen mehr ist, werden Geschäftszahlen zeitversetzt veröffentlicht. Erst 2017 erfährt man aus dem Bundesanzeiger einige Zahlen. Danach stieg der Umsatz 2016 um 23 Prozent auf rund 134 Millionen Euro. Damit einher geht auch die positive Nachricht: der TV-Hersteller erwarte vier Jahre nach der Insolvenz wieder schwarze Zahlen.

2018 - heute: Suche nach Investoren

2018 bewahrheiten sich die positiven Prognosen zunächst. Allerdings leidet das Unternehmen unter einer allgemeinen Flaute in der Fernsehbranche. Für die Monate Juni, Juli und August hat Loewe daher Kurzarbeit für die 121 Mitarbeiter in der Fertigung beantragt.

Ende 2018 zieht sich Hüsges aus operativem Geschäft zurück. Der Miteigentümer und bisheriger geschäftsführende Gesellschafter wechselt in den neu geschaffenen Loewe-Beirat, dessen Aufgabe es laut Hüsges ist, Investoren finden. Auch wenn 2018 durch den Finanzierungspartner Bright Capital ein kurzfristiges Darlehen aufgenommen wurde, sei man weiter auf der Suche nach einem langfristigen Partner.

Neuer Vorsitzender der Geschäftsführung ist Ralf Vogt. 2019 kündigt Vogt eine neue Partnerschaft an: nach Hisense (seit 2013) und LG Display (seit 2015) kommt mit Toyoichi Tshusho ein japanischer Partner hinzu, mit dem Loewe bei Zulieferung wesentlicher Elektronikkomponenten kollaborieren will. Als nächste Schritte eines groß angelegten Zukunftskonzepts kündigte Vogt im März außerdem die Ausgliederung des heutigen Produktionsbereichs in eine eigene Gesellschaft an. Die 115 Mitarbeiter starke Gesellschaft soll aber weiter unter dem Dach der Loewe-Gruppe verbleiben.

Im Zuge des angekündigten grundsätzlichen Umbaus im Unternehmen könnten aber rund 10 Prozent der 350 in der Gesellschaft Loewe Technologies verbleibenden Mitarbeiter von Personalabbau betroffen sein.

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